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Sie gilt als eine der einflussreichsten Frauen in der amerikanischen Politik des zwanzigsten Jahrhunderts – als selbstbewusste Ehegattin und moralisches Gewissen von US-Präsident Franklin Delano Roosevelt setzt sich Eleanor Roosevelt in der dunklen Zeit der „Great Depression“ für die Rechte ihrer Landsleute ein. Bis heute wird sie in den Vereinigten Staaten als unermüdliche Vorkämpferin, als leidenschaftliche Sozialreformerin und als glaubwürdige und integere Persönlichkeit landesweit verehrt

Anna Eleanor Roosevelt wird als erstes Kind von Anna Livingston Ludlow Hall Roosevelt und Elliott Roosevelt – dem Bruder des späteren US-Präsidenten Theodore Roosevelt – am 11. Oktober 1884 in New York geboren. Sie hat zwei Brüder – Gracie Hall und Elliott Jun., welcher im Alter von knapp vier Jahren stirbt. Ihre Familie, deren Vorfahren im siebzehnten Jahrhundert aus den Niederlanden einwandern, gehört der New Yorker Oberschicht an und lebt hauptsächlich von ihrem ererbten Vermögen. Die Mutter von Eleanor Roosevelt stirbt bereits im Alter von neunundzwanzig Jahren an Diphtherie und ihr alkoholkranker Vater stirbt 1894 an den Folgen eines Suizidversuchs. Als Vollwaise kommt Eleanor Roosevelt zu einer Tante nach Tivoli im US-Bundesstaat New York, wird von französischen Gouvernanten, Privatlehrern und von ihrer Großmutter unterrichtet und besucht von 1899 bis 1902 ein exklusives britisches Internat in der Nähe von London.

Nach ihrer Rückkehr in die USA übt Eleanor Roosevelt verschiedene soziale Ehrenämter aus und nimmt an zahlreichen gesellschaftlichen Ereignissen teil. 1903 verlobt sie sich zunächst heimlich mit ihrem entfernten Verwandten Franklin Delano Roosevelt, die Hochzeit erfolgt 1905. Beide ziehen in ein Apartment in Manhattan – Franklin D. Roosevelt beginnt ein Rechtsstudium an der New Yorker Columbia University und tritt 1908 in eine namhafte Wall Street-Firma ein. Die Ehe ist harmonisch – in schneller Folge werden die Kinder Anna, James, Franklin und Elliott geboren.

1919 kandidiert Franklin D. Roosevelt bei den Wahlen zum Senat des Bundesstaates New York für die Demokratische Partei – er gewinnt die Wahl und die junge Familie zieht in die beschauliche Hauptstadt des Staates New York – nach Albany. Dort beginnt Eleanor Roosevelt ein reges Sozialleben und unterstützt ihren Mann bei seiner politischen Arbeit – auch nimmt sie des öfteren an den Debatten in den beiden New Yorker Staatskammern teil. Franklin D. Roosevelt erlangt während dieser Zeit großes Ansehen und wird 1912 wiedergewählt. Während der Amtszeit ihres Mannes entwickelt Eleanor Roosevelt eine Agenda für die Einführung des Frauenwahlrechts sowie die Schaffung eines Sozialversicherungssystems – Franklin D. Roosevelt legt die Pläne dann 1912 als politisches Programm vor. 1913 wird Franklin D. Roosevelt nach Washington berufen und dort zum Unterstaatssekretär der Navy ernannt.

Nach der Übersiedelung in die US-Bundeshauptstadt bringt Eleanor Roosevelt zwei weitere Kinder zur Welt – Franklin D. Jun. und John Aspinwall. Auch in Washington schließt sie eine Vielzahl von Freundschaften und Verbindungen und ist besonders auf diplomatischen Dinner-Veranstaltungen wegen ihrer Fremdsprachenkenntnisse eine gefragte Gesprächsperson. Nach dem Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg 1917 übernimmt Eleanor Roosevelt vielfältige Aufgaben – unter anderem wirkt sie bei der Organisation des Navy Red Cross und der Washingtoner Rotkreuz-Kantine mit, in der während der Kriegseinsätze amerikanische Soldaten gepflegt werden.

1918 findet Eleanor Roosevelt heraus, dass ihr Ehemann ein Verhältnis mit ihrer Sekretärin hat – die Scheidung, die sie daraufhin anbietet, lehnt er aus Rücksicht auf seine Karriere ab. Die nächsten Jahre verbringen die Eheleute wegen ihrer vielfältigen gesellschaftlichen Verpflichtungen größtenteils an verschiedenen Orten. Eleanor Roosevelt beginnt 1929 ein Verhältnis mit ihrem Leibwächter, 1932 lernt sie dann die Journalistin Lorena Hickok kennen, die als Hausreporterin des Ehepaars Roosevelt tätig ist – aus der vertrauensvollen Bekanntschaft wird bald eine Liebesbeziehung, die bis zum Tod der Präsidentengattin anhält.

