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In Rollen zynischer Einzelkämpfer macht er in seiner langen Karriere wortkarge Cowboys und verbitterte Cops zu Ikonen der Leinwand – Clint Eastwood arbeitet sich vom Westernhelden der sechziger Jahre zum geachteten Hollywood-Regisseur hoch und scheut sich dabei nicht, seinem Heimatland immer wieder den Spiegel vorzuhalten, wobei er hemmungslos alle Mythen bricht, die er einst selbst verkörpert

Clinton Eastwood jr. wird am 31. Mai 1930 als Sohn des Buchhalters Clinton Eastwood und dessen Frau Ruth in San Francisco geboren – während der Rezessions-Zeit arbeitet sein Vater als Tankwart und zieht mit seiner Familie auf der Suche nach Arbeit quer durchs Land. Bis sich die Familie im kalifornischen Oakland niederlässt, lebt Clint Eastwood zeitweise bei seiner Großmutter – er besucht zehn verschiedene Schulen, bricht 1948 sein College-Studium ab und arbeitet danach unter anderem als Holzfäller, Heizer, Tankwart und Lagerarbeiter.

1951 wird Clint Eastwood in die Army einberufen, wo er zwei Jahre lang als Schwimmlehrer tätig ist. Mitte der fünfziger Jahre geht er nach Hollywood, absolviert dort Testaufnahmen bei Universal Pictures und bekommt einen Halbjahresvertrag sowie Schauspielunterricht – zunächst tritt er in kleineren Rollen auf. Etwas später setzt der italienische Regisseur Sergio Leone ihn 1964 für seine „Per un pugno di dollari“-Trilogie („Eine Handvoll-Dollar“) ein, um etwas amerikanisches Flair in seinen Italo-Western zu bringen. Clint Eastwood spielt in der Trilogie einen Abenteurer, der sich in einer Kleinstadt bei zwei verfeindeten Clans als Revolvermann verdingt, um beide gegeneinander auszuspielen. Die Filme gelten zunächst als obskur und werden von den Kritikern entweder verrissen oder überhaupt nicht beachtet. Allerdings entwickelt sich die Trilogie zu einem sensationellen Kassenerfolg und löst die Italo-Western-Welle der sechziger Jahre aus, die mehrere hundert Filme hervorbringt. In der Rolle des zynischen Fremden ohne Namen, der seinen Gegnern in einem Poncho mit aufreizender Lässigkeit gegenübertritt, avanciert Clint Eastwood später zur Ikone der Popkultur.

Obwohl Clint Eastwood durch die „Spaghetti-Western“ enorm populär wird, dauert es einige Zeit, bis er auch in seinem Heimatland als Filmschauspieler Fuß fassen kann. Der große Erfolg von „Zwei glorreiche Halunken“ ermöglicht es ihm schließlich, sich auch in Hollywood durchzusetzen. Die Beziehung zwischen Sergio Leone und Clint Eastwood gilt bald als zerrüttet, weshalb der Regisseur für seinen nächsten Film „C’era una volta il West“ („Spiel mir das Lied vom Tod“, 1968) Charles Bronson als Hauptdarsteller engagiert.

1968 spielt Clint Eastwood im Western „Hang ‚Em High“ („Hängt ihn höher“, 1968) neben Dennis Hopper einen vermeintlichen Viehdieb, der knapp seiner Hinrichtung entgeht. Komödiantische Akzente setzt der Schauspieler auch in „Two Mules for Sister Sara“ („Ein Fressen für die Geier“, 1970), wo er als widerwilliger Beschützer von Shirley MacLaine agiert und im Western-Musical „Paint Your Wagon“ („Westwärts zieht der Wind“, 1969) an der Seite von Lee Marvin als singender Goldsucher.

1971 gelingt Clint Eastwood dann der endgültige Durchbruch zum Superstar – unter der Regie von Don Siegel spielt er die titelgebende Rolle des Polizeiinspektors Harry Callahan („Dirty Harry“), der in San Francisco einen psychopathischen Serienkiller jagt. Die „Dirty Harry“-Reihe wird zu einem großen Erfolg, etabliert Clint Eastwood als neue Kultfigur und er zählt bald zu den weltweit erfolgreichsten Filmschauspielern.

