Ernst Barlach

Als Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller setzt er sich in seinen Werken mit dem Menschen, dessen Haltung zum Leben und immer wieder mit den Themen Krieg und Frieden auseinander – Ernst Barlach schafft zahlreiche Holzplastiken und Bronzen und gilt als einer der bedeutendsten Expressionisten Deutschlands

Ernst Heinrich Barlach kommt am 2. Januar 1870 im damals preußischen Wedel zur Welt. Der Sohn des Arztes Georg Barlach und dessen Frau Johanna Louise wächst mit drei Brüdern in behüteten Verhältnissen im holsteinischen Ratzeburg und im mecklenburgischen Schönberg auf – schon in seiner Kindheit wird seine Begabung für sprachliche und bildnerische Gestaltung gefördert.

Nach dem Abschluss der Realschule besucht Ernst Barlach von 1888 bis 1891 die Allgemeine Gewerbeschule in Hamburg, danach studiert er einige Jahre in Dresden Kunst und Bildhauerei – das Studium schließt er mit der Abschlussarbeit „Die Krautpflückerin“ ab.

1895 geht Ernst Barlach nach Paris, wo er erste schriftstellerische Versuche wagt – zurück in Deutschland arbeitet er als Bildhauer in Hamburg und Altona, wobei er sich noch stark am Jugendstil und am Symbolismus orientiert. Er lebt kurzzeitig im thüringischen Friedrichroda, 1897 lässt er sich als freier Künstler in seiner Geburtsstadt Wedel in Holstein und später in Ratzeburg nieder.

1906 unternimmt Ernst Barlach eine Russlandreise – die dortige Volkskunst beeinflusst die Gestaltung seiner zukünftigen Skulpturen nachhaltig. Die Eindrücke der Reise hält er 1906 und 1907 in seinen Werken das „Russische Tagebuch“ und „Eine Steppenfahrt“ fest. 1907 stellt er im Frühjahrssalon der Berliner Secession die Terrakotten „Russische Bettlerin mit Schale“ und „Blinder russischer Bettler“ aus.

1909 erhält Ernst Barlach ein Stipendium für die Villa Romana in Florenz und 1910 zieht er ins mecklenburgische Güstrow, wo er zusammen mit seiner Mutter und seinem Sohn Nikolaus – der aus einer kurzen Beziehung mit der Näherin Rosa Schwab stammt – lebt. Die Jahre von 1910 bis 1933 gelten als seine kreativste Zeit, in denen er unter anderem für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Kiel das Ehrenmal „Schmerzensmutter“, im Güstrower Dom das Ehrenmal „Der Schwebende“, das Ehrenmal im Magdeburger Dom, das Hamburger Ehrenmal sowie in der Kieler Universitätskirche die Plastik „Der Geistkämpfer“ schafft. 1925 wird er als Ehrenmitglied in die Münchner Akademie der Bildenden Künste aufgenommen.

Auch schriftstellerisch ist Ernst Barlach tätig, unter anderem schreibt er die Dramen „Der tote Tag“ (1912), „Der arme Vetter“ (1918), „Die echten Sedemunds“ (1920), „Der Findling“ (1922), „die Sündflut“ (1924), „Der blaue Boll“ (1926) und „Der Graf von Ratzeburg“ (1927) – darin setzt er sich immer wieder mit dem Thema Krieg und Frieden auseinander.

1934 unterschreibt Ernst Barlach einen Aufruf diverser deutscher Kulturschaffender, Adolf Hitler unbedingte Gefolgschaft zu leisten – dies führt später zur ambivalenten Rezeption seines Lebens und Werkes, verhindert allerdings nicht, dass seine Kunst von den Nationalsozialisten als entartet angesehen wird. Mehr als vierhundert seiner Werke werden nach der Machtübernahme Adolf Hitlers aus der Öffentlichkeit verbannt – 1937 belegt ihn die Reichskammer der Bildenden Künste mit einem Ausstellungsverbot, im selben Jahr wird er aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen.

Von 1927 bis zu seinem Tod lebt Ernst Barlach mit der Bildhauerin Magda Böhmer zusammen, die auch seine Nachlassverwalterin ist.

Ernst Barlach stirbt am 24. Oktober 1938 mit achtundsechzig Jahren in einem Rostocker Krankenhaus an den Folgen eines Herzinfarktes – er wird auf dem Friedhof St. Petri im holsteinischen Ratzeburg beigesetzt.

Das Werk Ernst Barlachs wird heute unter anderem in einer 1946 gegründeten und nach ihm benannten Gesellschaft erforscht, betreut und ausgestellt. 1962 eröffnet im Hamburger Jenischpark das „Ernst-Barlach-Haus“, welches zahlreiche seiner Werke – darunter fast ein Drittel seiner Holzskulpturen – beherbergt. Auch in Güstrow und in Ratzeburg gibt es ein Barlach-Museum.

Nach dem Krieg werden in Deutschland diverse Straßen und Schulen nach Ernst Barlach benannt. 2010 wird er posthum mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Güstrow geehrt.