Famous People » Schauspieler » Brigitte Mira

Sie gilt als Berliner Original, ihr Charakterfach ist „die komische Alte“ – man kann die populäre Schauspielerin aber auch in ernsthaften Rollen erleben. Brigitte Mira steht über siebzig Jahre lang auf der Theaterbühne und spielt in etlichen Filmen mit – große Beliebtheit erlangt sie als Putzfrau in Rainer Werner Fassbinders „Angst essen Seele auf“ und in der Fernsehserie „Drei Damen vom Grill“

Brigitte Mira wird am 20. April 1910 als Tochter des aus Russland eingewanderten Pianisten Siegfried Mira und seiner Ehefrau Elisabeth in Hamburg geboren und wächst in Düsseldorf auf – mit acht Jahren beginnt sie eine Ballett- und Gesangsausbildung. Statt Musikpädagogin zu werden – wie es ihre Eltern wünschen – wendet sie sich der Schauspielerei zu. Bereits gegen Ende der Ende zwanziger Jahre debütiert sie in der Rolle der Esmeralda in Smetanas „Die verkaufte Braut“ in Köln. Als Soubrette spielt sie 1930 in der deutschen Erstaufführung von Franz Léhars Operette „Giuditta“ und mit sechzehn Jahren erhält sie ein Engagement als Sängerin am Stadttheater Bremerhaven. Weitere Engagements hat sie in Graz, Kiel und in Hannover, bevor sie ihre künstlerische Heimat 1942 am Theater am Schiffbauerdamm in Berlin findet.

1943 dreht Brigitte Mira fürs deutsche Propagandaministerium die Kurzfilmserie „Liese & Miese“ an der Seite von Gisela Schlüter, die als Vorprogramm zu den Wochenschauen läuft. Dabei spielt Gisela Schlüter die „Gute“, die im Sinne der Nazi-Propaganda alles richtig macht – Brigitte Mira dagegen macht alles falsch, hört Feindsender, hortet Lebensmittel, lässt sich mit Spionen ein und erntet dabei für ihr unkonformes Verhalten reichlich Sympathie – Joseph Goebbels veranlasst, dass die Serie als kontraproduktiv rasch wieder abgesetzt wird.

Nach dem Krieg spielt Brigitte Mira im Theater am Schiffbauerdamm, am Hebbel-Theater und an der Komischen Oper in Berlin, hat Gesangrollen bei diversen Rundfunkanstalten und agiert auf Kabarett-Bühnen – unter anderem bei den „Insulanern“. Ihr Kinodebüt hat die Schauspielerin 1948 in der „Berliner Ballade“ neben Gert Fröbe. Auch wirkt sie in diversen Lustspielen, Volksstücken, Schlagerfilmen und Komödien mit – in Operetten, Singspielen und Unterhaltungssendungen im Fernsehen gilt sie als „Soubrette vom Dienst“.

1972 sieht der Regisseur Rainer Werner Fassbinder die Schauspielerin am Schauspielhaus Bochum bei Peter Zadek in der Fallada-Revue „Kleiner Mann – was nun?“ und verhilft ihr mit der Rolle der verwitweten Putzfrau Emmi Kurowski in „Angst essen Seele“ (1974) zu ihrem Durchbruch auch als international anerkannte Schauspielerin. Danach kann man sie in weiteren Fassbinder-Filmen sehen – so in „Angst vor der Angst“ (1975) neben Margit Carstensen, in „Faustrecht der Freiheit“ (1975) mit Karlheinz Böhm und in „Lili Marleen“ (1981) an der Seite von Hanna Schygulla.

Einer der Höhepunkte ihrer TV-Karriere wird ihre Rolle der Oma Färber in der populären Fernsehserie „Drei Damen vom Grill“ an der Seite von Günter Pfitzmann und Harald Juhnke, welche mit kurzen Unterbrechungen von 1977 bis 1991 läuft.

Ende der neunziger Jahre geht Brigitte Mira zusammen mit Evelyn Künneke und Helen Vita mit dem selbstironischen Chansonabend „Drei alte Schachteln“ auf eine überaus erfolgreiche Tournee. Diese endet unvermittelt mit dem Tod von Helen Vita und Evelyn Künneke.

Brigitte Mira verkörpert zusammen mit ihren Kollegen Günter Pfitzmann, Harald Juhnke und Edith Hancke wie kaum eine andere Schauspielerin das alte West-Berlin – die britische Zeitung „The Guardian“ nennt sie einmal „The archetypal funny old Berlinerin with a heart“.

Für ihre Rolle der Putzfrau Emmi in „Angst essen Seele auf“ erhält Brigitte Mira 1974 in Cannes das „Filmband in Gold“. Diese Trophäe bekommt sie 1989 noch einmal für ihr schauspielerisches Gesamtwerk. 1981 wird ihr das „Bundesverdienstkreuz erster Klasse“ und 2000 die „Goldene Ehrenkamera“ verliehen. Auf der Gala zu Ehren ihres neunzigsten Geburtstages zeigt sich die Schauspielerin enorm schlagfertig. „Wie schafft es eine Frau, fünf Mal verheiratet zu sein, ohne Kochen zu können“, muss sie sich von Talkmaster Alfred Biolek fragen lassen – mit funkelnden Augen antwortete sie: „Ich hatte eben andere Qualitäten.“

2000 spielt die neunzigjährige Brigitte Mira ihre letzte Rolle auf der Bühne als „Die Bettelkönigin von Moabit“ im damaligen Berliner Volkstheater Hansa.

Brigitte Mira ist insgesamt fünf Mal verheiratet. Aus ihrer dritten Ehe mit dem Reporter Reinhold Tabbert stammen ihre beiden Söhne Robert und Thomas. Ihr letzter Ehemann Frank Guerente stirbt 1983. 2004 erleidet Brigitte Mira einen Schwächeanfall, von dem sie sich nicht wieder erholt. Sie stirbt am 8. März 2005 im Alter von vierundneunzig Jahren und wird auf dem Luisenfriedhof in Berlin-Westend beigesetzt.

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