In der Zwischenkriegszeit muss sich Eleanor Roosevelt mit dem Antikommunismus auseinanderzusetzen, der in den USA unter dem Eindruck der russischen Oktoberrevolution entsteht – schnell gerät sie durch ihre sozialreformerischen Ansätze in den Ruf, dem Kommunismus nahezustehen und „unamerikanische“ Bestrebungen zu unterstützen. Das FBI führt jahrelang eine Akte über sie.

1920 wird ihr Mann bei der Präsidentschaftswahl als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten aufgestellt und Eleanor Roosevelt stellt sich in den Dienst seiner Wahlkampagne. Obwohl beide als hingebungsvolles Ehepaar und außerordentliches Team auftreten, scheitert die Kandidatur ihres Mannes. Im selben Jahr erkrankt Franklin D. Roosevelt an Kinderlähmung und seine Beine blieben zeitlebens gelähmt. Eleanor Roosevelt ermutigt ihn jedoch, seine politische Karriere fortzusetzen. 1925 gründet sie mit drei Freundinnen die politische Monatszeitschrift „Women’s Democratic News“, 1926 erwerben die drei Frauen eine private Mädchenschule in Manhattan, in der Eleanor Roosevelt sechs Jahre lang Literatur, Geschichte und Politik unterrichtet.

In den folgenden Jahren ist Eleanor Roosevelt unermüdlich in den verschiedensten Frauenorganisationen engagiert, nach dem Erreichen des Frauenwahlrechts kämpft sie nun mit ihren Mitstreiterinnen für Verbesserungen im Wohnungsbau, für die Schaffung einer Arbeitslosen- und Unfallversicherung, für mehr Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sowie für gesetzliche Regelungen und praktische Verbesserungen auf den Gebieten der Arbeitszeit, der Kinderarbeit und der Gesundheitsversorgung von Müttern und Kindern. 1928 erregt Eleanor Roosevelt Aufsehen, als sie während einer Demonstration zugunsten streikender Arbeiterinnen verhaftet wird, weil sie den polizeilichen Ordnungsbefehlen nicht folgt. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges gilt Eleanor Roosevelt zudem als eine der profiliertesten Kriegsgegnerinnen des Landes und als passionierte Befürworterin des Beitritts der USA zum neugeschaffenen Völkerbund.

Auch nachdem ihr Mann Franklin D. Roosevelt 1932 zum Präsidenten der USA gewählt wird und sein Amt 1932 antritt, verfolgt Eleanor Roosevelt weiterhin konsequent ihre eigene Anliegen. Im Gegensatz zu früheren First Ladys, deren Aufgabe lediglich darin besteht, an der Seite ihres Mannes zu repräsentieren und im Weißen Haus die perfekte Gastgeberin zu sein, zieht Eleonor Roosevelt mit ihrer regen politische Tätigkeit zunehmend den Unmut der Öffentlichkeit auf sich. Als erste First Lady in der amerikanischen Geschichte gibt sie bereits am Tage der Amtseinführung ihres Mannes ein ausführliches Interview, auch beginnt sie wöchentliche Pressekonferenzen zu geben, zu der ausschließlich weibliche Reporter geladen werden.

1934 beginnt Eleanor Roosevelt sich öffentlich für die Interessen der Farbigen einzusetzen und besonders gegen die Rassentrennung zu protestieren. Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges stirbt ihr Mann Franklin D. Roosevelt während seiner vierten Präsidentschaft – zu seinem Nachfolger wird 1945 Harry S. Truman ernannt. Eleanor Roosevelt wird im selben Jahr zur US-Delegierten der neuen Vereinten Nationen ernannt – die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“, die dort 1948 von der Generalversammlung verabschiedet wird, ist zu großen Teilen ihr Werk. 1954 erhält Eleanor Roosevelt die erstmals verliehene „Fridtjof-Nansen-Medaille“.

Eleanor Roosevelt stirbt am 7. November 1962 im Alter von achtundsiebzig Jahren in New York an den Folgen einer Luftwegserkrankung. Präsident John F. Kennedy würdigt sie als „eine der großen Frauen in der Geschichte des Landes“, die ihm eine Inspiration und Freundin gewesen ist. Eleanor Roosevelt wird neben ihrem Mann in dessen Geburtsort Hyde Park am Hudson River beigesetzt. 1968 wird ihr posthum der „Menschenrechtspreis“ der Vereinten Nationen verliehen.

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