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Ob Hausfrauen, Salondamen oder Mütter – Heidi Kabel spielt alle großen Frauenrollen des Boulevardtheaters, die mit Ehrlichkeit, Naivität und Witz durchs Leben gehen. Die hamburgische Volksschauspielerin macht das Plattdeutsche salonfähig, schafft ein norddeutsches Gegenstück zu den anderen großen Mundart-Bühnen des Landes und gilt noch heute als Deutschlands populärste Volksschauspielerin

Heidi Kabel wird als Heidi Bertha Auguste Kabel am 27. August 1914 als Tochter eines Druckereibesitzer in der Hamburger Neustadt geboren – ihre Mutter Agnes Kabel ist Hausfrau. Zunächst möchte Heidi Kabel Konzert-Pianistin werden, aber es mangelt ihr an Talent. Als sie mit achtzehn Jahren eine Freundin zum Vorsprechen begleitet, wird sie an ihrer Stelle ins Ensemble des späteren Ohnsorg-Theaters aufgenommen – einer Bühne, die Stücke in plattdeutscher Sprache aufführt. Sie wird vom Theatergründer Richard Ohnsorg entdeckt und hat ihre Bühnenpremiere mit dem Stück „Ralves Carstens“, womit sie sich schnell im Haus etabliert.

Die plattdeutsche Mundart lernt Heidi Kabel schon in früher Jugend von ihrem Vater, der als Vorsitzender des „Vereins für geborene Hamburger“ regelmäßig niederdeutsche Abende veranstaltet. Um auf der Bühne bestehen zu können, beginnt Heidi Kabel eine Schauspielausbildung.

Heidi Kabels Schauspielkarriere umfasst insgesamt fünfundsiebzig Jahre – ihr Name ist untrennbar mit dem Ohnsorg-Theater verbunden, fast ein Leben lang steht sie dort auf der Bühne und spielt sich in die Herzen eines Millionen-Publikums. In zahlreichen Stücken mimt sie die gute Seele, die mit hanseatischem Charme als liebenswerte aber auch pfiffige Dame das Publikum vereinnahmt.

1937 heiratet Heidi Kabel ihren Kollegen Hans Mahler, der 1949 als Nachfolger von Rudolf Beiswanger Leiter des Ohnsorg-Theaters wird und großen Einfluss auf die Rollen Heidi Kabels hat. Der Nordwestdeutsche Rundfunk überträgt 1954 mit „Seine Majestät Gustav Krause“ zum ersten Mal ein Stück aus dem Ohnsorg-Theater im Fernsehen. Über die Jahre sind echte Straßenfeger dabei und machen Heidi Kabel über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus bekannt. Zu ihren größten Erfolgen zählen die Hauptrollen in den Stücken „De schönste Mann von de Reeperbahn“, „Tratsch im Treppenhaus“ und „Rummelplatzgeschichten“.

Aus Heidi Kabels Ehe mit Hans Mahler stammen drei Kinder – die Söhne Jan Rasmus und Heiko, sowie Tochter Heidi, die ebenfalls Schauspielerin am Ohnsorg-Theater ist. Die fünffache Großmutter, die in mehr als zweihundert Stücken mitspielt, besucht nahezu jede Premiere ihrer Tochter.

Die junge Heidi Kabel kann man das erste Mal im Kinofilm „Ein Mädchen geht an Land“ (1938) an der Seite von Elisabeth Flickenschildt sehen. Neben etlichen TV-Auftritten wirkt Kabel ab 1987 auch in der Fernsehserie „Tante Tilly“ und ab 1990 in „Campingpark“ mit. Sie ist in rund hundert Fernsehauftritten zu sehen, für die sie mit den renommiertesten Preisen der deutschen Medien bedacht wird. Zu ihren bekanntesten Fernsehfilmen zählen „Schwarzer Peter“ (1964) oder „Hei-Wi-Tipp-Topp“ (1970). Filmrollen übernimmt sie auch in den heute recht trashig anmutenden Heimatfilmen „Klein Erna auf dem Jungfernstieg“ (1969) an der Seite von Heinz Erhardt und „Grün ist die Heide“ (1972) an der Seite ihres männlichen Pendants Henry Vahl.

