Famous People » Sänger, Schauspieler » Dean Reed

Dean Reed ist bekennender Sozialist, lateinamerikanisches Teenageridol, Star in diversen Italo-Western und begeistert als blonder Sonnyboy mit Hüftschwung und Twist die Massen des ehemaligen Ostblocks. Die erstaunliche wie schillernde Karriere des „Roten Elvis“ fasziniert die Menschen bis heute

Dean Cyril Reed kommt am 22. September 1938 in Denver im US-Bundesstaat Colorado als Sohn des Lehrers Cyril Reed und der Hausfrau Ruth Anna Brown zur Welt und wächst im ländlichen Colorado mit zwei Brüdern auf einer Farm auf. Mit zwölf Jahren lernt er das Gitarrenspiel, nach einem abgebrochenen Meteorologie-Studium erlangt er mit Hillbilly-Songs als „The Denver-Kid“ erste lokale Berühmtheit. 1959 erhält er einen Plattenvertrag – die Firma will ihn zum neuen Teenageridol aufbauen – doch seine Songs wie „I Kissed A Queen“, „The Search“, „Our Summer Romance“ und „Whirly Twirly“ sind nur mäßig erfolgreich.

Unerwarteten Erfolg feiert Dean Reed jedoch ab dem Ende der fünfziger Jahre in Lateinamerika – sein Song „The Search“ belegt in Argentinien den ersten Platz der Charts, bei seiner Ankunft in Buenos Aires zum Auftakt einer Konzertreise durch Südamerika wird er von tausenden Fans stürmisch gefeiert. 1961 siedelt Dean Reed nach Argentinien über, wo er bald beliebter ist als Elvis Presley, Paul Anka oder Neil Sedaka. Er tritt in Filmen und Telenovelas auf und startet 1965 seine eigene „Dean-Reed-Show“.

Die Armut und Ungerechtigkeit in seiner Wahlheimat machen Dean Reed schnell zum Aktivisten, er singt spanische Kampflieder vor Gewerkschaftern und Intellektuellen und gibt eintrittsfreie Konzerte in Fabriken und Gefängnissen – schon bald nennt man ihn „Mr. Simpatico“. Als argentinischer Delegierter reist er zum Weltfriedenskongress nach Helsinki und 1966 besucht ihn Ernesto Che Guevara in seinem Haus in Buenos Aires.

Nach dem Militärputsch in Argentinien wird Dean Reed aus dem Land gewiesen – er geht nach Spanien und lässt sich danach in der Sowjetunion nieder, wo er sich eine neue Karriere aufbaut. Als erster US-Amerikaner und Rocksänger feiert er auf sowjetischen Bühnen mit Country und Rock’n Roll-Nummern riesige Erfolge, die Platten des „Johnny Cash der Sowjetunion“ verkaufen sich millionenfach.

1967 siedelt Dean Reed mit seiner Familie nach Italien. In der römischen Filmstadt Cinecittà dreht er – unter anderem mit Anita Ekberg, Nadja Tiller und Yul Brunner – einige der damals angesagten Italo-Western. Seine linksgerichteten Aktivitäten – 1969 demonstriert er an der Spitze einer Anti-Vietnamkriegs-Demonstration vor der US-Botschaft in Rom und 1970 wäscht er in Santiago de Chile in einer spektakulären Straßenaktion die Flagge der USA vom „Schmutz des Imperialismus“ rein – bleiben auch der italienischen Regierung nicht verborgen. 1972 wird er des Landes verwiesen und zieht in die DDR, wo er bald als Weltstar und „Sänger des anderen Amerika“ hofiert wird. In der DDR dreht er einige Filme – unter anderem „Aus dem Leben eines Taugenichts“ (1973) mit Hannelore Elsner, „Kit & Co“ (1974) neben Rolf Hoppe und Armin Mueller-Stahl, „Blutsbrüder“ (1975) und „El Cantor“ (1975) – und veröffentlicht weitere Platten mit Country und Rock’n Roll-Songs.

Nebenher kämpft Dean Reed weiter für den Sozialismus – er tritt zum „25. Jahrestag der Pionierorganisation Ernst Thälmann“ im Berliner Friedrichstadtpalast auf und unterstreicht stets „Ich bin Marxist, was auch immer ich singe.“ Menschenrechtsverletzungen in der Sowjetunion tut er als „ein paar Fehler und Ungerechtigkeiten“ ab. Mit seinem US-amerikanischem Pass engagiert er sich bei weltweiten Protestaktionen, er besucht die „PLO“ und singt für Jassir Arafat. 1978 solidarisiert sich Dean Reed mit amerikanischen Farmern, wird ins Gefängnis gesperrt, tritt in Hungerstreik und löst eine weltweite politische Kampagne zu seiner Freilassung aus.

Mit dem Beginn der achtziger Jahre verblasst der Ruhm von Dean Reed – gelegentlich tritt er noch in Unterhaltungsshows auf und gibt einige Konzerte. Sein letzter Film „Sing, Cowboy, sing“ (1981) fällt bei Publikum und Kritikern durch und auch seine letzte Platte „Dean Reed“ erweist sich als Flop. Zudem entfernt er sich vom damaligen DDR-System – desillusioniert telefoniert er mit Freunden in den USA, wo er auf ein Comeback hofft.

Ab 1976 dient Dean Reed dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit als inoffizieller Mitarbeiter, dem er unter anderem über Besuche bei Diplomaten der US-Botschaft in der DDR berichtet. Als ihn das Ministerium auffordert, Informationen über Jassir Arafat zu liefern, beschwert sich Dean Reed persönlich bei Erich Honecker – daraufhin stellt das Ministerium die Zusammenarbeit mit ihm ein.

1980 wird Dean Reed der „Preis des sowjetischen Komsomol für Kunst und Literatur“ verliehen – auch erhält er die „Artur-Becker-Medaille in Gold“ der „Freien Deutschen Jugend“, die tschechoslowakische „Julius Fučík-Medaille“, die bulgarische „Georgi-Dimitrow-Medaille“ sowie den Orden „Stern der Völkerfreundschaft in Silber“ der DDR.

Dean Reed ist dreimal verheiratet – zuletzt ab 1981 mit der Schauspielerin Renate Blume – und hat drei Kinder.

Dean Reed nimmt sich am 13. Juni 1986 das Leben – er wird mit aufgeschnittenen Pulsadern und einer Überdosis Schlaftabletten am Ufer des Zeuthener Sees in Brandenburg tot aufgefunden.

Im Abschiedsbrief von Dean Reed – der bis zur politischen Wende 1990 unter Verschluss gehalten wird – schreibt er unter anderem, dass er unter Eifersucht leide. Auch bezeichnet er den Sozialismus als einzige Lösung für die Probleme der Menschheit.

Dean Reed wird auf dem Waldfriedhof von Rauchfangswerder beerdigt und später auf Wunsch der Familie nach Boulder in den US-Bundesstaat Colorado überführt, wo er auf dem Green Mountain Cemetery beigesetzt wird.

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