Famous People » Sänger, Schauspieler » Hildegard Knef

Von Ella Fitzgerald wird sie als „Beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnet, ihr Buch „Der geschenkte Gaul“ wird ein Bestseller und mit dem eher harmlosen Film „Die Sünderin“ verursacht sie in den fünfziger Jahren einen handfesten Skandal – Hildegard Knef spielt an der Seite berühmter Hollywood-Stars, sie singt über sechshundert Musical-Vorstellungen am New Yorker Broadway und wird bis heute als bedeutendste Chansonsängerin Deutschlands verehrt

Hildegard Knef wird am 28. Dezember 1925 in Ulm als Hildegard Frieda Albertine Knef geboren – sie ist die Tochter des Prokuristen Hans Theodor Knef und dessen Frau Frieda Auguste und wächst im Berliner Stadtteil Schöneberg auf. Die Sommer verbringt sie häufig bei ihrem Großvater in einer Laube bei Zossen – die schönste Zeit ihres Lebens – so die Künstlerin. Nach dem Tod ihres Vaters kauft ihre Mutter einen kleinen Laden, um sich und ihre Tochter durchzubringen – 1933 heiratet sie erneut und die junge Hildegard Knef bekommt einen Halbbruder.

Mit fünfzehn Jahren verlässt Hildegard Knef nach der Mittleren Reife die Schule und beginnt eine Ausbildung als Zeichnerin für die Berliner UFA-Filmstudios. 1943 wird man dort auf sie aufmerksam und sie erhält eine Ausbildung zur Schauspielerin. Noch vor Ende des Krieges tritt Hildegard Knef erstmals in Filmen wie „Unter den Brücken“ (1944) und „Fahrt ins Glück“ (1945) auf. Mit dem „Reichsfilmdramaturgen“ Ewald von Demandowsky – der auch Produktionschef der Filmfirma Tobis ist – beginnt sie 1944 eine Affäre.

Nach Kriegsende tritt Hildegard Knef im Kabarett sowie im Theater auf und lernt bald darauf den US-Offizier Kurt Hirsch kennen, den sie 1947 heiratet. Der Filmproduzent Wolfgang Staudt sieht die junge Schauspielerin auf der Bühne und engagiert sie für den ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ (1946), der sie international bekannt macht. Für ihre Rolle in „Film ohne Titel“ erhält sie 1948 in Locarno den Preis als „Beste weibliche Darstellerin“.

1948 ist Hildegard Knef als Titelmädchen auf der ersten Ausgabe der neuen Illustrierten Stern zu sehen und avanciert damit zum ersten großen Star Nachkriegsdeutschlands.

1947 berichtet die amerikanische Illustrierte Life über den „New German Star Hilde Knef“ – der Hollywood-Produzent David O. Selznick ist begeistert und bittet die Künstlerin in die USA zu kommen. Sie erhält einen Filmvertrag und ändert ihren Namen in „Hildegarde Neff“ – aber die großen Rollen bleiben aus. Zwischen Sprachunterricht und Probeaufnahmen lernt sie in Hollywood unter anderem Marlene Dietrich kennen, mit der sie eine lebenslange Freundschaft verbindet.

1950 wird Hildegard Knef amerikanische Staatsbürgerin, kehrt aber schon bald nach Deutschland zurück um mit Willi Forst „Die Sünderin“ zu drehen – eine Nacktszene sowie die Thematisierung von Prostitution und Freitod in dem eher harmlosen Film empört die katholische Kirche und Deutschland hat seinen ersten großen Nachkriegsskandal. „Die Sünderin“ wird allein in Deutschland über sieben Millionen mal gesehen, auch in den USA ist der Streifen ein großer Erfolg und setzt Hildegard Knefs internationale Karriere erst richtig in Gang. In Deutschland zur Unperson erklärt, tritt Hildegard Knef in US-Produktionen wie „The Snows Of Kilimanjaro“ („Schnee am Kilimandscharo“, 1952) neben Gregory Peck und Ava Gardner auf und ist in England und Frankreich in anspruchsvollen und erfolgreichen Produktionen zu sehen. 1959 lernt sie bei Dreharbeiten in Großbritannien ihren zweiten Ehemann David Cameron kennen – er ist der Vater ihrer Tochter Christina Antonia, die 1968 zur Welt kommt. Die Ehe hält bis 1976.

1951 erscheint Hildegard Knefs erste Schallplatte („Ein Herz ist zu verschenken“) – doch den Grundstein für ihre Laufbahn als Sängerin legen die Dreharbeiten zu „Schnee am Kilimandscharo“ (1952). Von ihrer Darstellung darin ist der Komponist Cole Porter so angetan, dass er ihr die Hauptrolle in einem seiner Musicals anbietet. 1955 debütiert Hildegard Knef als bislang einzige Deutsche am New Yorker Broadway in „Silk Stockings“ („Seidenstrümpfe“) – über sechshundertmal gibt sie im dortigen Imperial Theater die Kommissarin Ninotschka, ihr großes Vorbild Marlene Dietrich besucht eine Vorstellung und ist begeistert.

