Famous People » Sänger, Schauspieler » Erika Pluhar

Hunderte Frauenrollen verkörpert sie auf der Bühne, sie dreht anspruchsvolle Fernsehfilme, wirkt in TV-Serien mit und nimmt zahlreiche Schallplatten auf – mit ihrer rauchigen Stimme ist Erika Pluhar seit vielen Jahren ein feste Größe in der deutschsprachigen Theaterszene, Chansonfreunde verehren sie und ihre vielen Bücher verkaufen sich millionenfach

Erika Pluhar wird am 28. Februar 1939 in Wien geboren, sie ist die Tochter des Wiener Verwaltungsbeamten Josef Pluhar und seiner Frau Anna, ihre ältere Schwester ist Brigitte King, ihre jüngere die Malerin und Bildhauerin Ingeborg G. Pluhar. Direkt nach dem Abitur geht sie 1957 ans Max-Reinhardt-Seminar – der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst – und besteht die Abschlussprüfung 1959 mit Auszeichnung. Als Zwanzigjährige wird sie am Wiener Burgtheater als festes Ensemblemitglied engagiert.

Zu ihren großen Bühnenrollen zählen die Luzie in Hermann Bahrs „Das Phantom“ (1959), die Ismene in „Antigone“ (1961), die Doña Angela in Calderóns „Dame Kobold“ (1964), die Amalia in Schillers „Die Räuber“ (1965), die Desdemona in Shakespeares „Othello“ (1967), die Königin in Grillparzers „Die Jüdin von Toledo“ (1968), die Ljudmila in Babels „Marija“ (1969), die Königin in Schillers „Don Carlos“ (1973), die Titelfigur in Schillers „Maria Stuart“ (1974), die Lady Milford in Schillers „Kabale und Liebe“ (1975), die Ruth in Harold Pinters „Heimkehr“ (1977), die Titelfigur in Ibsens „Hedda Gabler“ (1978), die Helene in Hofmannsthals „Der Schwierige“ (1978), die Esther in Vitracs „Victor oder die Kinder an der Macht“ (1978), die Warwara in Gorkis „Sommergäste“ (1979), die Regine in Musils „Die Schwärmer“ (1981), die Ranjewskaja in Tschechows „Der Kirschgarten“ (1982), die Katarina in Lars Noréns „Dämonen“ (1985), die Natalja in Turgenjews „Ein Monat auf dem Lande“ (1986) und die Mutter in Noréns „Nacht, Mutter des Tages“ (1991).

Erika Pluhar gastiert an den Münchner Kammerspielen, bei den Bad Hersfelder Festspielen, den Bregenzer Festspielen und den Burgfestspielen Jagsthausen. Mit Maxim Gorkis Stück „Kinder der Sonne“ nimmt Erika Pluhar 1999 anlässlich ihres sechzigsten Geburtstages offiziell Abschied von der Bühne. 2004 kehrt die Schauspielrin in St. Pölten noch einmal auf die Theaterbühne zurück und spielt mit Werner Schneyder in dessen Dramatisierung ihres Romans „Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?“.

Einem breiteren Publikum wird Erika Pluhar ab den sechziger Jahren durch zahlreiche Film- und TV-Rollen bekannt – sie übernimmt häufig ihre Bühnenrollen für Fernsehverfilmungen. Im „Tatort“-Krimi „Der Richter in Weiß“ wirkt sie 1971 mit, danach kann man sie in diversen Kinoproduktionen sehen, wo sie mit Vorliebe als „Femme fatale“ besetzt wird. Ihr Leinwanddebüt hat Erika Pluhar 1968 als Julia in „Moos auf Steinen“, danach sieht man sie in Wim Wenders „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ (1971), in „Die Brüder“ (1977), in „Schöner Gigolo, armer Gigolo“ (1978) an der Seite von David Bowie, Marlene Dietrich, Curd Jürgens und Kim Novak, in „Tod oder Freiheit“ (1980) neben Mario Adorf und Gert Fröbe, in „Liebe ist kein Argument“ (1983) mit Günter Lamprecht, Nina Hoger und Heinz Schubert sowie in „Etwas am Herzen“ (1994). Ihre bislang letzte Filmrolle hat Erika Pluhar neben Bruno Ganz in „La fine è il mio inizio“ („Das Ende ist mein Anfang“, 2010).

Ab den achtziger Jahren ist Erika Pluhar auch als Schriftstellerin tätig – ihre erfolgreichen Werke wie „Als gehörte eins zum andern. Eine Geschichte“, „Die Wahl“, „Zwischen die Horizonte geschrieben“, „Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?“ und „Der Fisch lernt fliegen. Unterwegs durch die Jahre“ erscheinen regelmäßig auf den Bestsellerlisten. 1996 verarbeitet sie den Verlust ihrer verstorbenen Freundin Marisa Mell in „Marisa. Rückblenden auf eine Freundschaft“. In „Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?“ (2001) verarbeitet Erika Pluhar den Tod ihrer verstorbenen Tochter Anna.

1979 wird Erika Pluhar mit der begehrten „Josef-Kainz-Medaille“ der Stadt Wien geehrt, 1984 nimmt sie die „Robert-Musil-Medaille“ der Stadt Klagenfurt und des „Robert-Musil-Archivs“ entgegen. 1986 wird ihr der Titel „Kammerschauspielerin“ verliehen, 2000 erhält sie die „Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold“.

Aus ihrer ersten Ehe mit dem Designer Udo Proksch stammt Tochter Anna Proksch, die 1999 nach einem Asthmaanfall stirbt. Von 1970 bis 1984 ist Erika Pluhar mit André Heller verheiratet, nach der Trennung ist sie einige Jahre – bis zu dessen Suizid 1978 – mit Peter Vogel verbunden. Die Künstlerin lebt heute mit Enkel Ignatz und dessen Familie im Wiener Stadtteil Grinzing.

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