Clint Eastwood ist fast ausschließlich in Rollen zu sehen, deren große Zeit abgelaufen ist – in den siebziger Jahren sind seine Haudraufs zu konservativ für den Hippie-Mainstream, in den Achtzigern wirkt der sehnige Action-Held neben aufgepumpten Kollegen wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone wie ein Relikt aus einer anderen Welt – was ihn allerdings umso virtuoser seine Lieblingsrolle des Einzelgängers ausfüllen lässt.

1986 läßt sich Clint Eastwood in seinem Heimatort Carmel zum Bürgermeister wählen – dieses Amt übt er bis 1988 aus. Als eingeschriebenes Mitglied der Republikanischen Partei unterstützt er unter anderem die Präsidentschafts-Kandidaturen von Richard Nixon und Ronald Reagan. Da er den Irak-Krieg ablehnt und ihn für einen großen Fehler hält, ist er ein entschiedener Gegner der Bush-Regierung.

1993 spielt Clint Eastwood im Thriller „In The Line Of Fire – Die zweite Chance“ einen alternden Agenten, der ein Attentat auf den US-Präsidenten vereitelt – der Film wird zum größten Kassenerfolg in Clint Eastwoods Karriere. Auch der pessimistische Spätwestern „Unforgiven“ („Erbarmungslos“, 1992) kann bei Kritik und Publikum einen überragenden Erfolg verbuchen.

Erst im vorgerückten Alter findet Clint Eastwood die uneingeschränkte Anerkennung Hollywoods und erhält als Regisseur und Produzent zwei „Oscars“. Für sein Werk als Filmproduzent wird er 1994 mit dem „Irving G. Thalberg Memorial Award“ ausgezeichnet. Am 29. Februar 1996 erhält Clint Eastwood vom „American Film Institute“ (AFI) den „Life Achievement Award“ für sein einmaliges Lebenswerk als Schauspieler, Regisseur und Produzent.

2005 ist Clint Eastwood der große Gewinner der „Oscar“-Verleihung und erhält für sein sehr erfolgreiches Drama „Million Dollar Baby“ mit Hilary Swank und Morgan Freeman seinen zweiten Regie-„Oscar“ und einen „Oscar“ als „Bester Film des Jahres“.

In „Gran Torino“ von 2008 spielt Clint Eastwood einen pensionierten Autobauer, der von seiner Veranda im Vorort von Detroit gegen aggressive Jugend-Gangs kämpft. Als Rächer des guten alten Autobauer-Amerikas vereint er noch mal alle seine Kämpfer in der Rolle – „Gran Torino“ soll sein letzter Auftritt vor der Kamera sein, ab jetzt will er nur noch dahinter agieren, so der Schauspieler in einem Interview. Letzte Regiearbeiten von Clint Eastwood sind „Invictus“ („Invictus – Unbezwungen“, 2009), „Hereafter“ („Hereafter – Das Leben danach“, 2010), „J. Edgar“ (2011), „Jersey Boys“ (2014) und „American Sniper“ (2014).

2009 erhält Clint Eastwood in einer nicht öffentlichen Zeremonie in Paris die „Goldenen Palme“ von Cannes für sein Lebenswerk mit der Begründung, dass ihm wie keinem anderen die „Synthese des klassischen und des modernen amerikanischen Kinos“ gelungen sei.

Clint Eastwood hat seit 1971 einunddreißig Spielfilme inszeniert und seit 1982 vierundzwanzig Spielfilme produziert. Seit 1969 ist er an siebzehn Filmen als Soundtrackkomponist, Songwriter oder Sänger beteiligt. Insgesamt werden acht Schauspieler unter Clint Eastwoods Regie für einen „Oscar“ nominiert. Clint Eastwood ist der bis dato älteste Regisseur, der je einen „Oscar“ für die beste Regie erhält – er ist 74 Jahre alt, als er den Preis für „Million Dollar Baby“ gewinnt. Außerdem ist er der einzige Hollywood-Star, der sowohl als Regisseur als auch als Produzent zweimal mit diesem Preis ausgezeichnet wird.

Clint Eastwood hat sieben Kinder, die alle im Filmgeschäft tätig sind.

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