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Harald Juhnke zählt zu den wenigen großen Entertainern der deutschen Film- und Theaterwelt und wird von den Deutschen quer durch die Generationen verehrt – als „deutscher Frank Sinatra“ begeistert er mit mitreißenden Swing-Nummern das Publikum, als Charakterdarsteller zeigt er in unzähligen Rollen seine Vielseitigkeit und als Synchronsprecher ist die „Stimme Berlins“ bis heute unvergessen

Harald Juhnke wird am 10. Juni 1929 als Harry Heinz Herbert Juhnke in Berlin-Charlottenburg geboren. Als Sohn des Polizeibeamten Herbert Hermann Juhnke und dessen Ehefrau Margarete wächst er in einfachen Verhältnissen in einer Mietskaserne im Berliner Stadtteil Wedding auf. Mit dem Wunsch, Schauspieler zu werden, verlässt Harald Juhnke 1948 die Schule und nach einer nur dreimonatigen Ausbildung hat er 1948 sein Bühnendebüt im Revolutionsstück „Ljubow Jarowaja“ im Berliner „Haus der Kultur der Sowjetunion“. 1950 folgt ein erstes Engagement am Theater Neustrelitz und danach an der Freien Volksbühne Berlin.

Sein Filmdebüt gibt Harald Juhnke 1950 in „Drei Mädchen spinnen“ – bis in die siebziger Jahre hinein folgen zahlreiche weitere Rollen in größtenteils anspruchslosen Streifen der damaligen Zeit wie „Gitarren der Liebe“ (1954), „Wenn die Alpenrosen blüh’n“ (1955), „Der Glockengießer von Tirol“ (1956), „Jede Nacht in einem anderen Bett“ (1957), „Unter Palmen am blauen Meer“ (1957) mit Bibi Johns, „Mein Schatz, komm mit ans blaue Meer“ (1959), „Schön ist die Liebe am Königssee“ (1960), „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ (1962) mit Heinz Erhardt, Edith Hancke und Trude Herr, „Klein Erna auf dem Jungfernstieg“ (1969) neben Heidi Kabel und „Die Lümmel von der ersten Bank“ (1969). In seiner langen Karriere wirkt Harald Juhnke in über siebzig Filmproduktionen mit.

Ab den siebziger Jahren wird Harald Juhnke durch Auftritte in populären Fernsehserien einem breiteren Publikum bekannt – für seine Rolle in „Ein verrücktes Paar“ (1977 bis 1980) wird er 1980 mit seiner Kollegin Grit Böttcher mit einer „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet. Legendär ist seine Sketchreihe „Harald und Eddie“ (1987 – 1989) an der Seite von Eddie Arent. In der Berliner Fernsehserie „Drei Damen vom Grill“ (1976 bis 1991) kann man ihn an der Seite von Brigitte Mira und Günter Pfitzmann sehen.

Seine wohl bekannteste Filmrolle hat Harald Juhnke 1992 in der Kult-Komödie „Schtonk“ neben Götz George, Christiane Hörbiger und Uwe Ochsenknecht – für seine Darstellung das gewitzten Journalisten Pit Kummer wird er mit dem „Ernst-Lubitsch-Preis“ bedacht.

In den neunziger Jahren werden Harald Juhnke ernsthaftere Rollen in ambitionierten TV-Produktionen angeboten, die dem Vollblutschauspieler endlich gerecht werden – man kann ihn in „Der Papagei“ (1992), in „O du Fröhliche“ (1995), in „Der Trinker“ (1995), in „Der Hauptmann von Köpenick“ (1996) und in „Gespräch mit dem Biest“ (1996) neben Armin Mueller-Stahl und Hark Bohm sehen. Ein letztes Mal steht Harald Juhnke in „Silberdisteln“ (1998) und in „Vor Sonnenaufgang“ (2000) vor der Kamera.

Harald Juhnke macht sich auch als populärer Showmaster und Entertainer einen Namen, mit seinen Swing-Songs im Stil der fünfziger Jahre feiert er mit Titeln wie „Barfuss oder Lackschuh“ jahrelang große Erfolge. Zu seinen populärsten Songs zählt die deutsche Version von Frank Sinatras „My Way“, die er mehrmals in unterschiedlichen Versionen und Arrangements einspielt. 1979 übernimmt er vom verstorbenen Peter Frankenfeld die beliebte Fernsehshow „Musik ist Trumpf“ und erreicht damit bis zu dreißig Millionen Zuschauer. Auch als Synchronsprecher ist Harald Juhnke gefragt, er leiht Stars wie Marlon Brando, Charles Bronson, Peter Falk, Robert Wagner und Woody Allen seine markante Stimme.

Unter großer Anteilnahme der Boulevard-Presse macht Harald Juhnke immer wieder durch seine zahlreichen Alkoholeskapaden auf sich aufmerksam. Wegen Trunkenheit am Steuer, Widerstandes gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Beleidigung wird er zu sieben Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt, nach vier Monaten wird er wegen guter Führung entlassen. Durch seine Ausfälle wird er für Produktionsfirmen zum Risiko, es kommt zu Regressforderungen, 1981 verliert er die Moderation der Fernsehshow „Musik ist Trumpf“. Harald Juhnke, der auch immer wieder in Boulevardstücken im Theater zu sehen ist, spielt 1997 in Katharina Thalbachs Inszenierung von Carl Zuckmayers satirischer Tragikomödie „Der Hauptmann von Köpenick“ am Gorki-Theater in Berlin – nach einem erneuten Ausfall des Schauspielers übernimmt Katharina Thalbach kurzerhand selbst die Rolle.

Harald Juhnke ist in erster Ehe mit der Schauspielerin und Tänzerin Sybil Werden verheiratet, aus der Verbindung stammen Tochter Barbara – die noch im Kleinkindalter stirbt – und Sohn Peer. Nach der Scheidung lebt er zehn Jahre mit seiner Kollegin Chariklia Baxevanos zusammen, 1971 heiratet er in zweiter Ehe die Schauspielerin Susanne Hsiao – aus dieser Verbindung stammt Sohn Oliver.

Wegen seines jahrzehntelangen Alkoholkonsums erkrankt Harald Juhnke am Korsakow-Syndrom und lebt seit 2001 in einem Pflegeheim für Demenzkranke in der Nähe von Berlin. Am 1. April 2005 stirbt er im Alter von fünfundsiebzig Jahren an den Folgen seiner Krankheit. Nach einer Trauerfeier in der Berliner Gedächtniskirche wird er in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Waldfriedhof Dahlem beigesetzt. Auf seinem letzten Weg erhält er vor der Gedächtniskirche von zahlreichen Berlinern einen letzten Applaus. 2005 wird im Berliner Stadtteil Wedding ein Gedenkstein zu Ehren Harald Juhnkes enthüllt.

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