1962 veröffentlicht Hildegard Knef das Album „So oder so ist das Leben“ – zehn weitere Soloalben und eine unüberschaubare Vielzahl an Samplern, Compilations und Best-Ofs legen bis heute ein beeindruckendes Zeugnis ihrer musikalischen Zeitlosigkeit ab. Als Chansonsängerin erhält Hildegard Knef nun auch erste Shows im deutschen Fernsehen. 1965 schreibt sie erstmals einen eigenen Liedtext („Werden Wolken alt?“). Die LP „Ich seh die Welt durch deine Augen“ mit selbst verfassten Texten wird 1966 zu einem gewaltigen Erfolg. Im selben Jahr kommt es dann zu ihrer ersten Konzerttournee. Das rauchige Organ ihrer Stimme, die präzise, zuweilen schnoddrige und dabei durchweg gefühlvolle Art des Vortrags und die von Klugheit und lakonischer Ironie geprägten eigenen Texte machen Hildegard Knef zu einer einzigartigen Erscheinung in der deutschsprachigen Unterhaltungsmusik. „Musik ist etwas ganz Wesentliches in meinem Leben“ beteuert die Sängerin. Die Texte zu ihren eigensinnigen Stücken schreibt sie selbst, über mehr als eine Handvoll Gesangstunden kommt sie aber nicht hinaus – “Ich hatte nie den Ehrgeiz, gut zu singen“. In kantigen Zeilen wie „das Glück kennt nur Minuten, der Rest ist Warterei“ fasst sie die kollektive Volksseele der Wirtschaftswunderzeit in Worte. „Ich kenne die heutige Zeit nicht sehr gut. Genauso wenig, wie ich damals meine Zeit kannte. Ich kenne nur mich und meine Reaktionen auf das, was um mich herum geschieht“.

1970 veröffentlicht Hildegard Knef ihr autobiografisches Werk „Der geschenkte Gaul“, welches als Weltbestseller in siebzehn Sprachen übersetzt und zum international erfolgreichsten Buch eines deutschen Autors seit 1945 wird.

Ihre beiden nächsten Alben „Knef“ (1970) und „Worum geht’s hier eigentlich?“ (1971) – überwiegend von Les Humphries vertont – gehören zu den künstlerisch besten Alben von Hildegard Knef, sind jedoch wegen der wenig chanson-typischen musikalischen Umsetzung kommerziell nicht erfolgreich. Auch weitere Veröffentlichungen verkaufen sich nur mäßig.

Gegen Ende der siebziger Jahre gerät Hildegard Knef mit Themen wie Finanznot, Krankheit, Scheidungskrieg und Face-Lifting immer mehr in die Schlagzeilen und geht – um dem Presserummel zu entkommen – mit ihrem dritten Mann Paul Rudolf Freiherr von Schell für mehrere Jahre in die USA, wo sie sich um ihre Tochter kümmert, weitere Bücher schreibt und sich der Malerei widmet.

Zurück in Deutschland feiert Hildegard Knef 1987 im Berliner Theater des Westens ein erfolgreiches Comeback im Musical „Cabaret“.

1992 veröffentlicht Hildegard Knef mit der Rockband „Extrabreit“ eine Neuinterpretation ihres Hits „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ – sie stürmt damit die deutschen Charts und gewinnt ein jüngeres Publikum für sich.

Mit „A Woman And A Half“ erscheint kurz vor ihrem Tod eine Kino-Dokumentation, die Hildegard Knef noch einmal an verschiedene Stätten der Vergangenheit führt und eine würdige Hommage an einen der größten deutschen Stars darstellt.

Im Laufe ihrer Karriere wird Hildegard Knef etliche Male geehrt und ausgezeichnet – 1968 wird sie als „Beste deutschsprachige Sängerin“ ausgezeichnet, sie erhält mehrere „Goldene Schallplatten“, 1977 überreicht man ihr den „Deutschen Lebenswerk-Filmpreis“ und einen „Echo“. 2001 folgt der „Bambi“ für ihr Lebenswerk, das vierzig Filme, elf Langspielplatten, drei Bücher und zahllose Gemälde umfasst.

Hildegard Knef stirbt am 1. Februar 2002 in Berlin an den Folgen einer Lungenentzündung. Die Trauerfeier findet in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche statt – Hildegard Knef wird auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in einem Ehrengrab der Stadt Berlin beigesetzt.

2007 benennt man den westlichen Vorplatz des Fernbahnhofs Berlin-Südkreuz nach Hildegard Knef und 2008 wird ihre Lebensgeschichte mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt.

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