Er hat das amerikanische Showbusiness geprägt wie kein anderer, gilt in den dreißiger und vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Pionier der Radiolandschaft und begründet mit einem Auftritt im Film “The Jazz Singer” den Tonfilm. Zum künstlerischen Markenzeichen von Al Jolson gehört sein schwarz geschminktes Gesicht. Der charismatische Sänger, der es mit seinen legendären Broadway-Auftritten zu enormen Ruhm bringt, inspiriert Generationen von Entertainern
Al Jolson kommt als Asa Yoelson am 26. Mai 1886 im litauischen Seredžius, das damals zum Russischen Reich gehört, zur Welt. Er ist der jüngste Sohn von vier Kindern des streng religiösen jüdischen Kantors Moses Yoelson. Vor Armut und Antisemitismus flieht die Familie 1894 nach Washington in die USA, wo die Mutter kurze Zeit später stirbt. Als der Vater erneut heiratet, flieht Al Jolson mit seinem Bruder aus dem Elternhaus und schlägt sich in New York unter anderem als Sänger und Schuhputzer durch. In elenden Verhältnissen lebend, tritt er zunächst auf den verschiedensten Theaterbühnen auf. Schon während seiner Vaudeville-Theatererfahrungen entwickelt Al Jolson sein typisches Markenzeichen: schwarzes Make-Up, um afroamerikanische Blues- und Jazzsänger zu imitieren.
Mit fünfundzwanzig Jahren gelingt Al Jolson 1911 der Durchbruch in einer Rolle im Broadway-Musical “La Belle Parée”. Das Publikum liebt ihn und Anfang der zwanziger Jahre nimmt der Sänger seine erste Schallplatte auf – die Verkäufe seiner Alben erreichen für die damalige Zeit noch nie gesehene Zahlen.
In Europa ist Al Jolson bis in unsere Zeit weit weniger bekannt als in den USA, der Sänger lehnt es stets ab außerhalb der USA aufzutreten. Zu seinen bekanntesten Hits gehören “You Made Me Love You”, “Rock-a-Bye Your Baby With A Dixie Melody”, “April Showers”, “Toot Toot Tootsie”, “California, Here I Come”, “When The Red”, “Red Robin Comes Bob-Bob-Bobbin’ Along”, “Mammy”, “Avalon” und “Sitting On The Top Of The World”. Die Art wie Al Jolson als singender, geschichtenerzählender und schauspielernder Alleinunterhalter die Menschen begeistert, inspiriert unzählige Entertainer wie Frank Sinatra, Judy Garland, Dean Martin, Bing Crosby, Elvis Presley, Rod Stewart, Michael Jackson, Mick Jagger bis hin zu Robbie Williams. Auch Johannes Heesters und Harald Juhnke verehren den Sänger.
1927 spielt Al Jolson die Hauptrolle in “The Jazz-Singer”, mit welchem er einen phänomenalen Erfolg feiert und das Filmstudio “Warner bros.” vor dem Konkurs rettet – der Film gilt als erster kommerziell erfolgreicher Tonfilm überhaupt. Kurz danach spielt der Sänger in “Singing Fool” mit, der Streifen überflügelt den Rekord von “The Jazz-Singer” und gilt bis zu “Gone With The Wind” (“Vom Winde verweht”, 1939) als erfolgreichster Kinofilm überhaupt. Al Jolson ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen, gilt als amerikansiche Institution und feiert auch mit seinen nächsten zwölf Filmen große Erfolge. In den dreißiger Jahren ändert sich der Publikumsgeschmack allmählich, jüngere Kollegen wie Bing Crosby drängen Al Jolson ins Radiofach ab, wo er nicht weniger erfolgreich ist. Seine Radioshows erreichen regelmäßig höchste Einschaltquoten. Auch unternimmt der populäre Sänger musikalische Tourneen zur Truppenunterstützung, unter anderem mit Marlene Dietrich und Bob Hope. Nach Auftritten in Afrika erkrankt er 1944 an Malaria, wovon er sich nur schwer erholt. Im selben Jahr muss ihm ein Lungenflügel komplett entfernt werden. Obwohl sich danach seine Stimme verändert – sie ist anschließend wesentlich tiefer – steht er in den vierziger Jahren wieder auf den Bühnen des Broadway.
Al Jolson gilt als komplizierter und kapriziöser Mensch mit widersprüchliche Eigenschaften. Teilweise tritt er arrogant und herablassend auf, springt hart mit seinen Mitmenschen um, nur auf der Bühne vor seinem Publikum zeigt er sich von seiner charmanten Seite und wird von allen Seiten frenetisch gefeiert. Auch tritt er gerne mit Kollegen wie Bing Crosby und Eddie Cantor zusammen auf. Der nach außen selbstsicher auftretende Sänger wird von Selbstzweifeln vor Premieren und enormen Lampenfieber geplagt. Hinzu kommt seine Anfälligkeit für diverse Krankheiten und seine mangelnde Rücksichtnahme diesbezüglich.
Der Sänger ist viermal verheiratet. Al Jolson kann aufgrund einer Masernerkrankung in der Kindheit keine eigenen Kinder zeugen. Er ist Adoptiv-Vater von drei Kindern – Sohn Al Jolson Jr., Tochter Asa und Tochter Alicia.
Al Jolson stirbt am 23. Oktober 1950 an den Folgen eines Herzinfarktes in San Francisco. Noch am Abend seines Todes werden auf dem Broadway in New York für zehn Minuten alle Lichter ausgeschaltet. Der Sänger wird in Kalifornien beigesetzt.