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Alfred Hitchcock gilt als einer der stilistisch einflussreichsten Regisseure des letzten Jahrhunderts – zahlreiche seiner Thriller gelten heute als Meilensteine der Filmgeschichte. In seinen Werken verbindet er gekonnt Spannung mit Humor und ebnet Stars wie Tippi Hedren, Anthony Perkins und Shirley MacLaine den Weg zur Weltkarriere

Alfred Hitchcock

Alfred Hitchcock 1956, Foto: By Fred Palumbo [Public domain], via Wikimedia Commons

Alfred Joseph Hitchcock wird am 13. August 1899 als jüngster Sohn des Gemüsehändlers William Hitchcock und dessen Frau Emma Jane Whelanim in Leytonstone in der Nähe von London geboren. Durch den großen Altersunterschied zu seinen Geschwistern, durch seine römisch-katholische Erziehung und durch sein Äußeres – er ist klein und schon als Kind korpulent – hat er eine einsame Kindheit. Zwischen 1910 und 1913 ist er Schüler der Londoner Jesuiten-Schule St.-Ignatius-College, welche er mit vierzehn Jahren verlässt um stattdessen Abendkurse an der Londoner Universität, diverse Handwerkskurse und später für wenige Monate die School of Engineering and Navigation zu besuchen. Auch belegt er Kurse im Technischen Zeichnen sowie in Kunstgeschichte an der Londoner Kunstakademie. Seine Freizeit verbringt er großteils mit dem Lesen von Fahrplänen und dem Studium von Stadtplänen und Landkarten, später flüchtet er sich in Romane, besucht Theatervorstellungen und geht ins Kino. Auch verfolgt er Mordprozesse im „Old-Bailey“-Gerichtshof und besucht das Black Museum von „Scotland Yard“. Der Tod seines Vaters Ende 1914 – zu dem er kein enges Verhältnis hat – bindet Alfred Hitchcock noch näher an seine Mutter.

1915 nimmt Alfred Hitchcock eine Stelle als Technischer Angestellter in einer Firma an, die elektrische Leitungen herstellt – aufgrund seines zeichnerischen Talents wird er dort bald in die Werbeabteilung versetzt. Unter seinem bis zuletzt gebrauchten Spitznamen „Hitch“ veröffentlicht er seine ersten gruseligen Kurzgeschichten in der Betriebszeitschrift. Nach der Neugründung eines Studios der amerikanischen Produktionsgesellschaft „Paramount Famous Players-Lasky“ im Londoner Stadteil Islington bewirbt er sich dort mit seinen Illustrationen und wird als Zeichner von Zwischentiteln angestellt – er entwirft die Titel für mindestens zwölf Filme und nebenbei auch Kostüme, Dekorationen und Szenenbilder.

1922 bekommt Alfred Hitchcock erstmals Gelegenheit, sich als Regisseur zu versuchen – er stellt die letzten Filmszenen von „Always Tell Your Wife“ fertig. Bald darauf kann er seinen eigenen Film „Number 13“ drehen, der jedoch unvollendet bleibt. Danach ist er bei diversen kleineren Produktionen als Regieassistent und Produktionsleiter tätig. 1924 geht Alfred Hitchcock nach Berlin um in den Babelsberger UFA-Studios – damals den modernsten der Welt – zu arbeiten. Dort lernt er Friedrich Wilhelm Murnau kennen – der berühmte Regisseur hat bedeutenden Einfluss auf Alfred Hitchcocks zukünftige Filme.

Gegen Ende der zwanziger Jahre kann Alfred Hitchcock als Regisseur erste Erfolge feiern – er führt unter anderem Regie in den Filmen „The Lodger“ („Der Mieter“, 1927), „Downhill“ (1927) – beide mit Ivor Novello – „The Ring“ („Der Weltmeister“, 1927), „Easy Virtue“ (1928), „The Farmer’s Wife“ (1928), „Champagne“ (1928) und „Blackmail“ („Erpressung“) – der erste britische Tonfilm mit der deutschen Schauspielerin Anny Ondra in der Hauptrolle. Binner kurzer Zeit macht sich Alfred Hitchcock in Großbritannien einen Namen – die junge britische Filmindustrie ist sehr darauf bedacht sich von der amerikanischen abzuheben und feiert ihn als kommenden Regiestar.

