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Als einer der großen Staatenlenker des vergangenen Jahrhunderts steht sein Name für eine ganze Ära – noch zu Beginn seiner Kanzlerschaft wird er als tumber Provinzler verlacht, doch im Laufe der Zeit avanciert er wegen der mit viel Geschick durchgesetzten deutschen Einheit sowie seines überzeugten europäischen Engagements zum hoch geachteten Staatsmann

Helmut Josef Michael Kohl wird am 3. April 1930 als drittes Kind des Finanzbeamten Hans Kohl und dessen Frau Cäcilie im pfälzischen Ludwigshafen am Rhein geboren, wo er mit seiner Schwester Hildegard und seinem Bruder Walter in einer konservativ-katholischen Familie im Ludwigshafener Stadtteil Friesenheim aufwächst. Seine Jugend wird durch die entbehrungsreichen Nachkriegsjahre und den Tod seines Bruders, der 1944 als Soldat bei einem Tieffliegerangriff ums Leben kommt, geprägt.

Helmut Kohl besucht in Ludwigshafen-Friesenheim die Grundschule und seit 1940 die dortige Oberrealschule – als Vierzehnjähriger wird er in den letzten Kriegstagen als Flakhelfer eingesetzt. Nach Kriegsende macht er zunächst eine landwirtschaftliche Lehre, danach legt er 1950 an der Oberrealschule sein Abitur ab. Im selben Jahr beginnt er ein Jura- und Geschichtsstudium in Frankfurt am Main, welches er 1956 an der Universität Heidelberg mit einem Magister in Geschichte und Staatswissenschaften beendet. Nebenher arbeitet er als Werksstudent im Ludwigshafener Chemieunternehmen BASF.

1958 promoviert Helmut Kohl mit der Dissertation „Die politische Entwicklung in der Pfalz und das Wiedererstehen der Parteien nach 1945“ zum Dr. phil. Anschließend ist er in seiner Heimatstadt als Direktionsassistent einer Eisengießerei und 1959 als Referent beim „Verband der chemischen Industrie“ tätig.

Bereits als Schüler tritt Helmut Kohl 1946 in die CDU ein – er ist Mitbegründer und ab 1954 stellvertretender Landesvorsitzender der „Jungen Union“ seiner Heimatstadt Ludwigshafen, zwischen 1960 und 1969 ist er Fraktionsführer der Stadtratsfraktion Ludwigshafen, von 1966 bis 1974 Landesvorsitzender der CDU von Rheinland-Pfalz, 1966 Mitglied des Bundesvorstandes der CDU, ab 1969 Stellvertreter und von 1973 bis 1998 – insgesamt fünfundzwanzig Jahre – Parteivorsitzender der CDU. Von 1969 bis 1976 ist Helmut Kohl Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz.

In den siebziger Jahren ist Helmut Kohl einer der jüngsten CDU-Spitzenpolitiker des Landes – als sogenannter „junger Wilder“ reformiert er gegen zahlreiche Widerstände die Partei und erreicht 1976 das zweitbeste Ergebnis für die Union in der Geschichte der Bundestagswahlen. Als CDU-Kanzlerkandidat gelingt es ihm jedoch nicht, den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt abzulösen – in den folgenden Jahren übernimmt Helmut Kohl im Deutschen Bundestag als Oppositionsführer den Vorsitz der CDU/CSU-Fraktion, wobei es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen ihm und dem Vorsitzenden der CSU, dem bayrischen Ministerpräsidenten Franz-Josef Strauß, um die Führungsrolle in der Union kommt.

1980 verzichtet Helmut Kohl auf eine erneute Kanzlerkandidatur und lässt Franz-Josef Strauß den Vortritt – die CDU/CSU verliert die Wahl und Franz-Josef Strauß zieht sich nach Bayern zurück, von wo aus er in den folgenden Jahren immer wieder mit Verbalattacken gegen den CDU-Vorsitzenden für Aufsehen sorgt und sich auf der politischen Rechten profiliert. Helmut Kohl lässt dies kalt – ist es ihm doch gelungen, seinen bayrischen Widersacher auszuschalten.

