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Er zählt als Hauptdarsteller in etlichen Mantel-und-Degen-Filmen jahrelang zu den populärsten französischen Filmstars – Jean Marais avanciert in den fünfziger Jahren an der Seite seines Mentors Jean Cocteau zum herausragenden Charakterdarsteller und feiert noch im hohen Alter auf Pariser Theaterbühnen große Erfolge

Jean Marais kommt als Jean Alfred Villain-Marais am 11. Dezember 1913 als Sohn eines Tierarztes im französischen Cherbourg zur Welt. Als er fünf Jahre alt ist trennen sich seine Eltern und er wächst mit seinem Bruder, einer Tante und der Großmutter in Le Vésinet bei Paris auf. Er entwickelt er eine Leidenschaft fürs Zeichnen und das Theaterspielen, als lebhafter und turbulenter Schüler wird er vom Gymnasium verwiesen. Schon früh möchte Jean Marais Schauspieler werden – von seiner Familie wird er in diesem Wunsch nicht unterstützt. Nach einer Lehre als Porträtfotograf arbeitet er zunächst in Paris als Retuscheur und als Caddie auf einem Golfplatz um dann Bildende Kunst am Pariser Konservatorium zu studieren. 1936 nimmt er Schauspielunterricht bei Charles Dullin, danach erhält er zunächst kleinere Statistenrollen auf Pariser Theaterbühnen und in einigen Filmproduktionen.

1937 begegnet Jean Marais zum ersten Mal dem fünfundzwanzig Jahre älteren Jean Cocteau, seinem späteren Mentor und Lebensgefährten, was die große Wende in Jean Marais’ Karriere herbeiführt und eine ebenso lange wie kreative Freundschaft und Zusammenarbeit einleitet. „Welche Rolle würdest Du gerne spielen?“ fragt Jean Cocteau den jungen Mann, und der antwortet: „Einen modernen Mann mit extremen Gefühlen, der lacht, weint, schreit, sich auf der Erde wälzt…“. Der französische Dichter gibt dem Schauspieler Hauptrollen in seinen Theaterstücken, wie „Macbeth“, „Les chevaliers de la table ronde“ („Die Ritter der Tafelrunde“) und „Les parents terribles“ („Die schrecklichen Eltern“).

1939 leistet Jean Marais seinen Militärdienst ab und setzt danach bis 1942 seine Theaterarbeit im von den Deutschen besetzten Frankreich fort – bis 1943 diente er als Soldat in der amerikanischen Armee. Internationale Bekanntheit erlangt der Schauspieler 1943 als moderner Tristan im Spielfilm „L’Éternel retour“ („Der ewige Bann“) – schnell avanciert er in Frankreich zu einem der gefeiertsten Schauspieler jener Jahre.

Nach Kriegsende übernimmt Jean Marais Hauptrollen in allen poetischen Klassikern Cocteaus, unter anderem spielt er 1946 in dem berühmten „La Belle et la bête“ („Die Schöne und das Biest“), 1947 den Stanislas in „L’Aigle à deux têtes“ („Der Doppeladler“) und 1949 die Titelrolle in „Orphée“ („Orpheus“). Auch kann man ihn in Filmen, wie „Le pavillon brûle“ (1941), „Der ewige Bann“ (1943), „Es war einmal“ (1946), „Der Graf von Monte Christo“ (1955), „Fracass, der freche Kavalier“ (1961), „Die eiserne Maske“ (1962), „Ritter der Nacht“ (1959), „Das Testament des Orpheus“ (1960) und in der „Fantomas“-Reihe (1964) neben Louis de Funès sehen. Für die Action-Szenen seiner Filme muss sich der athletische Jean Marais nicht doubeln lassen.

Jean Marais ist nicht nur als Schauspieler erfolgreich – er verfasst literarische Werke, ist Autor eines Balletts und seine Inszenierungen von Cocteau-Stücken in den fünfziger Jahren gehören zu den international erfolgreichsten französischen Regiearbeiten.

Die Freundschaft und Liebe zwischen Jean Cocteau und Jean Marais währt ein Vierteljahrhundert bis der Dichter 1963 stirbt – Jean Marais verwindet den Tod seines Freundes nie. „Ich werde einschlafen, dich dabei ansehen und sterben, denn von nun an werde ich nur so tun, als lebte ich“ – schreibt Jean Marais in seinem Buch „Geschichten meines Lebens“ (1982). Der Satz ist eine Umkehrung aus dem Cocteauschen „Testament des Orpheus“: „Tut nur so als ob ihr weint, der Dichter tut nur so als sei er tot!“.

Ab den siebziger Jahren zieht sich Jean Marais weitgehend vom Filmgeschäft zurück, feiert jedoch bis ins hohe Alter Erfolge auf der Theaterbühne. Gegen Ende seines Lebens wendet er sich in seiner Villa in der Töpferstadt Vallauris an der Côte d’Azur verstärkt der Bildhauerei zu.

Jean Marais stirbt am 8. November 1998 im Alter von vierundachtzig Jahren im südfranzösischen Cannes an den Folgen einer Lungenentzündung und wird in Vallauris beigesetzt.

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