Famous People » Model, Schauspieler » Edie Sedgwick

Knapp eine Dekade lang ist sie angebetetes Glamourwesen und It-Girl der New Yorker Kunstszene, sie lässt sich als Muse von Andy Warhol feiern und findet einen frühen Tod – als Style-Ikone ersten Ranges verkörpert Edie Sedgwick die Popkultur der sechziger Jahre auf tragische Weise

Edith „Edie“ Sedgwick wird am 20. April 1943 im kalifornischen Santa Barbara geboren – sie ist das siebte Kind des Ranchers und Bildhauers Francis Minturn Sedgwick und dessen Ehefrau Alice Delano de Forest und wächst in einem traditionsreichen und wohlhabenden Elternhaus auf, abgeschirmt von der Außenwelt wird sie von Kindermädchen großgezogen.

Mit dreizehn Jahren besucht Edie Sedgwick in San Francisco die Katherine Branson School und danach das renommierte Mädcheninternat St. Timothy’s – früh entwickelt sie eine Magersucht, auch neigt sie zu Wutanfällen und rebelliert gegen das Lehrpersonal. Ihre Eltern gehen deswegen mit ihr auf Europreise – nachdem sich keine Besserung einstellt, wird sie 1962 in eine psychiatrische Klinik in Connecticut und danach in eine geschlossene Klinik in New York eingewiesen. Eine gegen Ende des Aufenthaltes auftretende Schwangerschaft wird abgebrochen, die Vaterschaft bleibt ungeklärt.

Mit zwanzig Jahren geht Edie Sedgwick nach Cambridge, um an der Harvard University Kunst zu studieren – dort macht sie erste Erfahrungen mit Drogen. 1964 nimmt sich ihr Bruder Monty das Leben – Edie Sedgwick beschuldigt ihren Vater, der dessen Homosexualität nie akzeptiert.

Mitte der sechziger Jahre zieht Edie Sedgwick zusammen mit ihrem damaligen Freund und Mentor Chuck Wein nach New York, wo sie schnell Anschluss in der dortigen Party- und Modeszene findet – sie beeindruckt mit geistreichen Witz, rauchiger Stimme und ausdrucksstarker Mimik und macht schließlich die Bekanntschaft mit Andy Warhol, der sie protegiert und sie zum Star seiner „Factory“ und einiger seiner Undergroundfilme macht. Sie spielt 1965 in seinen Filmen „Vinyl“ und „Poor Little Rich Girl“, wird von Kritikern bereits mit Marilyn Monroe verglichen und als Nachwuchstalent entsprechend vermarktet – Modemagazine küren sie zum Jugendidol und feiern den filigranen Look des silberhaarigen Party-Girls.

Edie Sedgwick verkehrt mit Stars wie Mick Jagger, Brian Jones, Jim Morrison, Lou Reed und Bob Dylan und gibt Unmengen an Geld für Alkohol, Medikamente, Partys, Make-up und Kleidung aus. Unkontrollierte Wutanfälle, ihr divenhaften Benehmen sowie eine Liaison mit Bob Dylan führen letztendlich zum Bruch mit Andy Warhol – 1966 ist sie pleite, sie erhält keine Modeljobs mehr und ist durch ihren exzessiven Drogenkonsum zunehmend verfallen.

Ende der sechziger Jahre geht Edie Sedgwick – äußerlich zum Wrack mutiert – zurück zu ihren Eltern, die sie umgehend in ein Krankenhaus einweisen. Zurück in New York spricht sie 1967 erfolglos für Norman Mailers Stück „The Deer Park“ vor. Ihr New Yorker Apartment brennt ab, nachdem sie mit einer Zigarette in der Hand einschläft, und als sie für den Film „Ciao Manhattan“ ein Rollenangebot bekommt, torpedierte sie die Dreharbeiten. Sie macht einige Entziehungskuren, wird wegen Drogenbesitzes verhaftet, flüchtet 1971 in eine kurze Ehe mit Michael Brett Post und plant an der TV-Show „Eine amerikanische Familie“ teilzunehmen.

Am 16. November 1971 stirbt Edie Sedwick im kalifornischen Santa Barbara im Alter von achtundzwanzig Jahren an einer Überdosis Barbituraten – sie wird auf dem Oak Hill Cemetery in Ballard beigesetzt.

Als stilistische Trendsetterin und Pop-Ikone ersten Ranges reicht Edie Sedgwicks Wahrnehmung bis in die Gegenwart – sie ist der Prototyp des It-Girls und nimmt den mageren Chic von späteren Models wie Twiggy und Kate Moss vorweg. Ihr tragisches Leben dient als Spiegelbild der narzisstischen Kunstszene der sechziger und siebziger Jahre, man verbindet mit ihrem Namen Geld, Glamour, Drogen, Kunst, Sex und frühen Tod und erwähnt sie heute hauptsächlich im Zusammenhang mit diversen Retro-Trends.

Im 2006 in die Kinos gekommenen Bio-Pic „Factory Girl“ wird Edie Sedgwick von Siena Miller dargestellt.

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