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Sie zählt zu den ersten Autorinnen der literarischen Moderne und prägt den Begriff der „verlorenen Generation“ – mit zahlreichen Romanen, Essays und Bühnenwerken avanciert Gertrude Stein zu Beginn des vorigen Jahrhunderts besonders in Europa zur literarischen Sensation, ihr Pariser Salon ist jahrelang beliebter Treffpunkt von Malern, Schauspielern und Schriftstellern

Gertrude Stein

Gertrude Stein 1934, Foto: Library of Congress, Prints & Photographs Division, Carl Van Vechten Collection, [LC-USZ62-103678 DLC]

Gertrude Stein kommt am 3. Februar 1874 in Pittsburgh – im US-amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania zur Welt. Die Tochter von Daniel Stein und Amelia Keyser wird als jüngstes von fünf Kindern in eine großbürgerliche Familie hineingeboren und wächst nach Aufenthalten in Wien und Paris in Kalifornien auf – ihre Großeltern sind aus Deutschland eingewanderte Juden. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wird ihr ältester Bruder Michael bis zu ihrer Volljährigkeit ihr Vormund.

1893 geht Gertrude Stein mit ihrem Bruder Leo nach Cambridge/Massachusetts, wo sie ein Studium der Biologie und Philosophie aufnimmt. Danach beziehen die Geschwister in Baltimore eine gemeinsame Wohnung, um dort Medizin und Psychologie zu studieren. Gelangweilt vom Studium bricht Gertrude Stein dieses bald ab und geht nach Großbritannien, 1903 folgt sie ihrem Bruder nach Paris.

Das zahlungskräftige Geschwisterpaar empfängt in ihrem mit zeitgenössischer Kunst ausgestatteten Salon die damals noch völlig unbekannten Maler Picasso, Braque, Gris, Matisse, Cézanne, Monet, Renoir, Daumier und Gauguin. Besonders mit Pablo Picasso freundet sich Gertrude Stein schnell an – 1906 vollendet der Maler das Bildnis der Amerikanerin, für das sie monatelang in dessen Atelier Modell sitzt.

1907 lernt Gertrude Stein die Amerikanerin Alice B. Toklas kennen – genau wie sie stammt diese aus einer bürgerlichen jüdischen Familie. 1908 wird Alice B. Toklas die Sekretärin, Lebensgefährtin, Muse, Lektorin und Köchin von Gertrude Stein – sie hält sich stets im Hintergrund. Die Beziehung der beiden Frauen führt zum Zerwürfnis mit Leo Stein, der 1913 die gemeinsame Wohnung verlässt – unter anderem weil er deren Vorliebe für den von Gertrude Stein geprägten Stil des „literarischen Kubismus“ nicht teilt.

Während des Ersten Weltkrieges begeben sich Gertrude Stein und Alice B. Toklas auf Reisen – unter anderem nach Großbritannien und nach Mallorca, auch engagieren sie sich in Frankreich für amerikanische Hilfsorganisationen. Nach dem Ende des Krieges empfangen beide Frauen in ihrem Pariser Salon aufstrebende amerikanische Schriftsteller wie Ernest Hemingway, Sherwood Anderson, Paul Bowles, Ezra Pound, Thornton Wilder, T. S. Eliot, F. Scott Fitzgerald, Louis Bromfield, John Reed, Edith Sitwell, John Dos Passos sowie die Franzosen Jean Cocteau und Valery Larbaud. In dieser Zeit prägt Gertrude Stein den Begriff der „Lost Generation“ – damit bezeichnet sie die um 1883 bis 1900 geborenen Amerikaner.

Gertrude Steins berühmtester Ausspruch „A Rose is a rose is a rose is a rose“ erscheint im 1922 veröffentlichten Buch „Geography & Plays“. 1933 veröffentlicht die sie ihr bekanntestes Werk „The Autobiographie Of Alice B. Toklas“, in welchem sie aus ihrem Leben und von ihren Freundschaften mit zahlreichen Künstlern berichtet. Ihre Lebensgefährtin Alice B. Toklas ist vorgeblich die Erzählerin, bleibt aber als fiktive Figur im Hintergrund. 1934 wird Gertrude Steins von Virgil Thomson vertonte Oper „Four Saints In Three Acts“ uraufgeführt. Im selben Jahr unternehmen Gertrude Stein und Alice B. Toklas eine erfolgreiche Vortragsreise durch die USA – während der Reise treffen sie unter anderem Charlie Chaplin, George Gershwin, Alfred Stieglitz und Thornton Wilder sowie die Präsidentengattin Eleanor Roosevelt.

In ernste Gefahr geraten Gertrude Stein und Alice B. Toklas während der deutschen Besetzung Frankreichs während des Zweiten Weltkrieges. Lediglich ihre amerikanische Staatsbürgerschaft schützt die beiden vor der Deportation ins Konzentrationslager – in ihre amerikanische Heimat zurückzukehren lehnen beide ab. Auch durch ihre guten Beziehungen zum Vichy-Regime überstehen sie die deutsche Besatzungszeit weitgehend unbehelligt. Nach der Befreiung der französischen Hauptstadt kehrt das Paar nach Paris zurück, 1945 veröffentlicht Gertrude Stein ihre Tagebucheintragungen der Kriegsjahre unter dem Titel „Wars I Have Seen“.

Gertrude Stein stirbt am 27. Juli 1946 im Alter von zweiundsiebzig Jahren in Paris an den Folgen eines Krebsleidens. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof Cimetière du Père Lachaise.

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