Es folgen Filme wie „Murder!“ („Mord – Sir John greift ein!“, 1930), „The Skin Game“ („Bis aufs Messer“, 1931), „Rich And Strange“ („Endlich sind wir reich“, 1931), „Waltzes From Vienna“ (1934), „Secret Agent“ (1936) mit Lilli Palmer und Peter Lorre, „Sabotage“ (1936), „Young And Innocent“ („Jung und unschuldig“, 1937) und „Jamaica Inn“ („Riff-Piraten“, 1939) mit Charles Laughton. Danach geht Alfred Hitchcock nach Hollywood – hier dreht er Filme wie „Rebecca“ (1940) mit Laurence Olivier, Joan Fontaine und George Sanders, „Mr. & Mrs. Smith“ (1941) mit Carole Lombard, „Suspicion“ (1941) mit Joan Fontaine und Cary Grant und „Shadow Of A Doubt“ („Im Schatten des Zweifels“, 1943).

Wie viele andere britische Regisseure leistet auch Alfred Hitchcock seine Beiträge für die Kriegspropaganda – unter anderem dreht er Kurzfilme zur Unterstützung der französischen Résistance. In „Lifeboat“ („Das Rettungsboot“, 1944) mit Tallulah Bankhead arbeitet er stark propagandistische Töne ein – der Psychothriller wird dreimal für einen „Oscar“ nominiert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges beginnt Alfred Hitchcocks kommerziell erfolgreichste Phase – ab 1945 entstehen Leinwandklassiker wie „Notorious“ („Berüchtigt“, 1946) – beide mit Ingrid Bergman und Gregory Peck, „Rope“ („Cocktail für eine Leiche“, 1948) mit James Stewart, „Strangers On A Train“ („Der Fremde im Zug“, 1951), „Dial M For Murder“ („Bei Anruf Mord“, 1954) mit Grace Kelly, „Rear Window“ („Das Fenster zum Hof“, 1954) mit Grace Kelly, Thelma Ritter und James Stewart, „To Catch A Thief“ („Über den Dächern von Nizza“, 1955) mit Cary Grant und Grace Kelly, „The Trouble With Harry“ („Immer Ärger mit Harry“, 1955) mit John Forsythe und Shirley MacLaine, „The Man Who Knew Too Much“ („Der Mann, der zuviel wußte“, 1956) mit Doris Day und James Stewart, „Vertigo“ („Vertigo – Aus dem Reich der Toten“) mit Kim Novak, James Stewart und Barbara Bel Geddes, „North By Northwest“ („Der unsichtbare Dritte“, 1959) mit Eva Marie Saint und Cary Grant, „Psycho“ (1960) mit Anthony Perkins und Janet Leigh und „The Birds“ („Die Vögel“, 1963) mit Tippi Hedren, Jessica Tandy und Robert Taylor.

Mit seinen letzten Filmen „Marnie“ (1964) mit Tippi Hedren und Sean Connery, „Torn Curtain“ („Der zerrissene Vorhang“, 1966) mit Paul Newman und Julie Andrews, „Topas“ (1969) und „Frenzy“ (1972) kann Alfred Hitchcock nicht mehr an frühere Erfolge anknüpfen.

