Seit mehr als einem halben Jahrhundert begeistert er mit abgeklärter Professionalität und stoischem Gesichtsausdruck das Kinopublikum – Alain Delon stellt mit Vorliebe Gangster und Halbkriminelle dar und überzeugt in zahlreichen Heldenrollen. Der attraktive Schauspieler zählt zu den Großen der Filmwelt und gilt nicht nur in Frankreich seit Jahren als Kinolegende
Alain Delon wird am 8. November 1935 im französischen Sceaux, Île-de-France als Sohn eines Kino-Pächters geboren – nach der Trennung seiner Eltern wächst er bei Pflegeeltern auf. Als schwieriges Kind wechselt Alain Delon häufig die Schulen und besucht nach dem Tod seiner Pflegeeltern ein Internat. Von 1952 bis 1956 dient er bei der französischen Marine und wird ab 1953 auch im Indochinakrieg eingesetzt. Nach dem Militärdienst arbeitet er auf dem Pariser Gemüsegroßmarkt “Les Halles” und nimmt Schauspielunterricht. 1957 erhält Alain Delon seine erste Filmrolle in “Quand la femme s’en mêle” (“Die Killer lassen bitten”).
Bei den Dreharbeiten zu “Christine” (1958) trifft er auf Romy Schneider, mit der er bis 1964 eine schlagzeilenträchtige Beziehung führt. Unter der Regie von Luchino Visconti steht er gemeinsam mit ihr im Stück “Schade, daß sie eine Dirne ist” auf der Bühne des “Théatre de Paris” – das Stück feiert riesigen Erfolg und läuft anderthalb Jahre vor ausverkauftem Haus.
Im Thriller “Plein soleil” (“Nur die Sonne war Zeuge”, 1960) nach Patricia Highsmith überzeugt Alain Delon an der Seite von Marie Laforêt Kritik und Publikum in der Rolle des skrupellosen Kriminellen Tom Ripley – durch seine überzeugende Darstellung gelingt ihm der internationale Kinodurchbruch. Im gleichen Jahr spielt er die Hauptrolle in Luchino Viscontis Sozialstudie “Rocco e i suoi fratelli” (“Rocco und seine Brüder”) und etabliert sich damit endgültig als Star. Der große italienische Regisseur setzt Alain Delon nochmals in seinem opulenten Risorgimento-Epos “Il Gattopardo” (“Der Leopard”, 1962) neben Burt Lancaster und Claudia Cardinale als Neffe Tancredi ein. Im selben Jahr agiert der Schauspieler als junger Piero in Michelangelo Antonionis “L’eclisse” (“Liebe ’62″) neben Monica Vitti.
Nach einem vergeblichen Versuch sich in Hollywood zu etablieren, übernimmt Alain Delon diverse Rollen in Kriegs- und Mantel-und-Degenfilmen und gilt bald als würdiger Nachfolger von Gérard Philipe. Man kann ihn in “Les aventuriers” (“Die Abenteurer”, 1967) neben Lino Ventura und in “Le Samourai” (“Der eiskalte Engel”, 1967) sehen. 1970 kommt es dann in der Dreiecksgeschichte “Swimming Pool” zu einem erneuten Zusammentreffen mit Romy Schneider. Einen Auftragskiller spielt Alain Delon neben Jean Gabin und Lino Ventura in “Le clan des Siciliens” (“Der Clan der Sizilianer” 1969), in “Borsalino” (1970) gibt er neben Jean-Paul Belmondo einen Berufsgangster und im Kriminalepos “Le Cercle rouge” (“Vier im roten Kreis”, 1970) ist er neben Yves Montand als Ex-Sträfling und Juwelenräuber zu sehen.
1980 startet Alain Delon eine nur mässig erfolgreiche Karriere als Sänger – unter anderem nimmt er mit der französischen Sängerin Dalida das Duett “Parole, parole” auf. Seine Filme offenbaren in den achtziger Jahren seine enorme Bandbreite – er spielt in Volker Schlöndorffs “Eine Liebe von Swann” (1984) nach Marcel Proust den homosexuellen Baron de Charlus und 1990 unter der Regie von Jean-Luc Godard die Hauptrolle in “Nouvelle Vague”. Für die Darstellung des alkoholkranken Tankwarts in “Notre histoire” (“Geschichte eines Lächelns”, 1985) wird Alain Delon erstmals mit dem französischen Filmpreis “César” ausgezeichnet.
In einer seiner letzten Filmrollen steht Alain Delon 1998 knapp dreißig Jahren nach “Borsalino” erneut mit Jean-Paul Belmondo für das actionreiche Comedy-Drama “Half A Chance” (“Alle meine Väter”) vor der Kamera. 2008 agiert er in “Astérix aux Jeux Olympiques” (“Asterix bei den Olympischen Spielen”) in der Rolle des Julius Cäsar.
1995 wird Alain Delon mit dem “Goldenen Bären” bei den “Berliner Filmfestspielen” und 2003 in Marrakesch mit einem Preis für sein Lebenswerk geehrt. 1999 gibt Alain Delon offiziell seinen Abschied von der Kinoleinwand bekannt – seitdem ist er nur noch in Fernsehproduktionen zu sehen, so in der TV-Serie “Fabio Montale” und in der deutschen Krimi-Reihe “Frank Riva”.
Alain Delon bezeichnet sich selbst als ausdrücklichen Patrioten – er verehrt Napoléon Bonaparte, Charles de Gaulle und den rechtsextremen französischen Politiker Jean-Marie Le Pen. Neben seiner Tätigkeit als Filmschauspieler veranstaltet Alain Delon Boxkämpfe, leitet einen Rennstall und vermarktet Parfums, Champagner und Cognac.
Nach einer Liaison mit Romy Schneider ist Alain Delon von 1964 bis 1968 mit der Schauspielerin Nathalie Delon verheiratet – der gemeinsame Sohn Anthony Delon ist ebenfalls als Filmschauspieler tätig. Von 1969 bis 1984 hat Alain Delon eine Beziehung mit seiner Schauspielkollegin Mireille Darc. Mit der deutschen Rocksängerin Nico hat er einen Sohn, welcher bei der Mutter des Schauspielers aufwächst – die Vaterschaft wird von ihm jedoch stets abgestritten. Zwischen 1987 und 2002 ist er in zweiter Ehe mit dem niederländischen Model Rosalie van Breemen verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder – Anouchka und Alain-Fabien. Alain Delon lebt heute zurückgezogen auf seinem Anwesen im französischen Douchy (Département Loiret).
Zitat: “Wenn mir jemand sagt, sein Wort sei so gut wie seine Unterschrift, dann nehme ich immer die Unterschrift.”