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Er ist das „Enfant terrible“ der bundesdeutschen Nachkriegszeit – Klaus Kinski ist in den fünfziger Jahren zunächst als Mörder, Irrer oder merkwürdiger Außenseiter in zahlreichen Edgar-Wallace-Filmen zu sehen, bevor er sich in späteren Jahren zum ausdrucksstarken Charakterdarsteller entwickelt und in Filmen wie „Nosferatu“ und „Fitzcarraldo“ internationale Erfolge feiert

Klaus Kinski wird als Klaus Günter Karl Nakszyński am 18. Oktober 1926 im heute polnischen Zoppot geboren. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen als Sohn des Apothekers Bruno Nakszyński und der Krankenschwester Susanne Nakszyński Lutze auf und hat drei ältere Geschwister – Inge, Arne und Hans-Joachim. Im Kindesalter emigriert die Familie nach Berlin. Er muss sein Schulgeld selbst verdienen und jobbt als Laufbursche, Schuhputzer, Straßenfeger und Leichenwäscher. Im Zweiten Weltkrieg wird er zu einer Fallschirmjäger-Einheit eingezogen und gerät an der Westfront in den Niederlanden in britische Gefangenschaft, wo er erstmals Theaterrollen auf der provisorischen Lagerbühne spielt. Seine Karriere beginnt – nach dem kurzen Besuch einer Schauspielschule – am Kabarett bei Valeska Gert. Beim Theater ist er erstmalig 1949 in Jean Cocteaus Stück „Die menschliche Stimme“, in dem er als Frau auftritt, zu sehen – das Stück wird jedoch nach wenigen Vorstellungen abgesetzt. Seine erste Filmrolle erhält Klaus Kinski 1947 in „Morituri“. Der Film, der sich mit dem Schicksal von KZ-Insassen auseinandersetzt, ist umstritten – es gibt Drohbriefe und ein Hamburger Kino wird zertrümmert.

In den fünfziger Jahren wird Klaus Kinski einem stetig wachsenden Publikum als „Ein-Mann-Wanderbühne“ bekannt. Er rezitiert auf kleinen Bühnen mit großem Erfolg Arthur Rimbaud, François Villon, Friedrich Nietzsche und Kurt Tucholsky. Auch trägt er Stücke aus Werken von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Bertolt Brecht vor. Bald folgen erste Filmrollen, wobei Klaus Kinski zumeist in zahlreichen Edgar-Wallace-Filmen als getriebener Psychopath zu sehen ist, von 1960 bis 1969 dreht er an der Seite von Joachim Fuchsberger, Barbara Rütting und Elisabeth Flickenschild knapp zwanzig der Krimi-Streifen. Seinen internationalen Durchbruch schafft er 1966 mit der Rolle des Anarchisten Kostojed in David Leans Epos „Doktor Schiwago“ neben Omar Sharif und Geraldine Chaplin. 1975 kann man Klaus Kinski neben Romy Schneider in „L’important c’est d’aimer“ („Nachtblende“) sehen. Auch spielt er in mehreren Hollywood-Spielfilmen mit, unter anderem dreht er mit Jack Lemmon und Walter Matthau den letzten Billy-Wilder-Film „Buddy, Buddy“ (1981). In „Little Drummer Girl“ („Die Libelle“, 1984) spielt er neben Diane Keaton die Hauptrolle.

Der stets unter Geldnot leidende Klaus Kinski ist bei seiner Rollenwahl nicht wählerisch, man kann ihn in den sechziger und siebziger Jahren in zahlreichen bedeutungslosen Western und billigen Gruselschockern sehen. Besonders fruchtbar ist jedoch die Zusammenarbeit zwischen Klaus Kinski und dem Regisseur Werner Herzog. Im Dokumentarfilm „Mein liebster Feind“ schildert der Regisseur das Verhältnis zwischen sich und Klaus Kinski, mit dem er in seiner Jugend kurze Zeit in derselben Pension lebt. Werner Herzog berichtet, dass er einerseits von Klaus Kinski verachtet und bei Dreharbeiten oft gedemütigt und wüst beschimpft wird. „Herzog ist ein miserabler, gehässiger, missgünstiger, vor Geiz und Geldgier stinkender, bösartiger, sadistischer, verräterischer, erpresserischer, feiger und durch und durch verlogener Mensch“ so Klaus Kinski über den Regisseur. In ihrem Verhältnis entwickelt sich aber eine kreative und künstlerische Kraft, die sich auf ihre gemeinsamen Filme „Aguirre, der Zorn Gottes“ (1972), „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1978) mit Isabelle Adjani und Bruno Ganz, „Woyzeck“ (1978), „Fitzcarraldo“ (1981) und „Cobra Verde“ (1987) überträgt.

1989 stellt Klaus Kinski mit „Kinski Paganini“ sein letztes und persönlichstes Filmwerk fertig. Nachdem er den Stoff über Jahre hinweg vergeblich Produzenten und Regisseuren anträgt, übernimmt er in dem Projekt Regie, Drehbuch, Schnitt und Hauptrolle. Der Film gilt als unvermarktbar und das Festival von Cannes weigert sich, ihn ins Programm aufzunehmen.

Klaus Kinski verkörpert oft Schurken und psychopatische Charaktere und bestätigt sein Image als Bürgerschreck durch sein exzentrisches, aggressives Auftreten in der Öffentlichkeit – legendär sind seine Talkshowauftritte im Fernsehen.

Klaus Kinski erhält 1979 das „Filmband in Gold“ für seine darstellerische Leistung in Nosferatu. Für diese Rolle erhält auch den Darstellerpreis beim Filmfestival in Cartagena. 1986 ernennt der französische Kulturminister den Schauspieler zum „Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres“ Dieser Orden ist eine der höchsten Ehrungen der Republik für einen ausländischen Künstler.

Klaus Kinski ist dreimal verheiratet. Mit Gislinde Kühlbeck von 1952 bis 1955, mit Ruth Brigitte Tocki von 1960 bis 1968 und mit Geneviève Loanic von 1971 bis 1979. Er hat drei Kinder – Tochter Paola, Tochter Nastassja und Sohn Nicolai. Von 1987 bis 1989 ist Klaus Kinski mit der italienischen Schauspielerin Debora Caprioglio liiert.

Klaus Kinski stirbt am 23. November 1991 im Alter von fünfundsechzig Jahren auf seinem Anwesen im kalifornischen Lagunitas an Herzversagen. Seine Asche wird mit einem Boot zur Golden Gate Bridge gefahren und im Pazifik verstreut.

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