Heidi Kabel ist auch als Sängerin bekannt – sie nimmt diverse Schallplatten mit Hamburger Liedern wie „Mein Hamburg, ich liebe dich“, „In Hamburg sagt man Tschüß“, „An de Eck steiht’n Jung mit’n Tüdelband“, „Hamburg ist ein schönes Städtchen“, „Tratschen, das tu ich nich“, „Der Junge von St. Pauli“ und „Das gibt’s nur auf der Reeperbahn bei Nacht“ mit Freddy Quinn auf. Auch in den neunziger Jahren tritt sie noch als Sängerin und Entertainerin auf – so im „Theater Madame Lothár“ in Bremen, wo sie 2002 bei einer Galashow anlässlich des siebzigjährigen Theaterjubiläums einen ihrer letzten öffentlichen Auftritte hat.

Heidi Kabel nimmt selten ein Blatt vor den Mund – als beliebte Schauspielerin scheut sie sich nicht, ihre Meinung zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen kundzutun. Ihren Popularität nutzt sie auch für gute Zwecke – so tritt sie 1993 bei einem Benefiz-Konzert zum fünfzigsten Jahrestag des Bombardements auf Hamburg auf. Zu diesem Anlass zeigt sich eine ruhige, nachdenkliche Heidi Kabel, deren Rezitationen von Texten Wolfgang Borcherts viel Beifall finden. Die Schauspielerin setzt sich unter anderem für die „Hamburger Babyklappe“ und das „Hospiz Hamburg Leuchtfeuer“ ein.

Zu Heidi Kabels Auszeichnungen zählen unter anderem 1967 und 1972 der „Goldene Bildschirm“, 1981 die „Bürgermeister-Stolten-Medaille für Kunst und Wissenschaft“, 1982 die „Silberne Maske“ des Ohnsorg-Theaters, 1983 der „Richard-Ohnsorg-Preis“, 1984 die „Biermann-Ratjen-Medaille“, 1984 der „Bambi“, 1985 die „Goldene Kamera“, 1986 das „Silberne Lorbeerblatt der Dramatiker-Union“ und 1994 die Ernennung zur Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei. Orden lehnt Heidi Kabel in alter hanseatischer Tradition ab.

Mit vierundachtzig Jahren nimmt Heidi Kabel mit einer Aufführung des Stückes „Mein ehrlicher Tag“ im Hamburger Kongresszentrum Abschied von der Bühne.

Bis ins hohe Alter bewahrt sich Heidi Kabel ihren Charme und ihre Aufgeschlossenheit. „Ich bin die Oma aus dem Internet“ singt sie mit sechsundachtzig Jahren, geht ins Internet und legt sich eine eigene Homepage an. Als sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert, zieht sie in eine Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. 2004 feiert sie ihren neunzigsten Geburtstag mit einem kleinen Empfang, zu dem zahlreiche ehemalige Kollegen, Freunde und Bekannte kommen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt hat die Hamburger Legende bei der „Bambi“-Preisverleihung 2004. Nach 1989 und 1990 erhält sie das goldene Reh erneut – diesmal für ihr Lebenswerk.

Obwohl Heidi Kabel sich seit 2002 zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzieht, übernimmt sie 2007 mit zweiundneunzig Jahren in Detlev Bucks Jugendfilm „Hände weg von Mississippi“ an der Seite ihrer Tochter Heidi Mahler eine letzte Filmrolle.

Heidi Kabel stirbt am 15. Juni 2010 im Alter von fünfundneunzig Jahren in Hamburg – sie wird neben ihrem Ehemann auf dem Nienstedtener Friedhof in Hamburg beigesetzt.

2011 wird ihr zu Ehren in Hamburg ein Denkmal eingeweiht, auch benennt man vor der neuen Spielstätte des Ohnsorg-Theaters einen Platz nach ihr.

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