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Nach den Jahren des Nationalsozialismus führt er die Deutschen zurück in die Riege der demokratischen Nationen und prägt als erster Bundeskanzler des Landes eine ganze Ära – Konrad Adenauer stellt die Weichen für die Westbindung der Bundesrepublik, holt tausende Landsleute aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück in die Heimat und söhnt die Deutschen mit ihren Nachbarn aus. Nach wie vor gilt der charismatische Rheinländer als beliebtester Deutscher des vergangenen Jahrhunderts

Konrad Adenauer

Konrad Adenauer 1952, Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F078072-0004 / Katherine Young / CC-BY-SA [CC-BY-SA-3.0-de], via Wikimedia Commons

Konrad Hermann Joseph Adenauer wird am 5. Januar 1876 als drittes von fünf Kindern des Kanzleirats Johann Konrad Adenauer und dessen Ehefrau Helene in Köln geboren – er wächst in gutbürgerlichen Verhältnissen in der rheinischen Metropole auf. Nach dem Abitur 1894 am Apostelgymnasium in Köln studiert er in Freiburg, München und Bonn Rechts- und Staatswissenschaften, nach zwei Staatsexamen wird er Assessor in Köln. 1903 tritt er der katholischen Zentrumspartei bei und wird im selben Jahr zum Beigeordneten der Stadt Köln gewählt – schon sechs Jahre später ist er erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters Max Wallraf, der sein Onkel ist.

Während des Ersten Weltkriegs ist Konrad Adenauer für die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln zuständig, die angesichts der britischen Seeblockade immer schwieriger wird. Er führt diverse Ersatzprodukte ein – unter anderem das von ihm erfundene „Kölner Brot“ aus Reis- und Maismehl. Im Hungerwinter 1916/17 wird er wegen des unbefriedigenden Geschmacks der von ihm eingeführten Lebensmittel von den Kölnern auch „Graupenauer“ genannt.

1917 wird Konrad Adenauer von den Kölnern zum neuen und bis dahin jüngsten Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt – er bleibt dies bis 1933. 1918 wird er auf Lebenszeit ins Preußische Herrenhaus berufen, das jedoch im Zuge der Novemberrevolution noch im gleichen Jahr abgeschafft wird. Von 1920 bis 1933 ist Konrad Adenauer Präsident des Preußischen Staatsrats – während dieser Zeit setzt er sich für ein von Preußen unabhängiges Rheinland ein, was ihm nicht überall Sympathien einbringt. Besonders der preußische Ministerpräsidenten Otto Braun wirft ihm vor, das Rheinland als „Rheinische Republik“ dauerhaft von Deutschland trennen wollen. Zwischen 1921 und 1928 wird Konrad Adenauer mehrfach für das Amt des Deutschen Reichskanzlers vorgeschlagen, was ihm – im Gegensatz zu dem befriedigenden Kölner Amt – jedoch nicht als Gewinn erscheint. Von 1931 bis 1933 ist Konrad Adenauer auch Vizepräsident der umstrittenen Deutschen Kolonialgesellschaft.

Konrad Adenauer setzt sich in seiner Amtszeit als Kölner Oberbürgermeister dafür ein, das der alte preußische Festungsring der Stadt in einen öffentlichen Park umgewandelt wird, auch sorgt er nach dem Ersten Weltkrieg dafür, das die Kölner Messe und die Kölner Universität wieder eröffnet werden. Ihm ist es ebenfalls zu verdanken, dass sich der amerikanische Automobilbauer Ford in der rheinischen Stadt niederlässt.

