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In avantgardistischer Aufmachung, mit raspelkurzen Haar und in strenger Männerkleidung wird die charismatische Schottin in den Achtzigern als Sängerin der „Eurythmics“ weltberühmt – die Songs des Duos prägen eine ganze Dekade. Heute wird Annie Lennox als Pop-Ikone gefeiert und macht neben diversen Soloalben auch durch ihr humanitäres Engagement auf sich aufmerksam

Annie Lennox kommt am 25. Dezember 1954 im schottischen Aberdeen zur Welt. Als sie vier Jahre alt ist entdecken ihre Eltern Dorothy und Tom Lennox die künstlerische Begabung ihres einzigen Kindes. Schon früh lernt das Mädchen Klavier und Flöte spielen, singt im Chor, nimmt Tanzstunden und schwärmt für den Motown-Sound von Stevie Wonder, Aretha Franklin und Marvin Gaye. Mit siebzehn Jahren zieht Annie Lennox nach London, um an der Royal Academy Of Music klassische Musik zu studieren. Kurz vor der Abschlußprüfung bricht sie das Studium ab und verdient mit Gelegenheitsjobs als Kellnerin und als Aushilfe in Buchhandlungen ihren Lebensunterhalt. Abends zieht sie mit verschiedenen Musikern durch die Pubs und Clubs der britischen Hauptstadt – allerdings ohne ein festes Engagement als Sängerin zu erhalten.

Als Annie Lennox für eine Stelle als Live-Jazz-Sängerin vorsingt, lernt sie Joy Dey kennen. Beide beschließen, es als Kabarett-Duo „The Stocking Tops“ zu versuchen, doch schon nach einigen Auftritten verlieren sie die Lust. 1976 kommt es dann zur Begegnung zwischen Annie Lennox und Dave Stewart. Sie werden auch privat ein Paar und arbeiten an ersten Songs für ihre neue Popformation „The Tourists“ – einen kleinen Hit haben sie 1979 mit der Cover-Version des Dusty Springfield-Klassikers „I Only Want To Be With You“. Nach der Umbenennung des Duos in „Eurythmics“ erscheint 1981 das Debüt-Album „In The Garden“, doch der Erfolg bleibt vorerst aus. Die Beziehung zwischen Annie Lennox und Dave Stewart geht in die Brüche, doch musikalisch arbeiten sie weiterhin zusammen.

Mit dem zweiten Album „Sweet Dreams (Are Made Of This)“ gelingt den „Eurythmics“ dann der internationale Durchbruch – der gleichnamige Titelsong und weitere Hits wie „Love Is A Stranger“ erklimmen weltweit die Charts, das 1983 erscheinende Nachfolgealbum kann an den Erfolg anschließen und katapultiert Annie Lennox und Dave Stewart in den Pop-Olymp der achtziger Jahre. Ihre Hits „Here Comes The Rain Again“ und „Who’s That Girl?“ sowie das aus dem Soundtrack „1984″ stammende „Sexcrime“ prägen den Soundtrack eines ganzen Jahrzehnts. 1985 erscheint „Be Yourself Tonight“ mit den Singles „There Must Be An Angel“ und der Feministinnen-Hymne „Sisters Are Doin‘ It For Themselves“ im Duett mit Souldiva Aretha Franklin. 1986 veröffentlichen die „Eurythmics“ ihr siebtes Studio-Album „Revenge“ mit den Singles „When Tomorrow Comes“, „The Miracle Of Love“ und „Thorn In My Side“.

Während der introvertierte Dave Stewart sich vor allem in der Anfangsphase der „Eurythmics“ oftmals in den Hintergrund stellt, stilisiert sich Annie Lennox als androgynes Wesen, das mit den Gender-Rollen spielt – später zeigt sie sich auch betont weiblich als Vamp mit platinblonder Perücke. Bereits Ende der achtziger Jahre ist die Hochphase der „Eurythmics“ überschritten – die Alben „Savage“ von 1987 und „We Two Are One“ von 1989 verkaufen sich schwächer.

