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Sie befreit die Frauen vom Korsett und revolutioniert mit ihren bequemen Designentwürfen die Damenmode – wie keine andere Modeschöpferin prägt Coco Chanel den Stil des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie erfindet das „Kleine Schwarze“ und den Modeschmuck und ihre Duftkreation Chanel N°5 ist noch heute das meistverkaufte Parfum der Welt

Coco Chanel wird als Gabrielle Bonheur Chasnel am 19. August 1883 in Saumur im westfranzösischen Département Maine-et-Loire geboren – sie ist die zweite Tochter von Jeanne Devolle und des Straßenhändlers Albert Chanel und wächst mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen heran. Als sie zwölf Jahre alt ist, stirbt ihre Mutter an Tuberkulose – die nächsten Jahre verbringt Coco Chanel in einem katholischen Waisenhaus, wo sie den Beruf der Näherin erlernt. Danach wird sie im Pensionat Notre-Dame in Moulins in der Auvergne unterrichtet, mit zwanzig Jahren arbeitet sie in einem Strickwarenunternehmen und nimmt erste Aufträge als Schneiderin an.

Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts tritt Coco Chanel als Sängerin in einigen Pariser Nightclubs auf, wo sie die Lieder „Qui a vu Coco?“ und „Ko-Ko-Ri-Ko“ vorträgt – ihr Spitzname „Coco“ stammt aus dieser Zeit.

1910 erfüllt sich Coco Chanel einen Jugendtraum – mit siebenundzwanzig Jahren eröffnet sie in Paris ihre erste Boutique „Chanel Modes“. 1912 erlangt sie durch einen von ihr entworfenen schlichten Strohhut erste öffentliche Aufmerksamkeit, ein Jahr später eröffnet sie im mondänen Badeort Deauville eine Hut- und Accessoire-Boutique. In jener Zeit fällt ihr auf, das die Frauen sogar am Strand ein Korsett tragen – für sich und ihre Freundinnen entwirft sie daher sportliche Mode, 1915 gründet sie ihr erstes Modehaus in Biarritz.

Mit ihren bequemen, zurückhaltenden und natürlich-eleganten Entwürfen revolutioniert Coco Chanel die Damenmode jener Zeit – sie verzichtet auf ein Korsett und wagt sich mit Jersey an ein Material, das bis dahin der männlichen Unterkleidung vorbehalten ist. In wenigen Jahren avanciert sie zur Trendsetterin, sie schneidet sich die Haare kurz, setzt ihr Gesicht bewusst der Sonne aus und trägt Hosen – revolutionär für die damalige Zeit. Schon bald beschäftigt Coco Chanel in ihrem Pariser Unternehmen über dreihundert Arbeiterinnen.

1920 bringt Coco Chanel ihr weltberühmtes Parfum N°5 auf den Markt – der schlichte Flakon hebt sie sich wohltuend von den damals überladenen Parfümflakons ab. 1959 wird das Fläschchen im New Yorker Museum Of Modern Art ausgestellt. Chanel N°5 wird ausschließlich in Coco Chanels Boutiquen in Paris, Deauville, Cannes und Biarritz verkauft und avanciert schnell zum Bestseller.

In den dreißiger Jahren erreicht Coco Chanel den Höhepunkt ihres Ruhms – sie wird als Stern am Pariser Modehimmel gefeiert und ist mit zahlreichen berühmten Persönlichkeiten befreundet, unter anderem mit Jean Cocteau, Igor Strawinsky, Pablo Picasso und Colette. In jenen Jahren beschäftigt sie in ihrem Pariser Haute-Couture-Haus bis zu viertausend Arbeiterinnen.

Während des Zweiten Weltkrieges und der deutschen Besatzung residiert Coco Chanel im Pariser Hotel Ritz, wo sie Hans Günther von Dincklage kennenlernt – der Sonderbeauftragte des deutschen Reichssicherheitshauptamts in Frankreich wird ihr Liebhaber. Zusammen planen sie die später unter dem Namen „Operation Modellhut“ bekanntgewordene Aktion, bei der sie den britischen Premier Winston Churchill zu Gesprächen mit den Deutschen über ein Kriegsende überreden wollen. Die Aktion scheitert jedoch, weil Winston Churchill wegen einer Lungenentzündung unpässlich ist.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fällt Coco Chanel in ihrer französischen Heimat zunächst in Ungnade und wird als Kollaborateurin verhaftet – unter anderem weil sie während der deutschen Besatzungszeit mit den Nationalsozialisten zusammenarbeitet, um einen größeren Anteil an ihrer Firma zu erhalten. Damals gehört die Firma mehrheitlich der jüdischen Familie Wertheimer, deren Anteile von den Nationalsozialisten „arisiert“ und danach an Coco Chanel übertragen werden.

Bis in die fünfziger Jahre hinein lebt Coco Chanel zurückgezogen in der Schweiz, erst als der Nachwuchsdesigner Christian Dior mit seinem „New Look“ – dessen Kreationen sie als Rückfall in die Zeit des Korsetts bezeichnet – auf der Bildfläche erscheint, kehrt sie nach Paris zurück und eröffnet 1954 mit einundsiebzig Jahren erneut eine Boutique in der Pariser Rue Cambon. Ihre neue Kollektion wird zunächst von der Presse abfällig kommentiert, doch nachdem das amerikanische Life-Magazin die Eleganz ihrer Wollkostüme würdigt, beginnt der Siegeszug des weltberühmten Chanel-Kostüms.

Coco Chanel bleibt zeitlebens unverheiratet – von 1906 bis 1910 lebt sie mit dem Pariser Industriellen-Sohn Etienne Balsan zusammen, danach hat sie eine Liaison mit dem britischen Bergwerksbesitzer Arthur Capel, mit dessen finanzieller Unterstützung sie ihr erstes Pariser Modehaus sowie eine Boutique im Seebad Deauville eröffnet. Es folgen Affären mit dem Komponisten Igor Strawinsky, mit dem russischen Großfürsten Dmitri Pawlowitsch Romanow, dem Dichter Pierre Reverdy und dem Duke Of Westminster Hugh Grosvenor.

Coco Chanel stirbt am 10. Januar 1971 im Alter von achtundachtzig Jahren in ihrer Suite im Pariser Hotel Ritz. An der Trauerfeier in der Pariser Madeleine-Kirche nehmen zahlreiche Prominente teil. Ihre letzte Ruhe findet Coco Chanel auf dem Cimetière du Bois-de-Vaux im schweizerischen Lausanne.

Nach dem Tod von Coco Chanel kann das Modehaus Chanel zunächst nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen – erst der Hamburger Designer Karl Lagerfeld verhilft dem Haus ab den achtziger Jahren zu früherem Ruhm zurück.

Das Leben von Coco Chanel wird mehrfach verfilmt – 1981 im Film „Chanel Solitaire“ („Einzigartige Chanel“) mit Marie-France Pisier, Timothy Dalton und Rutger Hauer, 2008 wird die Modedesignerin in „Chanel Chanel“ von Shirley MacLaine dargestellt, 2009 kommt die Filmbiographie „Coco avant Chanel“ („Coco Chanel – Der Beginn einer Leidenschaft“) mit Audrey Tautou in der Hauptrolle in die Kinos und im selben Jahr erscheint der Film „Coco Chanel & Igor Stravinsky“ mit Anna Mouglalis und Mads Mikkelsen, der die Beziehung Coco Chanels mit dem russischen Komponisten Igor Strawinski näher beleuchtet.

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