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Mit Willenskraft und viel Talent behauptet sie sich in der männlich dominierten Welt der Malerei und gilt heute in der lateinamerikanischen Hemisphäre als Mythos – mit ihren volkstümlich-surrealistischen Bildern zählt Frida Kahlo zu den berühmtesten Malerinnen des vorigen Jahrhunderts

Frida Kahlo de Rivera wird als Magdalena Carmen Frieda Kahlo y Calderón am 6. Juli 1907 in Coyoacán – heute ein Stadtteil von Mexiko-Stadt – geboren. Später legt sie ihr Geburtsdatum auf das Jahr 1910 – das Jahr, das als Beginn der Mexikanischen Revolution angesehen wird.

Als Kind von Matilde Calderón y Gonzalez und des deutschstämmigen Guillermo Kahlo wächst Frida Kahlo mit drei Schwestern und zwei Halbschwestern auf. Ihre Mutter ist Analphabetin – sie lehrt ihrer Tochter Nähen, Sticken und das Erledigen der Hausarbeit, wogegen sich Frida Kahlo früh auflehnt. Schon als Kind entwickelt sie Interesse an Fotografie und Malerei, worin ihr Vater sie bestärkt. Ab 1922 besucht sie die „Escuela Nacional Preparatoria“ – damals eine der besten Schulen Mexikos.

Mit sechs Jahren erkrankt Frida Kahlo an Kinderlähmung, was ihr eine lebenslange Gehbehinderung beschert. Kurz nach ihrem achtzehnten Geburtstag wird sie bei einem Busunglück schwer verletzt – eine Stahlstange bohrt sich durch ihr Becken, weshalb sie längere Zeit ein Stahlkorsett tragen und die meiste Zeit im Bett verbringen muss. In jener Zeit entdeckt sie die Malerei – 1926 malt sie ihr erstes Selbstporträt. Durch den schweren Unfall kann Frida Kahlo keine Kinder bekommen, im Laufe ihres Lebens hat sie mehrere Fehlgeburten – ihrer seelischen Schmerz und die körperlichen Qualen verarbeitet sie fortan in ihren Bildern.

1929 heiratet Frida Kahlo den mexikanischen Maler Diego Rivera, der schon damals durch seine revolutionären Wandbilder weltberühmt ist. Die Ehe verläuft chaotisch, trotz zahlreicher Seitensprünge Diego Rivieras bleibt der Künstler lebenslang der wichtigste Mann in Frida Kahlos Leben. 1939 lassen sich Frida Kahlo und Diego Rivera scheiden – nur ein Jahr später heiraten sie ein zweites Mal.

In ihren Werken bezieht sich Frida Kahlo auf die präkolumbianische mexikanische Kunst der Azteken und Maya, zahlreiche ihrer Arbeiten befassen sich mit sozialen und politischen Problemen. Auch thematisiert sie immer wieder ihre eigenen körperlichen und seelischen Leiden – in ihren Selbstporträts fallen besonders der prägnante Damenschnurrbart und die zusammengewachsenen Augenbrauen auf, die sie so auffällig nie getragen hat. Häufig weisen kleine Symbole in ihren Bildern auf seelische und körperliche Verwundungen hin.

Frida Kahlo ist überzeugte Marxistin – in den dreißiger Jahren unterstützt sie zusammen mit Diego Rivera den russischen Revolutionär Leo Trotzki, mit dem sie auch eine Liebesaffäre eingeht und ihm 1937 eine Haus schenkt. Im Laufe ihres Lebens hat Frida Kahlo auch Affären mit dem Fotografen Nickolas Muray, der Sängerin Chavela Vargas und dem deutschen Kunstsammler Heinz Berggruen. Gegen Ende ihres Lebens wird Frida Kahlo zu einer Verehrerin Josef Stalins – im „Museo Frida Kahlo“ finden sich zwei Porträts, die sie von dem sowjetischen Diktator anfertigt.

Mit ihren körperlichen Leiden, ihrer turbulenten Ehe mit Diego Rivera, ihrem revolutionärer Eifer und ihrem leidenschaftlichen Nationalismus trägt Frida Kahlo bereits zu Lebzeiten zu ihrem späteren Mythos bei. Sie kleidet sich bevorzugt traditionell, trägt ihre Frisur nach Art der einheimischen Frauen hochgesteckt und betont bewusst öffentlich ihre indigenen Wurzeln, was in der mexikanischen Gesellschaft – wo eine indigene Abstammung zumeist als unvorteilhaft empfunden wird – eher ungewöhnlich ist.

Frida Kahlo stirbt am 13. Juli 1954 an den Folgen einer Lungenembolie – enge Freunde vermuten, ihr Tod ist die Folge eines Selbstmordversuchs. Bereits in jungen Jahren soll sie versucht haben, sich das Leben zu nehmen – eine Obduktion findet nicht statt.

Erst Jahre nach ihrem Tod findet Frida Kahlos Kunst Anerkennung – heute gilt sie als bekannteste Malerin Lateinamerikas, ihre Bilder gelten offiziell als mexikanisches Kulturgut. Die größte private Sammlung mit Bildern Frida Kahlos werden in einer Dauerausstellung im Museo Dolores Olmedo in Mexiko-Stadt gezeigt.

In Frida Kahlos Geburtshaus – dem wegen seiner Blautöne auch „Casa Azul“ genannten Haus in Coyoacán – befindet sich heute ein Museum. Anlässlich ihres hundertsten Geburtstages findet dort 2007 eine weltweit beachtete Ausstellung mit zahlreichen Fundstücken aus dem Leben der Künstlerin statt.

Das Leben Frida Kahlos wird mehrmals im Film dargestellt – unter anderem 1965 in „The Life And Death Of Frida Kahlo“, 1984 in „Frida, naturaleza viva“ („Frida Kahlo – Es lebe das Leben“) und 2002 in „Frida“. Auch zahlreiche Theaterstücke über das Leben der Künstlerin entstehen – darunter „Peinture fraîche“ (2006), das Tanztheater „Frida Kahlo“ (1992), das Stück „Frida (Kahlo) – Farbiges Band um eine Bombe“ (2006), das Musiktheater „Liebeslied ans Leben – Frida Kahlo“ (2010) und das Stück „Frida. Gehst du? Nein!“ (2011). 2014 wird die Kammeroper „Frida y Diego“ – die auf den Biografien von Frida Kahlo und Diego Rivera basiert – des finnischen Komponisten Kalevi Kiviniemi in Helsinki uraufgeführt.

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