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Ihm gelingt das scheinbar Unmögliche, aus Trash Kunst zu machen – mehr als sechs Jahrzehnte lang brilliert der charismatische Brite in Rollen von Bösewichten. Berühmt wird Christopher Lee mit zahlreichen Dracula-Rollen und gilt dem Kino-Publikum daher als Inkarnation des Schrecklichen – dabei überzeugt der groß gewachsene Londoner auch in Komödien und auf der Theaterbühne

Christopher Frank Carandini Lee wird am 27. Mai 1922 als Sohn der italienischen Gräfin Estelle Marie Carandini di Sarzano und Geoffrey Trollope Lee – einem Oberst beim „King’s Royal Rifle Corps“ – in Balgravis in der Nähe von London geboren. Seine Urgroßmutter ist die Opernsängerin Marie Carandini. Während des Zweiten Weltkriegs dient er bei der britischen Royal Air Force, sein Rang beim Ausscheiden nach Kriegsende ist Flight Lieutenant.

Christopher Lee absolviert zunächst die Londoner Summer Fields Preparatory School, danach besucht er das Eton College und das Wellington College, wo er unter anderem Griechisch und Latein lernt. 1947 startet er mit dem Filmdrama „Corridor Of Mirrors“ („Im Banne der Vergangenheit“) seine Schauspiellaufbahn. Es folgen Filme wie „Scott Of The Antarctic“ („Scotts letzte Fahrt“, 1948), „Trottie True“ (1948), „Captain Horatio Hornblower R.N.“ („Des Königs Admiral“, 1951) mit Gregory Peck, „The Crimson Pirate“ („Der rote Korsar“, 1952) mit Burt Lancaster, „The Battle Of The River Plate“ („Panzerschiff Graf Spee“, 1956) und „The Curse Of Frankenstein“ („Frankensteins Fluch“, 1957).

1958 spielt Christopher Lee in „Horror Of Dracula“ („Dracula“) zum ersten Mal die Rolle des Grafen Dracula und feiert damit seinen internationalen Durchbruch – bald avanciert er zum klassischen Leinwamd-Bösewicht. Nach dem er die Rolle des „Fürsten der Finsternis“ achtmal gespielt hat, weigert er sich aus Sorge, sich nur noch über diese eine Rolle zu definieren ab Mitte der siebziger Jahre in weiteren „Dracula“-Adaptionen mitzuwirken und nimmt zukünftig Abstand vom Horror-Genre.

Christopher Lee wirkt in den sechziger Jahren in einigen deutschen Edgar-Wallace-Verfilmungen mit – 1961 kann man ihn neben Ingrid van Bergen und Joachim Fuchsberger in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, 1962 an der Seite von Adrian Hoven, Marisa Mell, Klaus Kinski und Eddi Arent in „Das Rätsel der roten Orchidee“ und 1966 in „Das Rätsel des silbernen Dreiecks“ sehen. Wegen seiner stattlichen Größe wird er häufig als Polizist besetzt. Zwischen 1965 und 1969 agiert Christopher Lee in der Titelrolle der „Dr.-Fu-Man-Chu“-Serie an der Seite von Karin Dor, Horst Frank, Götz George und Joachim Fuchsberger.

Weitere Filme mit Christopher Lee sind „The Hound Of The Baskervilles“ („Der Hund von Baskerville“, 1959), „The Mummy“ („Die Rache der Pharaonen“, 1959), „The City Of The Dead“ („Die Stadt der Toten“, 1960), „The Two Faces Of Dr. Jekyll“ („Schlag 12 in London“, 1960), „The Hands Of Orlac“ („Die unheimlichen Hände des Dr. Orlak“, 1960), „Ercole al centro della terra“ („Vampire gegen Herakles“, 1961), „Die Schlangengrube und das Pendel“ (1967) mit Lex Barker, „Five Golden Dragons“ („Die Pagode zum fünften Schrecken“, 1967), „The Oblong Box“ („Im Todesgriff der roten Maske“, 1969), „El proceso de las brujas/Il trono di fuoco“ („Der Hexentöter von Blackmoor“, 1970) mit Maria Schell, „Scream And Scream Again“ („Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse“, 1970), „Hannie Caulder“ („In einem Sattel mit dem Tod“, 1971), „The Three Musketeers“ („Die drei Musketiere“, 1973) und das „James-Bond“-Abenteuer „The Man With The Golden Gun“ („Der Mann mit dem goldenen Colt“, 1974) neben Roger Moore. Seine erste komödiantische Rolle spielt Christopher Lee 1978 in „1941“ („1941 – Wo bitte geht’s nach Hollywood“) unter der Regie von Steven Spielberg.