Anfang der dreißiger Jahre kommt es zwischen den auch im Rheinland aufstrebenden Nationalsozialisten und dem resoluten Kölner Oberbürgermeister zu einem ersten Kräftemessen – als die Nationalsozialisten die Rheinbrücken mit Hakenkreuzfahnen versehen, lässt Konrad Adenauer mit der Begründung, es handele sich bei den Brücken um öffentlich Gebäude, die Flaggen wieder entfernen. Dadurch gerät er ins Visier der SA. Später wird bekannt, das Konrad Adenauer die Flaggen an der ebenfalls der Stadt gehörenden Messehalle wieder aufziehen lässt, wo Hitler sprechen wird – auch gestattet er der NSDAP das Hissen von Hakenkreuzfahnen an den städtischen Flaggenmasten.

1933 übernehmen in Deutschland die Nationalsozialisten die Macht und entheben Konrad Adenauer seiner Ämter. Er wird von den neuen Machthabern mit aggressiven Wahlkampfplakaten – „Adenauer, an die Mauer!“ – drangsaliert und kann sich nur mit Hilfe eines Freundes für einige Zeit in der Abtei Maria Laach verstecken. 1934 bezieht Konrad Adenauer ein Haus in Potsdam-Neubabelsberg, 1934 wird er im Zusammenhang mit dem Röhm-Putsch für zwei Tage festgenommen. In einem Brief an den preußischen Innenminister weist er darauf hin, dass er sich gegenüber der NSDAP stets korrekt verhalten habe und erklärt, das eine so große Partei wie die NSDAP unbedingt in der Regierung führend vertreten sein müsse. Auch ist er der Meinung, dass die „Zentrumspartei“ versagt habe und nur ein Reichspräsident auf Lebenszeit oder ein Hohenzollern-Monarch die Ruhe im Lande wieder herstellen könne.

Als Funktionsträger des alten „Weimarer Systems“ wird Konrad Adenauer in den Jahren des Nationalsozialismus ins Abseits geschoben – er erhält eine Pension, wechselt häufig seinen Aufenthaltsort und versteckt sich zeitweise. Die Legende des in „innerer Emigration“ und rosenzüchtenden ehemaligen Zentrumsmitgliedes ist heute widerlegt – Konrad Adenauer verfolgt in jener Zeit mit großer Aufmerksamkeit die aktuelle Politik, auch wird er wiederholt von Widerstandskämpfern angesprochen – lehnt jedoch eine Beteiligung strikt ab. 1944 wird er nach dem gescheiterten Attentat gegen Adolf Hitler für kurze Zeit verhaftet, kommt jedoch aufgrund mangelnden Verdachts wieder frei.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird Konrad Adenauer von den alliierten amerikanischen Besatzungstruppen zunächst wieder als Kölner Oberbürgermeister eingesetzt, nach kurzer Zeit jedoch aufgrund mangelnder Mitarbeit wieder entlassen. 1946 wählt ihn die CDU – die Nachfolgepartei des ehemaligen Zentrums – zum Landesvorsitzenden innerhalb der Britischen Zone. In jener Zeit ist er – im Gegensatz zu den in ganz Deutschland sehr populären Konkurrenten Kurt Schumacher und Ludwig Erhard – nur im Rheinland eine bekannte Größe. Landesweite Bekanntheit erlangt er ab 1949 als Vorsitzender der gemeinsamen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. 1949 ist Konrad Adenauer maßgeblich daran beteiligt, dass sich Bonn gegen Städte wie Frankfurt am Main oder Stuttgart als provisorische Bundeshauptstadt durchsetzen kann – auch verhindert er, das West-Berlin integraler Bestandteil der neuen Bundesrepublik wird. Während die SPD unter Kurt Schumacher in jener Zeit in Hinblick auf eine baldige Wiedervereinigung für das Land eine Planwirtschaft befürwortet, setzt sich Konrad Adenauer nachhaltig für eine dauerhafte Westbindung Deutschlands ein – zu tief ist das Misstrauen des katholischen Rheinländers gegenüber der alten, protestantischen und nach 1945 zumindest auf dem Papier verschwundenen preußischen Macht.