Weltweit können Annie Lennox und Dave Stewart über achtzig Millionen Tonträger verkaufen – mit Beginn der neunziger Jahre gehen sie getrennte Wege. Während sich Dave Stewart als Produzent betätigt, schlägt Annie Lennox eine Solo-Karriere ein. 1992 veröffentlicht sie das Solo-Album „Diva“, wofür sie mit einem „Brit Award“ in den Kategorien „Bestes britisches Album“ und „Beste britische Solokünstlerin“ geehrt wird – für die Single „Why“ erhält Annie Lennox den „Ivor Novello Award“. Auf ihrem zweiten Solo-Album „Medusa“ (1995) kann man eine Sammlung von Coverversionen ihrer persönlichen Lieblingslieder von Künstlern wie Petula Clark, Paul Simon und „Procol Harum“ hören. Es enthält die britische Hitsingle „No More I Love You’s“ sowie eine Neuauflage des Klassikers „A Whiter Shade Of Pale“.

1999 feiern die „Eurythmics“ ein lang erwartetes Comeback und veröffentlichen das Album „Peace“ – der anrührenden Ballade „I Saved The World Today“ folgt die weltweite „Peace-Tour“, deren Einnahmen an Greenpeace und Amnesty International gehen. 2004 absolviert Annie Lennox mit ihrem Musikerkollegen Sting eine Tournee durch die USA.

2002 tritt Annie Lennox bei den Feierlichkeiten zum fünfzigsten Thronjubiläum der Queen auf und singt dort „Sisters Are Doin‘ It For Themselves“ und „Why“. Im Jahr darauf erscheint ihr drittes und sehr persönliches Solowerk „Bare“. Auf dem 2007 erscheinenden Album „Songs Of Mass Destruction“ steht Nachdenklichkeit und eine persönliche Bestandsaufnahme des Zustandes der Welt im Vordergrund. Überwiegend balladenorientiert, mit politisch-feministischen Untertönen versehen, zieht Annie Lennox hier eine ernüchternde und melancholische Zwischenbilanz. 2005 tritt die Sängerin zusammen mit vielen anderen Stars bei Live 8 im Londoner Hyde Park auf.

Annie Lennox widmet ihr Leben dem Kampf gegen Aids – „Ich werde bis zum Ende meines Lebens meine ganze Kreativität, Kraft und Intelligenz diesem Thema widmen“, sagt sie. „Aids zerstört mit Afrika einen ganzen Kontinent, doch die westliche Welt verschließt die Augen.“ Die Sängerin wird offiziell zur „Botschafterin des guten Willens“ ernannt und ist in den letzten Jahren bei allen Welt-Aidskonferenzen zu Gast. Auch als Botschafterin der Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam ist Annie Lennox engagiert, außerdem setzt sie sich maßgeblich für die Kampagnen „I’m In“ und „Make Poverty History“ ein. 2008 erhält die Sängerin für ihr langjähriges humanitäres Engagement den „Sonderpreis des Deutschen Nachhaltigkeits-Preises“.

Von 1984 bis 1985 ist Annie Lennox mit dem Hare Krishna-Anhänger Radha Raman verheiratet und 1988 heiratet sie den israelischen Film- und Musikproduzenten Uri Fruchtmann, der eine Dokumentation über die Japan-Tour der „Eurythmics“ dreht. 1990 und 1993 kommen die Töchter von Annie Lennox und Uri Fruchtmann zur Welt – 2000 wird die Ehe geschieden.

2014 meldet sich Annie Lennox mit „Nostalgia“ zurück – auf der CD interpretiert sie sehr einfühlsam mehrere „American-Songbook“-Klassiker.

Der langjährige Erfolg von Annie Lennox ist letztlich in ihrer Vielseitigkeit begründet – ob Pop, Rock, Soul oder Blues – mit ihrer markanten Stimme verbindet sie unterschiedlichste Einflüsse zu einem ganz eigenen Stil mit hohem Wiedererkennungswert.

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