Sie liebt provokante Frauenrollen mit emotionaler Tiefe, ist mal puppenhaft schön und zerbrechlich, dann wieder unnahbar, melancholisch und distanziert. Charlotte Rampling zählt zu den großen europäischen Schauspielerinnen, sie arbeitet mit den renommiertesten Regisseuren des zwanzigsten Jahrhunderts und wird für ihre Arbeit mit unzähligen Preisen geehrt
Geboren wird Charlotte Rampling am 5. Februar 1946 im britischen Sturmer, Essex als Tochter des britischen Nato-Offiziers und Leichtathleten Godfrey Rampling, der bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin im 4×400-Meter-Lauf eine Goldmedaille gewinnt.
Schon als Dreizehnjährige tritt Charlotte Rampling zusammen mit ihrer älteren Schwester in verrauchten Pubs auf. Sie besucht die “Academie Jeanne d’Arc des Jeunes Filles” im französischen Versailles und die exklusive “St. Hilda’s School” im englischen Bushley, bevor sie eine Karriere als Fotomodell einschlägt. Der Ausflug in die schöne Welt aus Schall und Rauch ist aber nur von kurzer Dauer, denn ein bisschen mehr Anspruch darf es dann schon sein. Also verabschiedet sie sich schon bald von dieser Karriere und nimmt ein Jahr lang Unterricht an der Londoner Schauspielschule “The Royal Court”. In Richards Lesters Sexkomödie “The Knack” (“Der gewisse Kniff”) hat sie 1965 in einem Cameo-Auftritt als Wasserski-Läuferin ihren ersten Kontakt zum Film. Ein Jahr später bekommt sie in der Komödie “Georgy Girl” von Silvio Narizzano ihre erste größere Rolle, welche sie über Großbritannien hinaus bekannt macht und ihr weitere Angebote verschafft.
Da in ihrem Heimatland Ende der sechziger Jahre größtenteils oberflächliche Komödien gedreht werden, geht sie im Alter von zweiundzwanzig Jahren nach Italien, wo sie die Rolle der Elisabeth Thallman in Luchino Viscontis “La caduta degli dei” (“Die Verdammten“, 1969) erhält. “Er war mein Meister, und er sagte mir damals: ,Du wirst ein großer Star und hast zwei Möglichkeiten: Entweder gehst du nach Hollywood, wirst reich und läßt dich auffressen, oder du bleibst und erfährst eine andere Art von Reichtum.” so Charlotte Rampling. Sie spielt in diversen italienischen Produktionen mit – 1974 ist sie in Liliana Cavanis Skandalfilm “Der Nachtportier” zu sehen. Darin spielt sie die aufreizende Gefängnisinsassin Lucia, die das Konzentrationslager überlebt hat, in den Fünfzigern ihrem damaligen Peiniger (Dirk Bogarde) wiederbegegnet, mit ihm ein Verhältnis beginnt und die grausamen, sadomasochistischen Spiele von damals reaktiviert. Natürlich wird der Film in Italien verboten, doch der damit verbundene mediale Nachhall machen einige renommierte Regisseure auf die junge Schauspielerin aufmerksam, und sie geht nach Hollywood. Man kann Charlotte Rampling mit Robert Mitchum in “Fahr zur Hölle, Liebling”, mit Paul Newman in “The Verdict”, mit Woody Allen in “Stardust Memories” und in Alan Parkers “Angel Heart” an der Seite von Robert de Niro sehen, doch gegen Ende der achtziger Jahre versiegen die interessanten Angebote. “Ich bin nicht der Typ, der auf Regisseure zugeht. Und weil ich das nicht kann, mußte ich eine andere Art finden, die Leute dazu zu bringen, mich zu fragen, sozusagen telepathisch. Im Englischen gibt es das Wort ,serendipity’ – das ist die Kunst, etwas zu finden, was man nicht gesucht hat.”
Mitte der siebziger Jahre lässt sie sich in Frankreich nieder und heiratet 1976 den Musiker Jean Michel Jarre – die Ehe wird 1996 geschieden. Für sein Album “Oxygène” fertigt Charlotte Rampling die Fotografien an.
Schließlich begegnet sie François Ozon – und wird seine Muse. Er sagt “Die Geschichte der Frau, die den Tod ihres Mannes nicht wahrhaben will, sei auch eine Art Dokumentarfilm über Charlotte Rampling – an der Oberfläche der Glamour, die Magie, und der Eindruck, daß darunter etwas Unausgesprochenes verborgen liegt”. Für “Unter dem Sand” (2000) erhält Charlotte Rampling eine Nominierung für den “César” und den “Europäischen Filmpreis” als beste Hauptdarstellerin. Zur zweiten Zusammmenarbeit mit François Ozon kommt es im Jahr 2003 - in “Swimming-Pool” spielt sie an der Seite von Ludivine Sagnier die spröde britische Krimi-Autorin Sarah Morton, die in einem französischen Ferienhaus ein dunkles Geheimnis aufdeckt. Erneut wird sie in der Kategorie “Beste Hauptdarstellerin” für einen “César” und einen “Europäischen Filmpreis” nominiert, welchen sie diesmal gewinnt.
Charlotte Rampling dreht noch diverse weitere Filme – seit François Ozon sie im Jahr 2000 “wiederentdeckt”, ist das Kino ausgesprochen gut zu ihr und löst endlich ein, was es einer Frau mit ihrer Ausstrahlung lange schuldig bleibt. In Demonik Molls “Lemming”, in Laurent Cantets “Vers le sud”, in “Basic Instinct 2″ kann man sie sehen.
2002 veröffentlicht sie ein Album mit dem Titel “Comme une femme”, auf dem sie französische und englische Lieder aus der Feder von Michel Rivegauche und Jean-Pierre Stora singt – begleitet wird sie dabei von dem Pianisten Claude Rogen.
Für ihre Verdienste um die kulturellen Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien wird Charlotte Rampling 2000 zum “Officer Of The Order Of The British Empire” ernannt – damit hat sie als bilaterale Botschafterin in künstlerischen Angelegenheiten den gleichen Rang inne, wie ihr Vater Godfrey Rampling. 2001 erhält sie den “Ehren-César” für ihr Lebenswerk und bei den “56. Internationalen Filmfestspielen von Berlin” übernimmt sie 2006 die Jury-Präsidentschaft.