1949 wird Konrad Adenauer mit einer Stimme Mehrheit – seiner eigenen – zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er hat das Amt bis zu seinem Rücktritt 1963 inne und prägt damit eine ganze Ära – die sogenannte „Adenauer-Zeit“. Er erlangt in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ eine ungeheure Popularität, 1957 erhält die CDU/CSU-Fraktion – bis heute einzigartig in der bundesdeutschen Geschichte – bei den Bundestagswahlen die absolute Mehrheit. Von 1951 bis 1955 besetzt Konrad Adenauer auch das Amt des Außenministers.

Während seiner Amtszeit setzt sich Konrad Adenauer für eine enge Anbindung an die westeuropäischen Staaten sowie für gute politische Beziehungen zu den USA ein. Nach dem verloren Krieg und den Nazi-Greueln führt er Deutschland behutsam wieder in die demokratische Staatengemeinschaft ein – wobei er jedoch die Aussöhnung mit den Ländern jenseits des „Eisernen Vorhangs“ vernachlässigt, was ihm von Teilen der Gesellschaft vorgeworfen wird. Während er jeden Ansatz kommunistischer Agitation im Zweifel auch strafrechtlich unterbindet, unternimmt er nur wenig gegen die vorschnelle Rehabilitation ehemaliger Nationalsozialisten, von denen viele schon kurz nach dem Krieg wieder leitende Positionen übernehmen.

Besonders am Herzen liegt Konrad Adenauer die Aussöhnung mit Frankreich – dem jahrzehntelangen Erbfeind und Dauerkonkurrenten Deutschlands. Sein persönlich gutes Verhältnis zu Präsident Charles de Gaulle führt 1963 zum historisch einmaligen „Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrag“. Auch bemüht sich Konrad Adenauer tatkräftig um die Versöhnung mit den Juden – als Geste der Entschuldigung für den Holocaust veranlasst er eine symbolische Wiedergutmachung von mehreren Milliarden Mark. Nach Aufnahme diplomatischer Beziehungen Deutschlands zu Israel reist er 1966 nach dem Ende seiner Amtszeit als erster hochrangiger deutscher Politiker nach dem Zweiten Weltkrieg nach Israel.

1952 missglückt ein Briefbombenattentat auf Konrad Adenauer – die polizeilichen Ermittlungen führen zu jüdischen Untergrundorganisationen und werden kurze Zeit später eingestellt, um kurz nach dem Holocaust keine antisemitischen Reaktionen in der Öffentlichkeit zu provozieren. Jahre später stellt sich heraus, das der spätere israelische Ministerpräsident Menachem Begin als Urheber des Attentats gilt – er will damit auf die verfehlte Wiedergutmachung Deutschlands gegenüber Israel aufmerksam machen.

1952 lehnt Konrad Adenauer die „Stalin-Noten“ ab, in denen der sowjetische Diktator eine deutsche Wiedervereinigung und freie Wahlen unter der Bedingung der Neutralität des Landes vorschlägt. Bereits Ende der vierziger Jahre setzt sich Konrad Adenauer für eine deutsche Wiederbewaffnung ein, was ihm massive Kritik entgegenbringt.

In den fünfziger Jahren erlebt Deutschland mit dem sogenannten „Wirtschaftswunder“ einen ungeheuren Aufstieg – das Land integriert sich in den europäischen Markt und ebnet mit seinen Nachbarn auf der Basis der Römischen Verträge den Weg in die Europäische Union. 1954 wird Konrad Adenauer mit dem „Aachener Karlspreis“ ausgezeichnet und 1955 reist er in die Sowjetunion, um die Freilassung der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus dem Zweiten Weltkrieg zu erreichen – bis heute wird die mit großem Verhandlungsgeschick gelungene „Heimkehr der Zehntausend“ als größte Leistung seiner Amtszeit angesehen.

