Famous People » Sänger » Dalida

Am Sonntag dem 3. Mai 1987 gegen 18 Uhr wird Dalida in ihrem Pariser Haus in Montmarte von einer Hausangestellten tot aufgefunden. Wie die Polizei mitteilt, ist sie an einer Überdosis Schlaftabletten gestorben. Im Abschiedsbrief der Sängerin steht nur ein Satz: “Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir”. Mit ihr geht die Epoche der Vinyl-Schallplatte und der großen TV-Varietéshows zu Ende. Der französische Kulturminister Jack Lang bezeichnet ihr Werk als “Hymne an das Leben”

Dalida kommt am 17. Januar 1933 in Choubra – einem Viertel von Kairo – als Yolanda Christina Gigliotti und zweites von drei Kindern zur Welt. Sie verbringt ihre Kindheit und Jugend vorwiegend in Ägypten, da ihr Vater Pietro Gigliotti als erster Geiger am Kairoer Opernhaus engagiert ist. Ihre Großeltern sind um die Jahrhundertwende aus der süditalienischen Provinz Catanzaro ausgewandert. Dalida besucht eine katholische Schule, arbeitet als Sekretärin und nimmt 1952 als Achtzehnjährige das erste Mal an einem Schönheitswettbewerb teil. Drei Jahre später wird sie zur “Miss Ägypten” gewählt und übernimmt schon bald kleine Nebenrollen in Filmen wie “Joseph et ses frères”, “The Mask of Toutankhamon” und “A Glass And A Cigarette”. Mit zweiundzwanzig Jahren geht sie nach Paris – “mit einem Koffer voller Träume und wenig Geld”, wie sie sagt – um Schauspielerin zu werden.

Dalidas Laufbahn als Sängerin beginnt 1956, als sie sich an einem Chanson-Nachwuchswettbewerb im Pariser “Olympia” beteiligt. Dabei fällt sie dem Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, dem Plattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des Senders “Europe 1″, Lucien Morisse, auf. Bereits ihre erste Schallplatte “Bambino” von 1956 entwickelt sich zum Hit und bringt ihr die extra für sie erfundene “Goldene Schallplatte” ein. 1958 wählt man Dalida zur “Sängerin des Jahres” und zeichnet sie zusammen mit Yves Montand mit dem “Music Hall Bravo” aus – seitdem ist sie Stammgast auf den Titelseiten der bunten Magazine.

Weitere “Goldene Schallplatten” bekommt Dalida für “Ciao Ciao Bambina”, “Guitare et Tambourin” und “Am Tag, als der Regen kam” – das Lied erreicht den ersten Platz der deutschen Hitparade und behauptet sich ein halbes Jahr lang unter den zehn erfolgreichsten Schlagern. Dalida avanciert zur “Königin der Jukebox” – allein 1960 verdient sie sich fünf “Goldene Schallplatten” mit “Romantica”, “T’aimer follement”, “Les enfants du Pirée”, “Itsi-Bitsi” und “Milord”. Im Laufe ihrer Karriere nimmt die Sängerin rund fünfhundert Lieder in acht Sprachen auf.

1961 heiratet die achtundzwanzigjährige Dalida in Paris ihren Entdecker Lucien Morisse – die Ehe mit dem zurückhaltenden Mann scheitert schon einige Monate später, als Dalida mit dem jüngeren polnischen Maler Jean Sobieski zusammenzieht. Im selben Jahr überreicht man ihr “Goldene Schallplatten” für “Last Waltz”, “Achète-moi un jukebox” und “Garde moi la dernière danse”. 1961 bezieht Dalida auf dem Montmartre in Paris eine Villa und trennt sich von Jean Sobieski.

1964 begleitet Dalida für den Rundfunksender “Europe 1″ die “Tour de France” – jeden Abend tritt sie nach dem Rennen auf der Bühne auf, sie fährt durch Frankreich und singt fast dreitausend Lieder. 1964 nimmt Dalida für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegen. 1967 ehrt man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem “Oscar Canzonissima”.

1967 nehmen Dalida und ihr Freund – der italienische Komponist und Sänger Luigi Tenco – am Schlager-Festival in San Remo teil. Erst singt Luigi Tenco, dann Dalida das Chanson “Ciao amore, ciao”. Vom Lampenfieber gelähmt, versagt ihm die Stimme, Dalida dagegen wird bejubelt. Als die Jury um ein Uhr morgens entscheidet, dass beide Künstler nicht am Finale teilnehmen dürfen, schreibt Luigi Tenco im “Hotel Savoy” einen Abschiedsbrief, in dem er die kommerzielle Entscheidung der Jury anprangert und tötet sich durch einen Schuss in den Kopf. Dalida, die ihren Geliebten tot auffindet, muss von zwei Männern vom Leichnam getrennt werden. Nach dieser Tragödie ist Dalida innerlich wie tot und plant heimlich, Tenco, den sie 1967 heiraten wollte, in den Tod zu folgen. Nach diesem Vorfall leidet die Sängerin unter psychischen Problemen und Depressionen – ein Suizidversuch scheitert. Dalida überwindet die damalige Krise mit Hilfe einer Psychotherapie. Der Schriftsteller Arnaud Desjardins, der sein Leben fernöstlichen Religionen widmet, wird ihr neuer Freund. Sie begleitet ihn nach Indien, bereist das Land drei Jahre lang und begibt sich in die Obhut eines geistlichen Führers.

