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Als „Mutter Courage des Theaters“ gehört sie zu den prägenden Frauen der Hamburger Kulturszene – die Bühnenprinzipalin, Regisseurin und Schauspielerin Gerda Gmelin überzeugt auf der Theaterbühne und in diversen Fernsehrollen mit bärbeißigen Humor und einer ungeheuren Schnodderigkeit mit Vorliebe in Rollen schroffer und respektloser Frauenfiguren

Gerda Gmelin kommt am 23. Juni 1919 als Tochter des Schauspielers und Theatergründers Helmuth Gmelin in Braunschweig zur Welt – sie ist die Nichte des Schriftstellers Otto Gmelin. Schon mit sieben Jahren gibt sie als Ballettelevin ihr Debüt, nach der Mittleren Reife besucht sie von 1937 bis 1939 die Schauspielschule im Hamburger Schauspielhaus und hat danach ihr erstes Engagement am Theater Koblenz. 1955 geht sie an die kleine von ihrem Vater 1947 in einer Privatwohnung gegründete Bühne Hamburger Theater im Zimmer – nach dem Umzug des Theaters in eine klassizistische Villa im Hamburger Stadtteil Pöseldorf und dem Tod ihres Vaters übernimmt Gerda Gmelin bis zur Schließung 1999 die Leitung des Theaters als Direktorin.

Bekannte Darsteller wie Ulrich Wildgruber oder Boy Gobert und die Regisseure Hans Neuenfels und Günther Rennert beginnen ihre Karriere an Gerda Gmelins Theater, Musiker und Kabarettisten wie Udo Lindenberg, Otto Waalkes oder Hans Scheibner treten bei ihr auf. Die kleine Bühne zeichnet sich vor allem durch avantgardistische sowie zeitkritische Spielpläne aus und der Mut der Prinzipalin zum Experiment beeindruckt auch überregional die Kritiker. Stücke von Eugene Ionesco, Harold Pinter oder Franz Xaver Kroetz werden in ihrem Theater erstmalig in Deutschland aufgeführt und 1967 erregt die Neuenfels-Inszenierung von Brechts „Baal“ bundesweit für großes Aufsehen.

Nach Schließung ihrer kleinen Bühne aufgrund sinkender Zuschauerzahlen spielt Gerda Gmelin am Ernst-Deutsch-Theater. Durch die Schließung des Theaters im Zimmer sei ein Druck von ihr genommen, sagt sie – die Schauspielerin fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich glücklich. 2002 begeistert Gerda Gmelin die Zuschauer in ihrer Lieblingsrolle der „Winnie“ in Samuel Becketts „Glückliche Tage“ in der Hamburger Komödie Winterhuder Fährhaus.

Neben der Schauspielerei ist Gerda Gmelin auch als Regisseurin, Dramaturgin und Schauspiel-Lehrerin tätig. Überregionale Bekanntheit erlangt sie 1988 durch die Darstellung der hilfsbereiten Nachbarin Fräulein Neiter in der Fernseh-Verfilmung von Ralph Giordanos Roman „Die Bertinis“. Man sieht sie in zahlreichen „Tatort“-Folgen und seit 1986 spielt sie in der beliebten TV-Serie „Der Landarzt“ an der Seite von Evelyn Hamann und Eva Maria Bauer die Klatschtante Berta Rogalla. Legendär ist ihr Auftritt im berühmten Sketch von Loriot „Der Kosakenzipfel“, im Kinofilm „Pappa ante portas“ (1991) des berühmten Humoristen agiert sie an der Seite von Evelyn Hamann und Irm Hermann als rüstige Oma Jensen.

Gerda Gmelin wird für ihre künstlerischen Verdienste um die Stadt Hamburg vom Senat der Freien und Hansestadt mit der „Biermann-Ratjen-Medaille“ geehrt. 1988 erhält sie den Ehrenpreis „Silberne Maske“ der Hamburger Volksbühne. Gerda Gmelin hat zwei Söhne, die sie alleine großzieht. Sie stirbt am 14. April 2003 nach schwerer Krankheit dreiundachtzigjährig im Hamburger Israelitischen Krankenhaus. Ihr Grab befindet sich im „Garten der Frauen“ auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg.

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