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Als Meisterin der leisen Töne gilt die knabenhafte Kindfrau als eine der herausragendsten deutschen Theaterschauspielerinnen des vergangenen Jahrhunderts – mit Quirligkeit und intellektuellem Nuancenreichtum stellt Elisabeth Bergner zarte und nervlich angespannte Frauen dar und schafft nach Zeiten fülliger Weiblichkeit ein neues androgynes Schönheitsideal

Elisabeth Bergner wird am 22. August 1897 als Elisabeth Ettel im galizischen Drohobycz geboren, das damals zu Österreich-Ungarn und heute zur Ukraine gehört. Sie lernt die Schauspielerei bereits als Vierzehnjährige an einer privaten Schauspielschule sowie ein Jahr später am Konservatorium in Wien, wo sie ein Stipendium erhält. 1915 debütiert sie am Theater in Innsbruck, später folgen Auftritte in Zürich, München, Berlin und Wien.

In der österreichischen Hauptstadt arbeitet sie als Modell für den Bildhauer Wilhelm Lehmbruck, der sich unglücklich in sie verliebt und sich wegen ihrer unerwiderten Liebe 1919 das Leben nimmt.

Ihre erste Filmrolle erhält Elisabeth Bergner 1922 in „Der Evangelimann“, der große Durchbruch gelingt ihr jedoch mit dem Shakespeare-Stück „Wie es euch gefällt“ am Berliner „Lessing-Theater“. Rasch avanciert Elisabeth Bergner zu einer der berühmtesten Schauspielerinnen und zum Idol ihrer Zeit. Ihre größten Leistungen zeigt sie als Strindbergs „Königin Christine“ und „Fräulein Julie“, als Shaws „Heilige Johanna“, als „Puck“ in Shakespeares „Sommernachtstraum“, als „Porzia“ in dessen „Der Kaufmann von Venedig“ oder mit der weiblichen Titelrolle in „Romeo und Julia“. Auch begeistert Elisabeth Bergner in der Titelrolle in Gerhart Hauptmanns „Hanneles Himmelfahrt“, als O’Neills „Nina Leeds“ in „Strange Interlude“ oder als „Alkmene“ in Kleists „Amphitryon“.

Ab 1924 arbeitet Elisabeth Bergner ausschließlich mit dem Regisseur Paul Czinner zusammen, der auch privat ihr Partner wird – nach eigener Aussage ist dies „die schönste Freundschaft ihres Lebens“. Zwischen 1924 und 1941 ensteht fast alljährlich ein Film mit ihr – die bekanntesten sind „Nju“ (1924), „Liebe“ (1925), „Der Geiger von Florenz“ (1926), „Dona Juana“ (1927), „Fräulein Else“ (1928), „Ariane“ (1931) und „Dreaming Lips“ („Der träumende Mund“, 1932).

Als Juden müssen Elisabeth Bergner und Paul Czinner nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zuerst nach Wien und dann nach London fliehen, wo sie auch heiraten. Sowohl den Umstieg von der Stummfilmzeit zum Tonfilm als auch die sprachliche Anpassung an ihre neue Wirkungsstätte schafft die Schauspielerin mühelos. 1935 erhält Elisabeth Bergner für ihre Rolle in „Escape Me Never“ („Verlass mich niemals wieder“) ihre einzige „Oscar“-Nominierung. Große Erfolge feiert sie auch in „The Rise Of Catherine the Great“ („Katharina, die Große“, 1936) an der Seite von Douglas Fairbanks jr. – in Deutschland wird der Film verboten.

1940 emigrieren Elisabeth Bergner und Paul Czinner nach Hollywood – doch ihr einziger Hollywood-Film, der Anti-Nazi-Streifen „Paris Calling“ (1941), ist kein großer Erfolg und so verlegt die Schauspielerin den Schwerpunkt ihrer Arbeit wieder auf die Bühne.

Nach dem Ende des Krieges arbeitet Elisabeth Bergner in New York unter anderem bei dem deutschsprachigen „Theater Players from Abroad“, bis sie 1950 nach England und 1954 nach Deutschland zurückkehrt, wo sie mit Lesungen von Schnitzlers „Fräulein Else“ an alte Erfolge anknüpfen kann. Ab 1954 steht sie wieder in Berlin und in Düsseldorf auf der Bühne, auch gestaltet sie eine mehrmonatige Tournee in Israel.

Ab 1961 dreht Elisabeth Bergner wieder Filme, sie tritt in Talkshows auf und ist noch im hohen Alter auf dem Bildschirm präsent – hervorzuheben sind „Die glücklichen Jahre der Thorvalds“ (1962), „Cry Of The Banshee – Der Todesschrei der Hexen“ (1970), „Der Kurier des Zaren“ (1970), „Der Fussgänger“ (1973), „Nachtdienst“ (1975), „Der Pfingstausflug“ (1978), „Feine Gesellschaft – beschränkte Haftung“ (1982), „Ruth und Martin“ (1982), „Der Garten“ (1982), „Die Kaisers“ (1983) sowie „Wenn ich dich nicht hätte“ (1984).

Trotz knapper Finanzen setzt sich Elisabeth Bergner jahrelang intensiv für Verfolgte und für Kinderhilfswerke ein – zur Zeit des Nationalsozialismus ermöglicht sie zahlreichen Verfolgten die Emigration.

Elisabeth Bergner wird während ihrer langen Karriere mit Ehrungen überhäuft – 1962 wird ihr der „Schillerpreis“ der Stadt Mannheim, 1963 der „Bundesfilmpreis“, 1979 der „Ernst-Lubitsch-Preis“ und 1982 der „Eleonora-Duse-Preis“ verliehen. 1973 zieht sich die Schauspielerin ins Privatleben zurück, 1985 erhält sie das „Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film“ für ihr Lebenswerk.

Elisabeth Bergner stirbt am 12. Mai 1986 im Alter von neunundachtzig Jahren in London. Ihre Grabstätte befindet sich in London im „Golders Green Crematorium and Mausoleum“. In Berlin wird ein Park und 2000 im Wiener Bezirk Liesing der „Elisabeth-Bergner-Weg“ nach ihr benannt.

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