Die Psychologie ist eine wichtige Komponente in den Filmen von Alfred Hitchcock – das Grundmotiv bildet meist die Angst vor Vernichtung der Existenz vor dem Hintergrund bürgerlicher Werte. Dabei bezieht sich diese Angst nicht nur auf Mörder, Gangster oder Spione, welche die bürgerliche Ordnung angreifen – die Hauptfiguren befinden sich sogar häufig in der Situation, auch von Vertretern des Gesetzes bedroht zu werden. Zu dem Motiv der Angst kommt – Alfred Hitchcocks katholischer Prägung entsprechend – jenes von Schuld und Sühne hinzu. Falsche Verdächtigungen und ausgeprägte Schuldkomplexe gehen bei seinen Filmen mit der Bedrohung der Identität einher. Seine traumatisierten oder verfolgten Figuren nehmen häufig falsche Namen an oder werden – aus unbekannten Gründen – für jemand anders gehalten. Das Motiv des Identitätsverlusts spielt Alfred Hitchcock in unterschiedlichsten Varianten durch, ebenso spielt Sexualität in abnorm empfundenen Erscheinungsformen – wie Homosexualität, Nekrophilie, Fetischismus und Voyeurismus – eine große Rolle in seinen Werken.

Legendär ist Alfred Hitchcocks Vorliebe für Blondinen – der Typ, der sich dabei im Laufe der Zeit herauskristallisiert, ist jener der jungen, schönen, kühlen, hintergründigen und undurchsichtigen Frau, hinter der sich eine stark entwickelte Sexualität verbirgt. Seine Passion für Blondinen erklärt der Regisseur wie folgt: „Ich finde die nordischen Frauen interessanter als die Italienerinnen und die Französinnen. Der Sex darf nicht gleich ins Auge stechen. Eine junge Engländerin mag daherkommen wie eine Lehrerin, aber wenn Sie mit dir in ein Taxi steigt, überrascht sie Sie damit, dass sie Ihnen in den Hosenschlitz greift.“ Mit Grace Kelly verbindet Alfred Hitchcock eine langjährige persönliche Freundschaft, die Beziehung zu Tippi Hedren dagegen ist mehr als neurotisch – nachdem diese seine indiskreten Annäherungsversuche nicht erwidert, sorgt der einflussreiche Regisseur dafür, dass die Schauspielerin keine guten Rollenangebote mehr erhält.

Viele Elemente aus Alfred Hitchcocks Werk sind inzwischen in das Standardrepertoire des Kinos eingegangen – besonders der Einsatz von Suspense als spannungserzeugendem Mittel oder die Verwendung von McGuffins als handlungsvorantreibendes Element. Zahlreiche Regisseure des zwanzigsten Jahrhunderts bezeichnen Alfred Hitchcock als ihr Vorbild und werden in ihren Werken maßgeblich von ihm beeinflusst – darunter François Truffaut, John Carpenter, David Fincher, Steven Spielberg, David Mamet, Quentin Tarantino, Brian De Palma, Martin Scorsese, David Lynch, Fritz Lang, Claude Chabrol, Éric Rohmer, Billy Wilder und Roman Polanski.

Aus Mangel an Statisten in seinen ersten Filmen sieht man Alfred Hitchcock immer wieder im Hintergrund auftauchen – daraus entwickelt er eines seiner bekanntesten Markenzeichen: seinen obligatorischen Cameo-Auftritt.

Alfred Hitchcocks Gesamtwerk umfasst dreiundfünfzig Spielfilme und gehört in Hinblick auf Publikumserfolg sowie Rezeption durch Kritik und Wissenschaft zu den bedeutendsten Werken der Filmgeschichte.

Von 1926 bis zu seinem Tod ist Alfred Hitchcock mit der britische Cutterin und Drehbuchautorin Alma Reville verheiratet – 1928 wird die gemeinsame Tochter Patricia geboren. Seine Frau bleibt bis zum Schluss seine engste Mitarbeiterin und Beraterin.

1965 erhält Alfred Hitchcock für seinen „historischen Beitrag zum amerikanischen Kino“ den „Milestone Award“ der „Producers Guild Of America“ und 1979 wird er vom „American Film Institute“ für sein Lebenswerk geehrt. 1980 wird Alfred Hitchcock von Königin Elisabeth II. zum „Knight Commander“ des „Order Of The British Empire“ ernannt.

Alfred Hitchcock stirbt am 29. April 1980 in seinem Haus in Los Angeles an Nierenversagen – sein Körper wird eingeäschert und die Asche verstreut.

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