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Mit seinem einzigartigen Erzählstil gilt er als bedeutendster Regisseur des italienischen Nachkriegskinos – in Filmen wie „La Strada“ und „La dolce Vita“ thematisiert Federico Fellini die volkstümliche Kultur seines Heimatlandes, aber auch den schleichenden Verfall von Film- und Fernsehkunst unter den Bedingungen der Massenkultur

Federico Fellini wird am 20. Januar 1920 als erstes von drei Kindern in Rimini in der Emilia-Romagna geboren. Seine Mutter stammt aus Rom, sein Vater – ein Handelsvertreter – aus Rimini. Er wächst im Italien des Faschismus auf und besucht eine von katholischen Ordensschwestern geleitete Schule. Die Ferien verbringt er häufig bei seiner Großmutter auf dem Land, wo er die bäuerlichen Traditionen kennenlernt und auch Kontakt zu Vagabunden und Zigeunern hat, von denen man einige später als Figuren in seinen Filmen wieder trifft.

Während seiner Gymnasialzeit entdeckt Federico Fellini sein zeichnerisches Talent – er porträtiert seine Freunde und Lehrer sowie Politiker und kann schon bald erste Karikaturen und Comics an kleine Zeitschriften in der Provinz verkaufen. Von 1939 an studiert er in Rom, danach arbeitet er bei der Tageszeitung „Il Piccolo“ und der satirischen Wochenzeitschrift „Marc‘ Aurelio“, wo er sich als begabter Journalist und Karikaturist einen Namen macht. Neben der Zeitungsarbeit beschäftigt sich Federico Fellini mit Arbeiten zu Entwürfen für diverse Musicals und Revuen und schreibt Hörspiele und Beiträge für Radiosender, die schon damals oft traumähnliche Sequenzen enthalten, wie sie später in einigen seiner Filme vorkommen.

1939 zieht Federico Fellini nach Rom und beginnt dort als Drehbuchautor zu arbeiten – er schreibt Schauspielern wie Aldo Fabrizi und Anna Magnani Filmrollen auf den Leib, welche die Periode des italienischen Neo-Realismo begründen. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges lernt er den Autor und Regisseur Roberto Rossellini kennen, mit dem er für „Roma città aperta“ („Rom, offene Stadt“, 1946) die erste seiner vielen Nominierungen für einen „Oscar“ erhält. Bis 1950 ist Federico Fellini an knapp zwanzig Drehbüchern beteiligt – er knüpft in jener Zeit Kontakte zu diversen Regisseuren, Produzenten und Schauspielern, die ihn später bei seinen eigenen Filmen unterstützen.

1950 dreht Federico Fellini mit „Luci del varietà“ („Lichter des Varieté“) seinen ersten Film, danach folgen „Die bittere Liebe“ („Lo sceicco bianco“) und „I vitelloni“ („Die Müßiggänger“, 1953). 1954 erscheint sein bis heute populärster Film – „La Strada“ („La Strada – Das Lied der Straße“) mit Anthony Quinn und Giulietta Masina in den Hauptrollen. Der Film, der heute zu den großen Klassikern gehört, macht den Jungregisseur über Nacht berühmt und beschert ihm zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen – unter anderem den „Oscar“ für den „Besten ausländischen Film“, eine Nominierung für den „Oscar“ für das „Beste Drehbuch“ und die „Beste Inszenierung“, das „Silberne Band“ des „Sindacato Nazionale Giornalisti Cinematografici Italiani“ und den „Silbernen Löwen von Venedig“. Der Film stößt jedoch nicht nur auf Zustimmung – linke Kritiker werfen dem Regisseur Religiosität, Mystifizierung, Pathos und Naivität vor.

Einen weiteren Erfolg verbucht Federico Fellini 1957 mit „Le Notti di Cabiria“ („Die Nächte der Cabiria“) – von der Jury der Filmfestspiele von Cannes erhält der Film den Preis für die „Beste Darstellerin“ – Federico Fellinis Ehefrau Giulietta Masina – sowie erneut einen „Oscar“ als „Bester ausländischer Film“.

Für den nächsten Film „La dolce Vita“ („La dolce Vita – Das süße Leben“, 1960) mit Anita Ekberg, Anouk Aimée und Marcello Mastroianni muss Federico Fellini von Seiten der katholischen Kirche und italienischer Traditionalisten heftige Kritik einstecken – trotz aller Anfeindungen erhält der Film, der das italienische Lebensgefühl verkörpert, bei den Festspielen von Cannes die „Goldene Palme“ sowie diverse andere Nominierungen und Auszeichnungen und wird entgegen der Befürchtung der Produzenten ein Kassenschlager – bis 1965 spielt „La dolce Vita“ über zwei Milliarden Lire ein. Die Sequenz, in der Anita Ekberg im Trevi-Brunnen badet, zählt heute zu den berühmtesten Filmszenen der Kinogeschichte.

Danach folgen Filme wie „Boccaccio ’70“ (1962), „8½“ („Achteinhalb“, 1963) mit Claudia Cardinale und Anouk Aimée, „Giulietta degli Spiriti“ („Julia und die Geister“, 1965), „Fellini – Satyricon“ („Fellinis Satyricon“, 1969), „Roma“ („Fellinis Roma“, 1972), „Amarcord“ (1973) – der Film erhält einen „Oscar“, „Il Casanova di Federico Fellini“ („Fellinis Casanova“, 1976) mit Donald Sutherland, „La Città delle Donne“ („Fellinis Stadt der Frauen“, 1980), „E la Nave va“ („Fellinis Schiff der Träume“, 1983) und „Ginger e Fred“ („Ginger und Fred“, 1986). 1989 dreht Federico Fellini seinen letzten Film „La Voce della Luna“ („Die Stimme des Mondes“) – der Film mit Roberto Benigni in der Hauptrolle handelt von dem Mondsüchtigen Salvini, der Nachts umherstreicht, um geheimnisvollen Stimmen zu lauschen.

Von 1943 bis zu seinem Tod ist Federico Fellini mit der Schauspielerin und Sprecherin Giulietta Masina verheiratet, die er während seiner Arbeit fürs Radio kennenlernt – 1945 kommt der gemeinsame Sohn Pierfederico zur Welt, er wird nur einen Monat alt.

Federico Fellini ist zweifellos eine der großen Figuren der Filmgeschichte – wie kaum ein anderer prägt er seinen unverwechselbaren eigenen Filmstil und hat einen maßgeblichen Anteil am Welterfolg des italienischen Kinos. 1985 erhält er den „Goldenen Löwen“ in Venedig und 1993 einen Ehren-„Oscar“ – beides für sein umfassendes Lebenswerk.

Federico Fellini stirbt am 31. Oktober 1993 in Rom an den Folgen eines Herzleidens. Seine Beisetzung wird von einem gewaltigen Trauerpublikum begleitet, das damit die Popularität und Beliebtheit des herrausragenden Bildererzählers dokumentiert. Ende der neunziger Jahre benennt man den Flughafen von Rimini nach dem großen Filmregisseur.

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