Zu Beginn der sechziger Jahre schwindet die Popularität Konrad Adenauers – das Wirtschaftswachstum nimmt ab, erstmals nach dem Krieg muss sich die Bundesrepublik mit Arbeitslosigkeit auseinandersetzen, die Jugend begehrt gegen den Muff der fünfziger Jahre auf und neben dem bejubelten US-Präsidenten J.F. Kennedy wirkt der „Alte aus Rhöndorf“ wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Zudem überschatten einige Affären – wie die „Spiegel-Afäre“ – die Kanzlerschaft von Konrad Adenauer, auch seine Zögerlichkeit, nach dem Bau der Mauer das von der Außenwelt abgeschnittene West-Berlin zu besuchen, stößt nicht nur beim damaligen Berliner Bürgermeister Willy Brandt auf wenig Gegenliebe. 1963 tritt der fast neunzigjährige Regierungschef zurück und Ludwig Erhard wird zu seinem Nachfolger gewählt.

Bis zu seinem Tod ist Konrad Adenauer Mitglied des Bundestages – mit einundneunzig Jahren ist er damit der bislang älteste Bundestagsabgeordnete.

Wenig bekannt ist, dass Konrad Adenauer auch Erfinder ist – er sichert sich drei Patente, eins für ein Verfahren zur Herstellung von Schrotbrot, eins für eine von innen beleuchtete Stopfkugel und eins für eine Tülle für Gartengießkannen. Auch erfindet er eine Sojawurst – die sogenannte „Kölner Wurst“ – sowie einen Scheinwerfer-Blendschutz und eine Elektrobürste zur Schädlingsbekämpfung.

Im Privatleben pflegt Konrad Adenauer einen großen Garten mit südländischen Pflanzen – seine Urlaube verbringt er stets im norditalienischen Cadenabbia am Comer See, wo er sich intensiv dem Boccia-Spiel widmet.

Konrad Adenauer ist zweimal verheiratet und hat acht Kinder. Von 1904 bis zu deren Tod 1916 ist er mit Emma Weyer verheiratet – gemeinsam haben sie die Kinder Konrad, Max und Ria. 1919 ehelicht er in zweiter Ehe Auguste Zinsser, die 1948 stirbt – aus der Ehe gehen die Kinder Ferdinand, Paul, Lotte, Libet und Georg hervor.

Im Laufe seines Lebens wird Konrad Adenauer mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt – unter anderem ist er Ehrenbürger von Berlin und Köln, Ehrendoktor unzähliger Universitäten, erster Träger des „Großkreuzes in besonderer Ausführung des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ sowie Träger des „Bayerischen Verdienstordens“. Papst Pius XII. verleiht ihm den „Orden vom Goldenen Sporn“ sowie Papst Paul VI. zusätzlich den „Christusorden“ – die höchste Auszeichnung des Heiligen Stuhls. Zahlreiche europäische Länder verleihen ihm Verdienstorden – darunter Österreich, Italien, Griechenland, Island, Portugal, Belgien, Großbritannien, Luxemburg und die Niederlande. 1962 wird Konrad Adenauer in die französische Ehrenlegion aufgenommen und 1953 wird er vom amerikanischen Time-Magazin zum „Man Of The Year“ gekürt.

Konrad Adenauer stirbt am 19. April 1967 an den Folgen mehrerer Herzinfarkte im Alter von einundneunzig Jahren in seinem Haus im rheinischen Rhöndorf. Er wird mit einem Staatsbegräbnis – an dem zahlreiche Staatsoberhäupter teilnehmen – im Kölner Dom geehrt und anschließend unter der Teilnahme zehntausender Trauernder mit einem Schiffskonvoi auf dem Rhein nach Bad Honnef überführt, wo er auf dem Waldfriedhof beigesetzt wird.

Nach dem Tod Konrad Adenauers werden in Deutschland Plätze, Straßen, Schulen und Brücken sowie der Köln-Bonner Flughafen nach ihm benannt – auch werden ihm zu Ehren etliche Denkmäler errichtet, unter anderem auf dem Berliner Adenauerplatz sowie vor dem ehemaligen Kanzleramt in Bonn. Auch tragen zwei bekannte Stiftungen seinen Namen.

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