In den achtziger und neunziger Jahren agiert Christopher Lee verstärkt in Abenteuer- und Jugendfilmen wie in der Literaturverfilmung „Mio mein Mio“ (1986), „The Return Of The Musketeers“ („Die Rückkehr der Musketiere“, 1988), der Miniserie „Around The World In 80 Days“ („In 80 Tagen um die Welt“, 1988), dem TV-Zweiteiler „La Révolution française“ („Die französische Revolution“, 1989) an der Seite von Klaus Maria Brandauer, Claudia Cardinale und Peter Ustinov, „Death Train“ (1993) neben Pierce Brosnan, dem TV-Film „The Odyssey“ („Die Abenteuer des Odysseus“, 1997) mit Isabella Rossellini und „Sleepy Hollow“ (1999) mit Johnny Depp und Christina Ricci.

Nach der Jahrtausendwende sieht man Christopher Lee in den ersten beiden Teilen der „The Lord Of The Rings“-Trilogie („Herr der Ringe“, 2001 – 2003) als Zauberer Saruman. Die Mitwirkung bei dieser Verfilmung betrachtet er nach eigenen Angaben als eine große Ehre, sei er doch selbst ein großer Fan dieser Fantasy-Literatur. Auch in den zwei „Star-Wars“-Abenteuern „Attack Of The Clones“ („Angriff der Klonkrieger“, 2001) und „Revenge Of The Sith“ („Die Rache der Sith“) wirkt Christopher Lee in der Rolle des Grafen und Sith-Lord Count Dooku/Darth Tyranus mit.

Zu den letzten Filmarbeiten von Christopher Lee zählen „Charlie And The Chocolate Factory“ („Charlie und die Schokoladenfabrik“, 2005) mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter, „The Golden Compass“ („Der Goldene Kompass“, 2007) mit Nicole Kidman, „Triage“ (2009), „Season Of The Witch“ („Der letzte Tempelritter“, 2011) neben Nicolas Cage und Ron Perlman, „Hugo“ („Hugo Cabret“, 2012) an der Seite von Sacha Baron Cohen, Jude Law und Ben Kingsley und „Nighttrain To Lisbon“ („Nachtzug nach Lissabon“, 2012) mit Martina Gedeck und Jeremy Irons.

Christopher Lee ist ausgebildeter Sänger – vor seiner Zeit als Schauspieler singt er in diversen Opernhäusern. Bemerkenswert ist seine Mitarbeit als Erzähler und Sänger im Rock-Musical „The King of Elfland’s Daughter“ nach dem gleichnamigen Roman von Lord Dunsany. Stimmliche Wandlungsfähigkeit zeigt er 1986 bei der Aufnahme von „The Soldier’s Tale“ von Igor Strawinsky und Charles Ferdinand Ramuz. Auch nimmt er unter der Leitung von Yehudi Menuhin als Erzähler Sergejewitsch Prokofjews „Peter und der Wolf“ auf. 1994 nimmt Christopher Lee mit der Opernsängerin Valerie Masterson und dem National Symphony Orchestra die erste komplette Fassung des Musicals „The King And I“ auf.

Christopher Lee ist auch ein brillanter Rundfunk- und Synchronsprecher – als 1983 der Zeichentrickfilm „The Last Unicorn“ („Das letzte Einhorn“) auf deutsch synchronisiert wird, leiht er dem bösen Königs Haggard seine Stimme in deutscher Sprache. Dies wiederholt er auch ein Jahr später beim dänischen Zeichentrickfilm „Walhalla“.

2001 wird Christopher Lee mit dem „DIVA-Award“ und dem Titel „Commander Of The British Empire“ ausgezeichnet. Im Rahmen der 55. Berliner Filmfestspiele tritt Christopher Lee 2005 als prominenter Gastgeber der Galaveranstaltung „Cinema For Peace“ in der deutschen Hauptstadt auf. 2009 wird Christopher Lee von Königin Elisabeth II. in den Rang eines „Knight Bachelor“ erhoben und darf sich nunmehr „Sir“ nennen. Den Ritterschlag erhält 2009 er bei einer Investitur im Buckingham Palast durch den Fürsten von Wales.

Christopher Lee beherrscht insgesamt acht Sprachen – Englisch, Französisch, Italienisch, Russisch, Spanisch, Griechisch, Dänisch und Deutsch. In einem Interview sagt er, dass seine persönliche Liebe zur Musik Richard Wagners für seine intensive Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache verantwortlich sei.

Christopher Lee ist seit 1961 mit dem dänischen Ex-Model Birgit Kroencke verheiratet – aus der Ehe geht Tochter Christina hervor. Der Schauspieler ist der Onkel der Schauspielerin Harriet Walter und der Stiefcousin des Schriftstellers und James-Bond-Erfinders Ian Fleming.

Christopher Lee stirbt am 7. Juni 2015 im Alter von dreiundneunzig Jahren in einem Londoner Krankenhaus.

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