1982 kommt es zum Bruch der sozial-liberalen Koalition unter Helmut Schmidt – im Rahmen des ersten erfolgreichen konstruktiven Misstrauensvotums in der Geschichte des Bundestages wird Helmut Kohl gegen den amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt zum sechsten Bundeskanzler gewählt. Sein Amtsantritt markiert eine Zäsur in der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Bei den Bundestagswahlen 1983 erzielt die christlich-liberale Koalition ihr bislang bestes Wahlergebnis.

1984 trifft sich Helmut Kohl mit dem französischen Präsident François Mitterrand am Ort der Schlacht um Verdun, um gemeinsam der Toten der beiden Weltkriege zu gedenken – das Bild des Händedrucks der beiden Regierungschefs wird zum Symbol der deutsch-französischen Aussöhnung. Das enge Vertrauensverhältnis zwischen Helmut Kohl und François Mitterrand führt später zu weiteren Fortschritten der europäischen Einigung wie dem „Vertrag von Maastricht“ und der Einführung des Euro.

1985 legt Helmut Kohl gemeinsam mit dem US-Präsidenten Ronald Reagan auf dem Bitburger Soldatenfriedhof einen Kranz nieder, was in Teilen der deutschen und amerikanischen Öffentlichkeit für Befremden sorgt, da dort auch Angehörige der Waffen-SS beigesetzt sind.

1987 gewinnt die CDU erneut die Bundestagswahlen – gegen den sehr beliebten nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau von der SPD wird Helmut Kohl erneut im Amt bestätigt. Im selben Jahr besucht der DDR-Staatsratsvorsitzende Erich Honecker die Bundesrepublik Deutschland und trifft dabei mit Helmut Kohl in Bonn zusammen.

Im Herbst 1989 fällt die Berliner Mauer und der Zusammenbruch der DDR zeichnet sich ab – Helmut Kohl ergreift die Chance der Stunde und legt ohne vorherige Absprache mit den westlichen Bündnispartnern im Deutschen Bundestag ein „Zehn-Punkte-Programm zur Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas“ vor. 1990 wird der Staatsvertrag über die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion mit der DDR unterzeichnet. Helmut Kohl setzt einen Eins-zu-eins-Umtauschkurs bei Löhnen, Gehältern und Renten der DDR-Bürger durch – was sich später als starke Belastung für die Betriebe der neuen Bundesländer erweist. Mit Außenminister Hans-Dietrich Genscher und dem damaligen DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière erreicht Helmut Kohl in Form des „Zwei-plus-Vier-Vertrags“ mit den vier Siegermächten des Zweiten Weltkriegs deren Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands sowie die Einbindung Gesamtdeutschlands in die NATO. Im Oktober 1990 feiert Deutschland unter den Augen der Weltöffentlichkeit die Deutsche Einheit – Helmuth Kohl befindet sich auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn – er wird nicht nur in den neuen Bundesländern als „Vater der Einheit“ bejubelt und verehrt.

1991 wird Helmuth Kohl vom Deutschen Bundestag zum dritten Mal zum Deutschen Bundeskanzler gewählt – er ist damit der erste Kanzler des wiedervereinigten Deutschlands. Diesen Erfolg kann er vier Jahre später noch einmal wiederholen – seine allgemeine Beliebtheit sinkt erst gegen Ende der neunziger Jahre, als sich besonders in den neuen Bundesländern angesichts der hohen Arbeitslosigkeit Ernüchterung breitmacht. Die letzten Jahre seiner Kanzlerschaft sind auch wegen des SPD-dominierten Bundesrats und der damit eingeschränkten Handlungsfähigkeit der Bundesregierung von Stagnation geprägt – 1998 verliert Helmut Kohl die Bundestagswahl und neuer Bundeskanzler wird der niedersächsische SPD-Ministerpräsident Gerhard Schröder. Angesichts zahlreicher anstehender Reformen – Deutschland wird in jenen Jahren von seinen Nachbarn als „kranker Mann Europas“ bezeichnet – wird der Abtritt von Helmut Kohl in der Bevölkerung als überfällig bezeichnet und größtenteils mit Erleichterung aufgenommen.

