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Mit seiner absurden und zuweilen bitterbösen Wortakrobatik gilt Karl Valentin als bedeutendster deutschsprachiger Komiker des zwanzigsten Jahrhunderts – zusammen mit seiner Partnerin Liesl Karlstadt hält der bayerische „Sprach-Anarchist“ mit beißender Ironie und melancholischen Blick dem begeisterten Publikum den Zerrspiegel vor und beeinflusst mit seinem Humor zahlreiche nachfolgende Kabarettisten und Komiker

Karl Valentin wird am 4. Juni 1882 in der Münchner Vorstadt Au als Valentin Ludwig Fey geboren. Er ist der Sohn des Tapezierermeisters und Speditionsunternehmers Johann Christoph Fey und dessen Ehefrau Maria Johanna und wächst behütet als Einzelkind auf – seine drei älteren Geschwister sterben kurz nach seiner Geburt an Diphterie.

Nach dem Besuch einer Volksschule, einer privaten Bürgerschule und einer Schreinerlehre arbeitet Karl Valentin bei verschiedenen Schreinereien in München als Geselle, erlernt nebenbei das Zitherspiel und tritt als Alleinunterhalter auf. 1902 besucht er eine Varieté-Schule, wo er den Künstlernamen „Karl Valentin“ wählt. Nach dem Tod seines Vaters leitet er zusammen mit seiner Mutter die familieneigene Speditionsfirma, die aber nach vier Jahren in Konkurs geht. Danach zieht er mit seiner Mutter ins sächsische Zittau.

Nach einer erfolglosen Tournee durch verschiedene Städte kehrt Karl Valentin 1908 nach München zurück, wo er den Monolog „Das Aquarium“ schreibt. Mit einem Engagement an der Volkssängerbühne im Frankfurter Hof gelingt ihm 1911 in München der Durchbruch. In jener Zeit entwickelt er seine groteske Körpersprache – unterstützt durch seine hagere Gestalt, die er durch slapstickartige Einlagen betont – und die sprachspielerische Ironie, mit der auf sein Publikum zielt. In seinen Sketchen kämpft er vorzugsweise mit den Tücken des Alltags und setzt sich mit Behörden und Mitmenschen auseinander.

Karl Valentins wichtigste Partnerin auf der Bühne ist Liesl Karlstadt – mit ihr tritt er in zahlreichen Sketchen auf. Sie fungiert zumeist als vernünftiger und pragmatischer Widerpart in Rollen als Hausmeisterin oder Verkäuferin, an dem sich der Komiker mit seinen Sprachverwirrspielen reiben kann. Obgleich ihm darstellerisch ebenbürtig und enorm wandlungsfähig, ist Liesl Karlstadt häufig zur Stichwortlieferantin degradiert und übernimmt hauptsächlich die Funktion des Korrektivs.

1911 heiratet Karl Valentin das ehemalige Hausmädchen seiner Familie – Gisela Royes. Aus der Ehe gehen die Kinder Gisela und Bertha hervor. Wegen seines Asthmas muss er während des Ersten Weltkriegs keinen Militärdienst leisten. In dieser Zeit verfasst er verharmlosende Kriegslieder und Sketche. 1915 wird er Direktor des Münchener Kabaretts „Wien-München“.

In den folgenden Jahren kann man Karl Valentin auch in zahlreichen Filmen sehen, wie in „Karl Valentins Hochzeit“ (1913), „Der neue Schreibtisch“ (1914), „Mysterien eines Frisiersalons“ (1923), „Der Sonderling“ (1929), „Der Feuerwehrtrompeter“ (1929), „Im Photoatelier“ (1932), „Der verhexte Scheinwerfer“ (1934), „Im Schallplattenladen“ (1934), „Kirschen in Nachbars Garten“ (1935) und „Musik zu zweien“ (1936).

Karl Valentin ist ein begeisterter Sammler von Fotografien des alten München – im Laufe seines Lebens trägt er über neunhundert alte Stadtansichten zusammen. Mit Skepsis betrachtet er die baulichen und verkehrstechnischen Veränderungen seiner Heimatstadt. Karl Valentins Bildsammlung wird ab 1939 in die Fotosammlung des Stadtarchivs München eingeordnet und Anfang der achtziger Jahre rekonstruiert. Auch sammelt er Fotografien von damals bekannten Volkssängern und Komikern sowie Aufnahmen von Münchner Theatern, Varietés und Kleinkunstbühnen und erweist sich damit als früher Dokumentar der Alltagskultur einer deutschen Großstadt.

Karl Valentin ist eng mit Bertolt Brecht befreundet, der ihn als Künstler sehr schätzt – die gemeinsame Arbeit beeinflusst das spätere Schaffen Bertholt Brechts stark. Auch Alfred Kerr und Kurt Tucholsky sind von Karl Valentins „Sprachakrobatik“ begeistert.

Karl Valentin leidet lebenslang unter zahlreichen Neurosen – seine Furcht vor Einbrechern und längeren Zugfahrten ist legendär, die Liste seiner Ärzte stattlich und die jahrzehntelange Korrespondenz mit Pharmaunternehmen zeugt von ausgeprägter Hypochondrie. In seiner Arbeit ist er Pedant und Chaot zugleich – er studiert präzise sein Spiel ein und hält sich doch wenig an seine Texte, er ist nie zufrieden und erfindet während der Aufführungen seine Repertoirestücke Abend für Abend neu.

1936 spielt Karl Valentin mit Liesl Karlstadt im Film „Die Erbschaft“, in dem ein Ehepaar am Ende nichts als einen Kerzenstummel besitzt – das NS-Regime verbietet den Film wegen „Elendstendenzen“ und setzt auch einige seiner Publikationen als „unerwünschte Literatur“ auf die Schwarze Liste. Den Nationalsozialisten steht Karl Valentin stets skeptisch gegenüber, äußert sich jedoch niemals öffentlich.

Nachdem Liesl Karlstadt den Anstrengungen gesundheitlich nicht mehr gewachsen zu sein scheint, ersetzt Karl Valentin sie 1939 durch die fünfunddreißig Jahre jüngere Annemarie Fischer. Im selben Jahr eröffnet er die „Ritterspelunke“ – eine Mischung aus Theater, Kneipe und Panoptikum – die 1940 wieder schließt.

Seinen letzten größeren Auftritt hat Karl Valentin 1940 im Münchner Deutschen Theater. Nach dem Krieg fällt es ihm schwer, wieder Fuß zu fassen – er schreibt Dialoge und Gedichte und hält sich mit der Anfertigung von Haushaltsartikeln über Wasser. Seine Hörspielserie „Es dreht sich um Karl Valentin“ wird nach nur fünf Folgen eingestellt.

1947 kommt es zu einer Wiedervereinigung mit Liesl Karlstadt – doch der Erfolg bleibt aus. Das Publikum hat in den Nachkriegsjahren kein Interesse an bitterer Komik über Lebensmittelnot, Diktatur und Trümmerberge.

Die Renaissance seiner Kunst erlebt Karl Valentin nicht mehr – unterernährt und an einer Lungenentzündung leidend – stirbt er am 9. Februar 1948 in seinem Haus in Planegg bei München an Entkräftung. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof in Planegg bei München.

Nach Karl Valentins Tod wird eine Straße im Stadtteil Forstenried nach ihm benannt, sein Nachlass befindet sich in der Kölner Universität am Theaterwissenschaftlichen Institut, wo er für die Forschung zugänglich ist. Seit 1973 wird jährlich der „Karl-Valentin-Orden“ für besondere Verdienste um den Humor und seit 2007 der „Große Karl-Valentin-Preis“ verliehen.

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