Famous People » Adel » Elizabeth Bowes-Lyon

Von ihren Landsleuten wird sie liebevoll “Queen Mum” genannt, mit ihrer Vorliebe für Gin-Tonic, pastellfarbene Kostüme und Rennpferde ist die Mutter der heutigen Königin Elisabeth II. Zeit ihres Lebens das mit Abstand beliebteste Mitglied des englischen Königshauses. Im Zweiten Weltkrieg gilt Elizabeth Bowes-Lyon als Symbol des Widerstands gegen den deutschen Nationalsozialismus – Adolf Hitler bezeichnet sie einst als “Die gefährlichste Frau Europas”

Elizabeth Bowes-Lyon – auch Queen Elizabeth oder “Queen Mum” genannt – wird am 4. August 1900 als Lady Elizabeth Angela Marguerite Bowes-Lyon in London geboren. Zwar ist sie die Gemahlin von König Georg VI. und als Queen Elizabeth offiziell Queen Consort von Großbritannien und Nordirland sowie Empress Consort an der Seite des Kaisers von Indien, bleibt aber dennoch offiziell Untertanin ihres Ehemannes. Nach dessen Tod 1952 wird sie bekannt als “Queen Elizabeth the Queen Mother”, um eine Verwechslung einerseits mit ihrer seit 1952 regierenden Tochter Königin Elisabeth II. und andererseits mit ihrer damals noch lebenden Schwiegermutter Maria von Teck, zu vermeiden.

Elizabeth Bowes-Lyon ist das neunte von zehn Kindern des vierzehnten Earl of Strathmore and Kinghorne, Claude George Bowes-Lyon und seiner Ehefrau Lady Cecilia Nina Cavendish-Bentinck – einer Nachfahrin des englischen Königs Heinrich VII. aus dem Haus Tudor. Sie verbringt ihre Kindheit auf “Glamis Castle” – dem schottischen Stammsitz der Familie Bowes-Lyon. Durch ihre deutsche Gouvernante spricht sie bereits mit mit zehn Jahren fließend deutsch.

An Elizabeths vierzehnten Geburtstag tritt Großbritannien in den Ersten Weltkrieg ein und “Glamis Castle” wird zu einem Lazarett für verwundete britische Soldaten umfunktioniert – Lady Elizabeth Bowes-Lyon betätigt sich dabei als Hilfskrankenschwester. Ihre Familie muss im Ersten Weltkrieg zwei schwere Schicksalsschläge hinnehmen – ihr Bruder Fergus Bowes-Lyon fällt 1915 und ihr anderer Bruder Michael Bowes-Lyon wird gefangengenommen. Schwer verwundet kehrt er später zur Familie zurück.

Zu Beginn der zwanziger Jahre lernt Lady Elizabeth Albert “Bertie” – den zweiten Sohn König Georgs V. – kennen. Nachdem sie zuvor dessen älteren Bruder Edward Avancen macht – dieser sich jedoch für die unstandesgemäße Liaison mit der zweimal geschiedenen Amerikanerin Wallis Simpson entscheidet – heiratet sie 1923 den unsicheren und introvertierten Albert in der Londoner “Westminster Abbey”. Beide tragen von nun an den Titel “Their Royal Highnesses the Duke and The Duchess of York”, der traditionell dem zweiten Sohn eines Monarchen verliehen wird. Seit seiner Jugend leidet Prinz Albert unter einem vor allem bei öffentlichen Auftritten merkbaren Sprachfehler – doch Elizabeth steht ihm tatkräftig zur Seite.

Nach dem Tod von König Georg V. wird zunächst Edward König von Großbritannien – als dieser sich allerdings entschließt Wallis Simpson zu heiraten, auf die Krone zu verzichten und mit ihr ins französische Exil zu gehen, stürzt er das Land in eine tiefe Krise und fügt dem Ansehen der Monarchie großen Schaden zu. Seine Schwägerin Elizabeth verzeiht ihm dies nie: “Wie konnte er sich nur seiner Verantwortung entziehen – für so eine Frau”, sagt sie. In der schweren Abdankungskrise erweist sich Elizabeth als verlässliche Stütze Alberts, der das Königsamt nie anstrebt. 1937 wird er als König Georg VI. feierlich gekrönt – die neue Königin Elizabeth an seiner Seite. Noch heute ist die britische Öffentlichkeit davon überzeugt, dass Prinz Albert seinem Amt niemals gewachsen gewesen wäre ohne die Unterstützung seiner Frau – sie selbst bezeichnet die Thronbesteigung einmal als “unerträgliche Ehre”. Elizabeth gibt mit ihrer natürlichen Art dem abgeschotteten britischen Königshaus ein neues sympathisches Image und schon bald erfreut sich das Königspaar einer bislang einmaligen Popularität.

