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In der biederen Zeit der deutschen Nachkriegsjahre avanciert sie zur Erotik-Pionierin der Nation – gegen alle bürgerlichen Widerstände hinweg gründet Beate Uhse den weltweit ersten Erotik-Konzern und trägt als „Unternehmerin der Lust“ in Deutschland maßgeblich zur Emanzipation der Geschlechter und zur Lockerung der Sitten bei

Beate Uhse-Köstlin kommt am 25. Oktober 1919 als jüngstes von drei Kindern des Landwirts Otto Köstlin und der Ärztin Margarete Köstlin-Räntsch im ostpreußischen Wargenau bei Cranz zur Welt – die Eltern klären ihre Kinder früh auf und sprechen mit ihnen offen über Sexualität.

Mit acht Jahren hört Beate Uhse die Fabel von Ikarus und beschließt Pilotin zu werden – ihre Eltern unterstützen sie und verhelfen ihr zu einer guten Schulbildung, die sie hauptsächlich in Internaten – unter anderem an der Odenwaldschule in Heppenheim und auf Juist – erhält. Mit fünfzehn Jahren wird Beate Uhse hessische Meisterin im Speerwerfen und mit sechzehn Jahren geht sie für ein Jahr als Au-Pair nach England. Danach kehrt sie nach Ostpreußen zurück, wo sie auf Wunsch ihrer Eltern eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert.

1936 lässt sich Beate Uhse in Berlin zur Pilotin ausbilden – sie legt schon zu dieser Zeit starke Emanzipationsbestrebungen und eine ausgesprochene Widerspenstigkeit gegen gesellschaftliche Konventionen an den Tag. Als Pilotin beteiligt sie sich zunächst an Übungen der deutschen Luftwaffe, auch ist sie als „Einfliegerin“ am Test fabrikneuer Maschinen der „Flugzeugwerke Friedrich“ in Strausberg tätig. 1939 heiratet sie ihren Fluglehrer Hans-Jürgen Uhse, dessen Namen sie fortan trägt und mit dem sie ein Kind hat – 1944 verunglückt ihr Mann tödlich.

Während des Zweiten Weltkriegs überführt Beate Uhse Jagdbomber an die Front, auch arbeitet sie während dieser Zeit als Double für Filmstars, die ein Flugzeug fliegen müssen – sie ist klein genug um sich vorne im Flugzeug zu verstecken, während die Filmhelden im hinteren Sitz den kühnen Flieger markieren. Beim Einmarsch der Roten Armee 1945 flüchtet Beate Uhse mit einem Flugzeug vom Flughafen Gatow aus mit Sohn und Kindermädchen zunächst nach Barth und von dort über Travemünde nach Flensburg.

Nach dem Ende des Krieges und einer kurzen britischen Gefangenschaft hält sich die allein erziehende Witwe als Landarbeiterin und Handelsreisende in Schleswig-Holstein über Wasser, da die Besatzungsmächte jede fliegerische Tätigkeit verbieten. Aufgrund ihrer zahlreichen Kundenkontakte zur Landbevölkerung entwickelt sie bald ein besonderes Gespür für die privaten Probleme der Landfrauen, die zwar ein Bedürfnis nach Sexualität haben, andererseits dem Wunsch – wegen Wohnungslosigkeit und Zukunftsängsten – aktuell keine Kinder bekommen wollen. Viele wissen sich nicht anders zu helfen als zu sogenannten „Engelmacherinnen“ zu gehen und ihre Kinder abzutreiben. Beate Uhse erinnert sich an die Aufklärungs-Lektionen ihrer während des Krieges verstorbenen Mutter, sucht nach Informationen über die Verhütungsmethode nach Knaus-Ogino und gibt kurz darauf eine Broschüre heraus, in der sie beschreibt, wie Frauen ihre fruchtbaren und unfruchtbaren Tage bestimmen können.

1949 heiratet Beate Uhse den Flensburger Kaufmann Ernst-Walter Rotermund, mit dem sie einen weiteren Sohn bekommt und von dem sie sich 1972 wieder trennt. Als Ratgeberin zur Sexualität und Erotik ist Beate Uhse bald sehr gefragt – sie verkauft Kondome und „Ehebücher“, gründet mit zunächst nur vier Angestellten das „Versandhaus Beate Uhse“ und eröffnet 1962 in Flensburg ihr „Fachgeschäft für Ehehygiene“ – den ersten Sexshop der Welt. Auf Anraten ihres Anwaltes eröffnet das Geschäft zu Weihnachten, da zur Weihnachtszeit keine Übergriffe empörter Bürger zu befürchten sind – dennoch wird sie von besorgten Flensburgern angezeigt und wegen „der unnatürlichen, gegen Zucht und Sitte verstoßenden Aufpeitschung und Befriedigung geschlechtlicher Reize“ polizeilich verfolgt.

Beate Uhse ficht das alles nicht an – zwar wird ihrem Verlag „wegen sittlicher Bedenken“ der Eintritt in den „Börsenverein des Deutschen Buchhandels“ verweigert und sie wird auch nicht in den Flensburger Tennisclub aufgenommen, dafür kann sie sich jedoch aufgrund ihres geschäftlichen Erfolgs ihr erstes eigenes Flugzeug kaufen. Beate Uhses Unternehmen hat jahrzehntelang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, mit Hausdurchsuchungen und Publikationsverboten zu kämpfen, bis die Strafrechtsbestimmung 1975 liberalisiert wird. Gegen die Proteste aus Politik und Kirche setzt sich Beate Uhse stets für eine Liberalisierung der Sittenvorschriften in Deutschland ein. Auch wird Beate Uhse wegen ihrer pornographische Industrie mit ihren sexistischen und frauenverachtenden Tendenzen vehement von der Frauenbewegung angegriffen. Heute ist die börsennotierte „Beate Uhse AG“ der weltweite Marktführer im erotischen „Zubehörhandel“.

1989 erhält Beate Uhse das „Bundesverdienstkreuz“, 1992 zieht sie sich aus der unmittelbaren Geschäftsführung zurück und 1996 feiert das Unternehmen sein fünfzigjähriges Geschäftsjubiläum. Im selben Jahr eröffnet Beate Uhse in Berlin das „Beate Uhse-Erotik-Museum“. 1999 wird sie zur Ehrenbürgerin der Stadt Flensburg ernannt.

Beate Uhse stirbt im Juli 2001 in einer Schweizer Klinik an den Folgen einer Lungenentzündung – sie wird auf dem Glücksburger Friedhof beigesetzt.

2011 wird das Leben von Beate Uhse verfilmt – die Rolle der Unternehmerin übernimmt Franka Potente.

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