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Er gehört seit vielen Jahren in die erste Liga der deutschen Schauspieler – Armin Mueller-Stahl legt eine erstaunliche Karriere hin. Als gefeierter Filmstar kehrt er der DDR den Rücken um im Westen völlig neu anzufangen. Im deutschen Autorenkino macht er sich schnell einen Namen um dann einen weiteren Schritt bis nach Hollywood zu wagen, wo er sich als einer der wenigen Deutschen in hervorragenden Charakterrollen erfolgreich etabliert

Armin Mueller-Stahl kommt am 17. Dezember 1930 im ostpreußischen Tilsit – dem heute russischen Sowjetsk – zur Welt. Als drittes von fünf Kindern eines Bankbeamten wächst er in einer kunstliebenden Familie auf. Seine Eltern fördern schon früh die künstlerischen Talente ihres Sohnes. Der Junge erlebt bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs – zu dem sein Vater eingezogen wird und in den letzten Kriegstagen fällt – eine unbeschwerte Kindheit. Nach dem Abitur studiert Armin Mueller-Stahl Geige und Musikwissenschaft am Städtischen Konservatorium in Berlin und macht 1949 sein Examen als Musiklehrer. Nach einem Jahr als Musikdozent beginnt er ein Schauspielstudium, das er jedoch wegen mangelnder Begabung abbrechen muss. Der angehende Schauspieler lässt sich jedoch nicht entmutigen und erhält nach einem Vorstellungsgespräch bei Helene Weigel bald sein erstes festes Engagement am Berliner Theater am Schiffbauerdamm und wenig später an der Berliner Volksbühne.

Sein Filmdebüt hat Armin Mueller-Stahl 1960 in „Flucht aus der Hölle“ und dem im spanischen Bürgerkrieg spielenden Drama „Fünf Patronenhülsen“ an der Seite von Manfred Krug. In TV-Serien wie „Nackt unter Wölfen“ (1963) profiliert er sich zum gefeierten Charakterdarsteller der DDR – fünfmal in Folge wird er zum beliebtesten Schauspieler des Landes gewählt und 1975 wird er dort zum „Fernsehkünstler des Jahres“ ernannt. In der beliebten Fernsehserie „Das unsichtbare Visier“ – die als Gegenbild zur James-Bond-Reihe angelegt ist – spielt er einen Agenten. Als die Serie politischer konzipiert wird, steigt er aus – was für ihn einen endgültigen Bruch mit der DDR bedeutet. Seine Unterschrift des offenen Briefes gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR 1976 bescheren ihm zweieinhalb Jahre lang kaum noch Rollenangebote. Er schreibt währenddessen seine hochgelobte Autobiographie „Verordneter Sonntag“, siedelt 1980 in den Westen über und lässt sich in Schleswig-Holstein nieder.

In der Bundesrepublik kann Armin Mueller-Stahl mühelos an seine alten Erfolge anknüpfen, er spielt in Rainer Werner Fassbinders „Lola“ (1981) neben Mario Adorf, Helga Feddersen und Barbara Sukowa die männliche Hauptrolle – wofür er den „Bundesfilmpreis“ erhält – und in „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982) an der Seite von Rosel Zech. Auch agiert er in etlichen Streifen des bundesdeutschen Autorenfilm-Kinos unter Herbert Achternbusch, Alexander Kluge und Hans-Christoph Blumenberg. Ebenso engagieren ihn international bekannte Regisseure wie Andrzej Wajda oder Patrice Chéreau für ihre Filme. Schnell wird Armin Müller-Stahl zu einem der gefragtesten Schauspieler Deutschlands. 1985 spielt er neben Klaus-Maria Brandauer in Istvan Szabos „Oberst Redl“ und 1986 ist er als Chef der grauen Männer in Johannes Schaafs „Momo“ nach dem Roman von Michael Ende zu sehen.

Obwohl er kaum englisch spricht, entschließt sich Mueller-Stahl im Alter von sechzig Jahren zu einem weiteren Neubeginn in den USA – er debütiert in Hollywood 1990 in „Music Box“, wo er einen ungarischen Emigranten spielt. Zum „Oscar“-Anwärter avanciert er mit seinem zweiten Film „Avalon“ (1990). Im Episodenfilm „Night On Earth“ (1991) von Jim Jarmusch spielt er den ostdeutschen Taxifahrer und früheren Zirkusclown Helmut Grokenberger, der in New York sein Glück versucht. Hier kann Armin Mueller-Stahl auch sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen. Im „The House Of The Spirits“ („Das Geisterhaus“, 1993) sieht man ihn neben Vanessa Redgrave und Meryl Streep und 1996 tritt er neben John Malkovich in Volker Schlöndorffs Literaturverfilmung „Der Unhold“ auf. Erneut für den „Oscar“ nominiert wird Armin Mueller-Stahl für „Shine“ (1996) – diesmal als bester Nebendarsteller. Danach steht Armin Mueller-Stahl nur noch gelegentlich vor der Kamera – wie in Margarethe von Trottas „Ich bin die Andere“ (2006) und in Tom Tykwers Politthriller „The International“ (2009) neben Clive Owen und Naomi Watts.

Trotz seines Erfolgs in Hollywood kehrt Armin Mueller-Stahl immer wieder nach Deutschland zurück. 2001 übernimmt er die Hauptrolle des Thomas Mann im TV-Mehrteiler „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ an der Seite von Sebastian Koch und Monica Bleibtreu. 2002 erhält der Film als einzige deutsche Fernsehproduktion einen amerikanischen „Emmy“ sowie den „Adolf-Grimme-Preis“ und den „Deutschen Fernsehpreis“.

Armin Mueller-Stahl legt mit „Gespräch mit dem Biest“ (1996) seine bisher einzige Regie-Arbeit vor. Er schreibt einige Romane und Erzählungen und präsentiert seine Zeichnungen und Aquarelle in mehreren Ausstellungen.

Für seine darstellerischen Leistungen erhält Armin Mueller-Stahl im Lauf der Jahre zahlreiche Preise – für sein Lebenswerk wird er 1997 mit der „Berlinale-Kamera“ gewürdigt. Er gehört in Hollywood der Akademie an, die den Oscar verleiht und 1998 erhält er in Chicago die Ehrendoktorwürde des Spertus Institute for Jewish Studies. 2005 überreicht ihm der Bremer Kulturverein den „Hansepreis für Völkerverständigung“, 2006 erhält er die „Carl-Zuckmayer-Medaille“, 2007 wird der Künstler bei der Verleihung des 57. Deutschen Filmpreises mit dem Ehrenpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Die Deutsche Filmakademie würdigt Armin Mueller-Stahl mit einer „Ehren-Lola“ und 2007 erhält er einen „Bambi“. Außerdem ist der Schauspeiler Träger des „Große Bundesverdienstkreuz mit Stern“. 2009 wird Armin Mueller-Stahl im Rahmen der Berlinale im Berliner Rathaus für sein Lebenswerk geehrt und 2010 erhält er den „Landesverdienstorden“ von Nordrhein-Westfalen. 2011 wird Armin Mueller-Stahl zum Ehrenbürger seiner Heimatstadt Tilsit – dem heute russischen Sowjetsk – ernannt.

Armin Mueller-Stahl – der in mehr als hunderundzwanzig Kino- und Fernsehfilmen sein Können unter Beweis stellt – ist seit 1973 mit einer Dermatologin verheiratet, mit der er einen Sohn hat. Die Familie lebt wechselweise in Berlin, in Sierksdorf an der Ostsee und in Los Angeles.

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