1968 wird Dalida für ihre Verdienste um das französische Chanson die Medaille des Präsidenten Charles de Gaulle “Maison des Intellectuels” überreicht, auch erhebt man sie zum “Commandeur des Arts, Sciences et Lettres” und verleiht ihr das “Ehrenkreuz von Vermeil”. Für “Le temps des fleurs”, “Gigi” und “J’attendrai” nimmt sie weitere “Goldene Schallplatten” entgegen. 1970 übernimmt Dalida selbst die Produktion ihrer Schallplatten und stellt ihren jüngeren Bruder Bruno “Orlando” Gigliotti als Produzent und Manager ein. 1971 tritt Dalida nach vierjähriger Pause mit neuem Repertoire wieder im “Olympia” in Paris auf. Da niemand mit einem Erfolg rechnet, musst sie selbst die Saalmiete tragen.

1972 wird der Maler und Sänger Richard Chanfray Dalidas neuer Lebensgefährte – er ist in der Pariser Gesellschaft als “Graf von Saint-Germain” bekannt. Mit ihm lebt sie auf der Mittelmeerinsel Korsika. Doch das Glück währt nicht lange – 1983 findet man seine Leiche auf einer Straße in Südfrankreich. Er sei unfähig gewesen, sich ein Leben ohne Dalida vorzustellen und müsse diesen Weg wählen. 1973 nimmt Dalida das Duett “Paroles, paroles” mit Alain Delon auf, mit dem sie in den sechziger Jahren eine leidenschaftliche Affäre verbindet. Der Song wird in vielen Ländern ein Hit. Auch mit ”Er war gerade 18 Jahr” und “Gigi der Geliebte” kann die Sängerin endlich wieder an frühere Erfolge anknüpfen.

Einige Jahre lang wird es dann still um sie – und wenn die Zeitungen von ihr sprechen, so nur noch, um über ihre Liebesgeschichten und ihren Selbstmordversuch zu berichten.

Mit den Chansonsängerinnen wie Barbara oder Juliette Gréco kann Dalida nicht konkurrieren, dafür ist ihr Repertoire zu simpel, und mit den jungen Schlagersängerinnen wie Francoise Hardy oder Sylvie Vartan kann sie nicht mehr Schritt halten, dafür ist sie als Dreißigjährige im “Yé-Yé”-Zeitalter schon zu alt. Doch kurze Zeit später taucht sie genau da auf, wo sie eigentlich niemand erwartet hat – mitten in der Disco-Bewegung. Ihre Neufassung von “J’attendrai” avanciert zum ersten französischen Discohit und Dalida wird die unbestrittene Disco-Pionierin in Frankreich. Mit “Génération 78″ liefert sie das erste französische Medley und unterlegt dieses mit dem ersten französischen Videoclip überhaupt. Auch die Amerikaner lieben die Entertainerin, die Glamour und Professionalität so genial vereint – sie muss nicht lange auf eine Einladung nach New York warten und so steht sie 1978 auf der Bühne der “Carnegie Hall”. Das Publikum reagiert wie entfesselt – ihr neues Lied “Lambeth Walk” – eine Art Zwanziger-Jahre-Schlager – wird begeistert aufgenommen und die Lokalpresse huldigt ihr.

Während der letzten Jahre ihres Lebens sieht man den Namen von Dalida nicht mehr in den internationalen Hitparaden. 1986 feiert man sie noch stürmisch bei der Uraufführung des Films “Le sixième jour” (“Der sechste Tag”) von Youssef Chahine in ihrer Geburtsstadt Kairo. In dem Streifen spielt sie die Hauptrolle und singt das Titellied.

Für ihre zahlreichen Hits erhält die Sängerin sagenhafte fünfundfünfzig “Goldene Schallplatten”, Platinplatten und als erste Sängerin überhaupt eine “Diamantene Schallplatte”. Doch Dalida fühlt sich ausgezehrt, erschöpft und allein. War auch ihre Karriere durch und durch gelungen – fühlt sie die Jahre immer schwerer auf sich lasten. Sie singt: “Moi, je veux mourir sur scène, devant les projecteurs” (“Auf der Bühne möcht’ ich sterben, mitten im Rampenlicht”). Dalida wird 1987 auf dem Friedhof Montmartre – ganz in der Nähe ihres Domizils – beigesetzt.

Zitat: “Ich habe mein Leben damit verbracht, das Licht zu suchen.”

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