1939 muss König Georg VI. seinen Untertanen erklären, warum das Britische Empire in den Krieg gegen Deutschland eintrittt – die Königsfamilie nimmt von nun an intensiven Anteil an den Leiden der britischen Soldaten und der Zivilbevölkerung. 1940 rät man der Königsfamilie, nach Kanada zu gehen. Elizabeth lehnt jedoch mit den Worten ab: “Die Prinzessinnen können nicht ohne mich gehen, ich kann nicht ohne den König gehen und der König geht niemals”.

Die Königsfamilie bleibt in London, spricht der notleidenden Bevölkerung Mut zu und besichtigt die Zerstörungen durch die deutsche Luftwaffe. Als der “Buckingham Palace” beim Bombardement Londons getroffen wird, spricht Elizabeth am folgenden Tag zu einem Soldaten die legendären Worte: “Ich bin froh, dass wir bombardiert worden sind. Nun habe ich das Gefühl, dem “East End” ins Gesicht sehen zu können.” Das Londoner “East End” ist am schwersten von den Bombardements der deutschen Luftwaffe betroffen. Wegen ihrer Bestrebungen, die Moral der britischen Bevölkerung aufrechtzuerhalten, bezeichnet Adolf Hitler Elizabeth als gefährlichste Frau Europas. Am Tag des Kriegsendes in Europa – dem “Victory In Europe Day“ – lässt sich das Königspaar mit den Töchtern Margaret und Elisabeth und dem damaligen Premierminister Sir Winston Churchill auf dem Balkon des “Buckingham-Palastes” vom Volk frenetisch feiern.

1952 stirbt König Georg VI. im Alter von sechsundfünfzig Jahren an den Folgen eines Krebsleiden, daraufhin besteigt seine älteste Tochter Elisabeth den britischen Thron. Ihre Mutter – die erst zweiundfünfzigjährige nunmehrige Königswitwe Elizabeth – zieht sich für fast ein Jahr aus der Öffentlichkeit zurück. Von nun an lässt sie sich als “Her Majesty Queen Elizabeth The Queen Mother” bezeichnen. Bis zu ihrem Tod bleibt “Queen Mum” das beliebteste Mitglied der Königsfamilie – selbst zu Zeiten, als die Eheskandale im Hause Windsor die britische Monarchie in die zweite schwere Krise des zwanzigsten Jahrhunderts stürzen.

Bis ins hohe Alter unternimmt Elizabeth zahlreiche öffentliche Auftritte, 2000 feiert sie ihren hundertsten Geburtstag, der mit einer großen Parade durch die Innenstadt von London zelebriert wird. Vor ihr hat in der fast tausendjährigen Geschichte der britischen Monarchie noch nie ein Mitglied der Königsfamilie dieses hohe Alter erreicht. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hat “Queen Mum” 2002 bei der Beerdigung ihrer Tochter Margaret – der Countess of Snowdon.

Am 30. März 2002 – mehr als fünfzig Jahre nach ihrem Ehemann – stirbt “Queen Mum” im Alter von hundertundein Jahren auf “Windsor Castle”. Sie wird in der “Westminster Hall” – der großen Halle des Parlamentsgebäudes – aufgebahrt, wo zahlreiche Menschen von ihr Abschied nehmen. Die offizielle Trauerfeier findet am 9. April 2002 in der “Westminster Abbey” statt. Mehrere Millionen Menschen flankieren den anschließenden Trauerzug von Westminster zur “St.-Georgs-Kapelle” auf “Windsor Castle”, wo Elizabeth an der Seite ihres Ehemanns beigesetzt wird.

In der “Oscar”-gekrönten britischen Filmbiographie “The King’s Speech” (2010) wird Elizabeth Bowes-Lyon von Helena Bonham Carter dargestellt – im Spielfilm des britischen Regisseurs Stephen Frears “The Queen” (2006) agiert die TV-Schauspielerin Sylvia Syms als “Queen Mum”.

Zitat: “Nach all den Jahren des Angelns nehmen die Fische jetzt Rache.”

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