Famous People » Sänger » Andy Bell

Als Sänger des Synthie-Duos „Erasure“ gehört er zu einer der erfolgreichsten Popgruppen der Musikgeschichte – Andy Bell feiert in den achtziger und neunziger Jahren mit zahlreichen tanzbaren Hits Charterfolge und wird bis heute nicht nur in der Gay-Community als Kultstar verehrt

Andrew Ivan Bell kommt am 25. April 1964 im englischen Peterborough zur Welt und beginnt seine Gesangkarriere im Kirchenchor. Nach dem Abschluss der Schule jobbt er als Fleischpacker und abends musiziert er in der Band „Dinger“. 1985 antwortet er auf eine Annonce im britischen Musik-Magazin Melody Maker – der ehemalige „Depeche Mode“-Musiker Vince Clarke sucht für ein neues Musikprojekt einen Sänger. Andy Bell ist beim Vorsingen der dreiundvierzigste Teilnehmer und erhält wohl auch durch die Ähnlichkeit seiner Stimme mit der von Alison Moyet – der Lead-Sängerin von Vince Clarkes ehemaliger Synthie-Band „Yazoo“ – den Zuschlag.

Im Herbst 1985 können Vince Clarke und Andy Bell als „Erasure“ das erste Mal mit den Songs „Oh l’amour“ und „Who Needs Love Like That“ die britischen Charts erobern. Die Ähnlichkeit des Sounds der Synthie-Band mit dem von „Yazoo“ ist durchaus beabsichtigt – hat doch Alison Moyet auf dem Höhepunkt des Erfolges von „Yazoo“ wegen Unstimmigkeiten die Zusammenarbeit mit Vince Clarke aufgekündigt. Andy Bell entspricht genau Vince Clarkes Vorstellungen – während dieser sich als introvertierter Klangbastler im Hintergrund hält, präsentiert Andy Bell auf der Bühne eine außergewöhnliche Show, glamourös bis trashig mit einer bis ins Falsett hinaufreichenden Stimme. In dieser Mischung zeigen beide bis heute für Synthie-Pop-Musiker außergewöhnliche und spektakuläre Live-Shows. Ein Zeitungsbericht umschreibt die Konzeption der Liveshows: „Was in irgendeiner Weise als geschmacklos angesehen werden könnte, wird dankbar ins Konzept aufgenommen.“ Schnell avancieren „Erasure“ innerhalb der Gay-Community zu Kultstars.

Den internationalen Durchbruch feiern „Erasure“ 1986 mit „Sometimes“ – dem erfolgreichsten Hit in der fünfundzwanzigjährigen Karriere der Band. Die nächste Single „Victim Of Love“ erreicht 1987 den ersten Platz der US-Dance-Charts. Die nachfolgenden fünf Alben „The Innocents“ (1988), „Wild!“ (1989), „Chorus“ (1991), „Pop!“ (1993) und „I Say I Say I Say“ (1994) erreichen allesamt in Großbritannien den ersten Platz der Charts, so dass „Erasure“ bereits zu Beginn der neunziger Jahre als eine der erfolgreichsten britischen Bands überhaupt gelten. Ausgekoppelt werden aus diesen Alben Singles wie „Ship Of Fools“, „A Little Respect“, „Blue Savannah“, „Chorus“, „Love To Hate You“ und „Always“. Neben ihrer englischen Heimat werden „Erasure“ besonders in Skandinavien und Südamerika sehr populär.

Mit der EP „ABBA-esque“ und den darauf enthaltenen Cover-Versionen der „ABBA“-Hits „Lay All Your Love On Me“, „S.O.S.“, „Take A Chance On Me“ und „Voulez Vous“ lösen „Erasure“ 1991 ein weltweites Abba-Revival aus.

Gegen Ende der neunziger Jahre lässt die Popularität von „Erasure“ nach – ihr Synthie-Pop ist nicht mehr angesagt. Jedoch hat „Erasure“ eine treue Fangemeinde, die Band gibt nach wie vor ausverkaufte Konzerte. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht das Duo neue Alben wie „Erasure“ (1995), „Cowboy“ (1997), „Loveboat“ (2000), „Other People’s Songs“ (2002), „Nightbird“ (2005), „Union Street“ (2006), „Light At The End Of the World“ (2007), „Tomorrow’s World“ (2011), „Sow Globe“ (2013) und „The Violett Flame“ (2014) – kann damit jedoch nicht mehr an den Erfolg früherer Jahre anknüpfen.

2005 veröffentlicht Andy Bell mit „Electric Blue“ ein Solo-Album – darauf sind drei Duette mit Claudia Brücken von „Propaganda“ und Jake Shears von „Scissor Sisters“ enthalten.

Andy Bell lebt offen homosexuell – er unterstützt verschiedene Aids-Hilfen in Großbritannien, zudem engagiert er sich in der Schwulenbewegung und kämpft dabei unter anderem gegen die schwulenfeindliche Gesetzgebung der achtziger Jahre in seiner Heimat. Nach einigen Jahren in Kalifornien und Berlin wohnt der Sänger heute mit seinem Lebensgefährten im englischen Hastings.

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