Nach Queen Victoria ist sie die am zweitlängsten regierende britische Monarchin überhaupt – mehr als ein halbes Jahrhundert lang ist Elisabeth II. als britisches Staatsoberhaupt im Amt. Im Laufe ihrer Regierungszeit erlebt sie zwölf Premierminister, mit stoischem Gleichmut und viel Disziplin darf sie die Auflösung des alten Empires beobachten, übersteht Staatskrisen sowie die zahlreichen Eskapaden ihrer Familie. Die britische Königin ist im Laufe ihres Lebens in 129 Ländern zu Gast und ist damit das am meisten gereiste Staatsoberhaupt der Welt – noch im vorgerückten Alter nimmt Elisabeth II. zahlreiche Repräsentationspflichten wahr und erfreut sich heute allergrößter Popularität
Elisabeth II. wird am 21. April 1926 im Haus ihres Großvaters – des Earl of Strathmore – im Londoner Stadtteil Mayfair geboren. Sie ist die älteste Tochter von König Georg VI. und seiner Gattin Elizabeth Bowes-Lyon – der späteren Queen Mum. Als junge Prinzessin wird Elisabeth ebenso wie ihre Schwester Prinzessin Margaret unter der Aufsicht ihrer Mutter zu Hause erzogen und unterrichtet. Oft muss sie auf ihre Eltern verzichten, die sich in Erfüllung ihrer Repräsentationspflichten auf Auslandsreise begeben – ein Schicksal, das sie später auch ihren eigenen Kindern zumuten wird.
Obwohl ihre Geburt große öffentliche Aufmerksamkeit erregt, hätte niemand vorhersagen können, dass sie einmal Königin werden wird. Man geht davon aus, dass ihr Onkel Pinz Eduard eine standesgemäße Ehe eingehen und selbst Kinder bekommen wird. Doch dieser dankt wegen einer Affäre mit der geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson 1936 ab und ihr Vater tritt die Nachfolge an – Prinzessin Elisabeth ist fortan die “Heiress Presumptive” (“voraussichtliche” Thronfolgerin).
Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges ist Elizabeth dreizehn Jahre alt – die Schwestern werden nach Windsor Castle in die Grafschaft Berkshire in Sicherheit gebracht. Vorschläge, die Prinzessinnen nach Kanada zu schicken, lehnt ihre Mutter rigoros ab: “Die Kinder können unmöglich ohne mich gehen, ich würde nicht ohne den König gehen und der König wird unter keinen Umständen weggehen.” 1940 richtet sich die vierzehnjährige Prinzessin Elisabeth in ihrer ersten Radioübertragung an andere Kinder, die evakuiert sind. In den letzten Kriegsmonaten nimmt Elizabeth an einem Kurs für den Landesdienst teil, der die Fahrausbildung für schwere Fahrzeuge und das Verständnis ihrer technischen Funktionsweise umfasst. Sie macht den Führerschein und wird zur Automechanikerin und Kraftfahrerin ausgebildet.
In einer Radioansprache an ihrem 21. Geburtstag – den sie auf ihrer ersten Auslandsreise in Südafrika verbringt – bekennt sie sich entschlossen zu ihrer Bestimmung als Thronfolgerin. Ihre Verlobung mit Prinz Philip von Griechenland im selben Jahr wird zum letzten Großereignis ohne Fernsehkameras in ihrem Leben. Am 20. November 1947 heiraten die beiden – Prinz Philip ist ein Cousin dritten Grades von Elisabeth, Königin Viktoria ist ihre gemeinsame Ur-Ur-Großmutter. Ihre Liebe zu Prinz Philip ist echt und kann trotz seines impulsiven und zu Eskapaden neigenden Verhaltens mehr als fünfzig Jahre überdauern – er ist ihr wichtigster Vertrauter und Gesprächspartner. Nach ihren Flitterwochen in Malta leben Elisabeth und Philip im Clarence House in London. Das Paar bekommt vier Kinder – Prinz Charles (*1948), Prinzessin Anne (*1950), Prinz Andrew (*1960) und Prinz Edward (*1964).
