Famous People » Politiker » Gustav Stresemann

Als Deutscher Reichskanzler prägt er wie kein anderer das Gesicht der Weimarer Republik – Gustav Stresemann trägt nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wesentlich zur Normalisierung der Beziehungen zu Frankreich bei, er führt die Deutschen aus der internationalen Isolation und bahnt ihnen den Weg in den neugeschaffenen Völkerbund. 1926 wird ihm gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen Aristide Briand der Friedensnobelpreis verliehen

Gustav Stresemann wird am 10. Mai 1878 als eines von acht Kindern des Berliner Bierhändlers und Kneipiers Ernst August Stresemann und dessen Frau Mathilde im Berliner Stadtteil Luisenstadt geboren und wird protestantisch-liberal erzogen. Er besucht das Andreas-Realgymnasium in Berlin-Friedrichshain und interessiert sich besonders für das Fach Geschichte sowie die Biographien von berühmten Persönlichkeiten. Als Berufswunsch gibt er schon früh Journalist oder Privatdozent an, noch als Primaner publiziert er in der freisinnigen Dresdner Volkszeitung eine Reihe von Beiträgen. 1897 legt er sein Abitur ab, zum Militär wird er aus gesundheitlichen Gründen nicht eingezogen. Von 1898 bis 1901 studiert Gustav Stresemann zunächst in Berlin und dann in Leipzig Literatur und Geschichte und später das Fach Nationalökonomie, auch engagiert er sich als Mitarbeiter der Allgemeinen Deutschen Universitäts-Zeitung. 1901 beendet er sein Studium mit einer Promotion über „Die Entwicklung des Berliner Flaschenbier-Geschäfts“.

Von 1901 bis 1904 arbeitet Gustav Stresemann als Geschäftsführer und Lobbyist beim „Verband Deutscher Schokoladenfabrikanten“ und wird in seinem neuen Beruf schon früh mit den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiter konfrontiert. 1902 wird er Geschäftsführer des Bezirksvereins Dresden/Bautzen des Bund der Industriellen (BDI), auf seine Anregung hin wird der Verband sächsischer Industrieller gegründet, welcher bald mehr als fünftausend Betriebe umfasst, die zusammen mehr als eine halbe Million Arbeiter und Angestellte beschäftigten.

Seine politische Karriere beginnt Gustav Stresemann zunächst im Nationalsozialen Verein Friedrich Naumanns, um sich dann der Nationalliberalen Partei und dem Alldeutschen Verband anzuschließen. 1906 wird er zum Stadtrat in Dresden gewählt und 1907 kandidiert er für den sächsischen Wahlkreis Annaberg. Wenig später zieht er als damals jüngster Abgeordneter in den Deutschen Reichstag ein. Als erklärter Gegner der Sozialdemokraten setzt er sich dennoch für die freie Organisation der Gewerkschaften ein und engagiert sich ansonsten stark für die Interessen der Angestellten. Außenpolitisch vertritt er die Linie des Deutschen Kaisers Wilhelm II. und gilt als begeisterter Anhänger der Flottenpolitik – er gehört dem Deutschen Flottenverein und dem Deutschen Kolonialverein an. Zusammen mit dem Reeder Albert Ballin sitzt Gustav Stresemann im deutschen Organisationskomitee für die Weltausstellung 1913 in San Francisco.

Währen des Ersten Weltkrieges spricht sich Gustav Stresemann für diverse Gebietserwerbungen und für den Ausbau der deutschen Kolonien aus. Auch setzt er sich für den uneingeschränkten U-Boot-Krieg ein, um Großbritannien dazu zu bewegen, einen für Deutschland günstigen Frieden abzuschließen. 1918 wird Gustav Stresemann Mitbegründer und führender Politiker der rechtsliberalen Deutschen Volkspartei (DVP).

Nach der Reichstagswahl 1920 wird Gustav Stresemann Fraktionsvorsitzender und Leiter des Reichstag-Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. 1923 ist er während der französischen Ruhrbesetzung Reichskanzler und Reichsminister des Auswärtigen – danach bleibt er bis zu seinem Tod 1929 Außenminister. Zu den zentralen Elementen seiner Außenpolitik zählt die Verständigung mit den Siegermächten des Ersten Weltkrieges auf der einen Seite und die Anerkennung Deutschlands als gleichberechtigter Akteur auf der internationalen Bühne auf der anderen Seite sowie die Normalisierung der Beziehungen zum „Erbfeind“ Frankreich – auch die Aufnahme des einst so verhassten Deutschlands in den neugeschaffenen Völkerbund 1926 zählt zu seinen Verdiensten.

In einem Rückblick auf seine Kanzlerschaft – die nach nur hundertunddrei Tagen im November 1923 endet – stellt Gustav Stresemann zu Recht fest: „Beim Rücktritt seines Kabinetts war die Rentenmark geschaffen, Mitteldeutschland in Ruhe, der bayerische Aufstand zusammengebrochen, die Rheinlandfrage, die zeitweilig so aussah, als verlören wir das Rheinland, zur Ruhe gebracht durch die beginnende innere Gesundung, die Außenpolitik für künftige Entwicklung freigemacht durch eine Politik, die den Mut fand, den Ruhrkampf zu beendigen.“

Seit 1903 ist Gustav Stresemann bis zu seinem Tod mit Käte Kleefeld verheiratet, mit der er die Söhne Wolfgang und Joachim hat. Seine Ehefrau spielt eine große Rolle im gesellschaftlichen Leben Berlins der zwanziger Jahre. Ab 1923 ist Gustav Stresemann Mitglied bei den Freimaurern.

Für ihre Verständigungspolitik erhalten Gustav Stresemann und sein französischer Amtskollege Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis. 1928 wird Gustav Stresemann die Ehrendoktorwürde der „Universität Heidelberg“ verliehen. In Deutschland wird Gustav Stresemann jedoch eine entsprechende Anerkennung für seine Außenpolitik versagt – besonders von konservativen Kreisen wird er für seine Verständigungspolitik als „Erfüllungspolitiker“ beschimpft.

Gustav Stresemann stirbt nach langer Krankheit am 3. Oktober 1929 in Berlin. Ihm zu Ehren wird unter der Anteilnahme Hunderttausender ein Staatsbegräbnis abgehalten. Seine Grabstelle befindet sich als Ehrengrab des Landes Berlin auf dem Luisenstädtischen Friedhof in Berlin-Kreuzberg. Sein Tod und der Beginn der Weltwirtschaftskrise markieren 1929 den Anfang vom Ende der Weimarer Republik.

In zahlreichen deutschen Städten sind Straßen und Plätze nach Gustav Stresemann benannt – so in Berlin, Wiesbaden, Bremen, Frankfurt/Main, Lübeck, Nürnberg, Hamburg, Düsseldorf, Bielefeld, Darmstadt, Göttingen, Kiel und Koblenz.

Der „Stresemann“ – ein eleganter und bequemer Anzug für vormittägliche gesellschaftliche Termine – ist nach Gustav Stresemann benannt.

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