1998 kommt es zum CDU-Spendenskandal, in dem Helmut Kohl die Herkunft von Parteispenden in Höhen mehrerer Millionen deutscher Mark – trotz Publikationspflicht gemäß dem Parteiengesetz – verschweigt. Mit seinem „Ehrenwort“ verstößt er gegen geltendes Recht, wird jedoch nicht belangt. Sein Verhalten stößt auf heftige öffentliche Kritik, ein Untersuchungsausschuss wird eingesetzt und 2000 muss der ehemalige Bundeskanzler wegen seiner unrühmlichen Rolle in der Affäre auf den Ehrenvorsitz der CDU verzichten.

Im Laufe seines Lebens wird Helmut Kohl für seine Verdienste mit unzähligen Auszeichnungen geehrt – darunter das „Große Silberne Ehrenzeichen am Bande für die Verdienste um die Republik Österreich“, das „Großkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik“, der „Aachener Karlspreis“, das „Große Goldene Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“, der „Deutschen Medienpreis“, die Ehrendoktorwürde der „Katholieke Universiteit Leuven“ und das portugiesische „Großkreuz des Ordens des Infanten Dom Henrique“. Helmut Kohl ist nach Konrad Adenauer der zweite Träger des „Großkreuzes in besonderer Ausführung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ – auch wird er vom Europäischen Rat zum „Ehrenbürger Europas“ ernannt.

Helmut Kohl erhält den „Preis des Westfälischen Friedens“, den „Internationalen Adalbert-Preis“, den „Point Alpha Preis für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit“, den „Franz Josef Strauß-Preis“ der Hanns-Seidel-Stiftung, die „Quadriga“ des Vereins „Werkstatt Deutschland“, den „Sonderpreis des Konrad-Adenauer-Preises“, den „Spanischen Europapreis“, die schweizerische „Goldene Medaille der Jean-Monnet-Stiftung“, den „Hanns Martin Schleyer-Preis“, den „Millenniums-Bambi“ und den „Roland Berger Preis für Menschenwürde“. Auch fur den Friedensnobelpreis wird er seit den neunziger Jahren alljährlich vorgeschlagen.

Helmut Kohl ist Ehrenbürger der Städte Frankfurt am Main, Berlin und Ludwigshafen am Rhein sowie seines langjährigen österreichischen Urlaubsortes St. Gilgen am Wolfgangsee.

Wie kaum ein anderer Politiker ist Helmut Kohl wegen seiner imposanten Statur, seiner Volkstümlichkeit, seiner provinziellen Herkunft, seines oft unbeholfenen und unwirschen Auftretens gegenüber den Medien sowie seines pfälzischen Dialektes jahrelang willkommener Gegenstand des politischen Kabaretts sowie zahlreicher Karikaturen – seine wohl nachhaltigste satirische Darstellung ist in den achtziger Jahren die „Birne“ des deutschen Satiremagazins „Titanic“.

Zwischen 2004 und 2007 erscheinen drei Bände der Memoiren von Helmut Kohl – ein abschließender vierter Band ist geplant.

2008 zieht sich Helmut Kohl bei einem Sturz in seinem Haus ein Schädel-Hirn-Trauma zu – seitdem benutzt er bei seinen seltenen öffentlichen Auftritten einen Rollstuhl.

1960 heiratet Helmut Kohl die Fremdsprachensekretärin Hannelore Renner – aus der Ehe gehen die Söhne Walter und Peter Kohl hervor. Hannelore Kohl nimmt sich 2001 im Alter von achtundsechzig Jahren wegen einer Lichtallergie das Leben.

2008 heiratet Helmut Kohl die Volkswirtin Maike Richter – beide leben bis zu seinem Tod in Ludwigshafen und Berlin.

Helmut Kohl stirbt am 16. Juni 2016 mit siebenundachtzig Jahren in seinem Haus im Ludwigshafener Stadtteil Oggersheim.

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