Am 6. Februar 1952 stirbt ihr Vater und Prinzessin Elisabeth wird im Alter von sechsundzwanzig Jahren vom Thronfolgerat zur Königin proklamiert. Ihre offizielle Krönung findet unter großem Medieninteresse am 2. Juni 1953 in der Westminster Abbey statt. Von nun an ist sie in Personalunion die Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland und Staatsoberhaupt von Antigua und Barbuda, Australien, Bahamas, Barbados, Belize, Grenada, Jamaika, Kanada, Neuseeland, Papua-Neuguinea, Salomonen, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen und Tuvalu. Nach der Krönung ziehen Elisabeth und Philip in den Buckingham-Palast ein – andere königliche Wohnsitze sind Windsor Castle, Balmoral Castle in Schottland und Sandringham House in Norfolk.
Zwischen 1953 und 1954 unternimmt Königin Elisbath II. mit ihrem Ehemann eine sechsmonatige Weltreise, womit sie der erste herrschende Monarch ist, der den Globus umschifft. 1957 besucht sie die USA, 1959 Kanada und 1961 zum ersten Mal Indien und Pakistan. In den folgenden Jahren ist sie außerdem zu Gast in diversen europäischen Staaten. Im Zuge der Umwandlung des “Empire” in den “Commonwealth” stellt sich Elizabeth II. an die Spitze des Bündnisses ehemaliger britischer Kolonien und “Dominions”, für dessen Aufgaben und Belange sie sich seitdem in besonderer Weise stark macht. Noch heute nimmt sie regelmäßig an den Treffen der Regierungschefs des “Commonwealth” teil.
Als moralisches Vorbild erringt Königin Elisabeth II. im Laufe ihrer Regentschaft eine außergewöhnliche Popularität. Ihrem traditionellem Familienideal stehen allerdings die gescheiterten Ehen ihrer Kinder gegenüber – Charles, Anne und Andrew sind geschieden. Auch wirft der öffentliche Ehebruch von Prinz Charles ein schlechtes Licht auf den moralischen und charakterlichen Zustand des Hauses Windsor – viele Briten sehen daher die Krone als antiquierten Luxus und verlangen Reformen. Die Abdankung ihres Onkels Edward in den dreißiger Jahren nimmt Elisabeth II. als nationales und persönliches Trauma wahr – ihren bei der Krönung geleisteten Eid nimmt sie sehr ernst und es ist undenkbar für sie, dass sie jemals abdanken wird. Ihre Autorität nutzt Elisabeth II. stets, wenn der Ruf der britischen Monarchie auf dem Spiel steht – so verhindert sie 1956 die Hochzeit ihrer Schwester Margaret mit dem geschiedenen Peter Townsend, auch weigert sie sich jahrelang die Beziehung ihres Sohnes Charles mit der geschiedenen Camilla Parker-Bowles anzuerkennen. Als ihre ehemalige Schwiegertochter Prinzessin Diana 1997 unter tragischen Umständen in Paris bei einem Autounfall ums Leben kommt befindet sich Elisabeth II. im Sommerurlaub auf dem schottischen Schloss Balmoral. Ihre nur zögerliche Reaktion auf die Tragödie sowie ihre Weigerung den Buckingham-Palast mit Trauer-Beflaggung zu versehen ruft in Großbritannien eine ernsthafte Krise hervor. Die negative Stimmungslage des britischen Volkes verbessert sich erst, als sich die Königin in London zeigt und sich in einer Fernsehansprache öffentlich zum Thema äußert.
Einzig zu Angelegenheiten, die die Einheit des Vereinigten Königreiches betreffen, nimmt die Monarchin Stellung – bei politischen Auseinandersetzungen hält sie sich zurück. Sie spricht sich stets für die fortgesetzte Union Englands und Schottlands aus und lobt öffentlich die Einheit Kanadas, wo es im französischsprachigen Québec schon seit langem Seperationstendenzen gibt.
2002 feiert Königin Elisabeth II. ihr goldenes Thronjubiläum, im selben Jahr sterben ihre Schwester Margaret sowie ihre hochbetagte Mutter (“Queen Mum”). 2003 übertrifft ihre einundfünfzigjährige Regentschaft diejenige ihrer vier direkten Vorgänger. 2012 feiert Elisabeth II das “Diamond Jubilee” – das sechzigjährige Thronjubiläum.
Zitat: “Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Kerzen mag. Kann ich meine eigenen mitbringen?”