Famous People » Sänger » Lee Hazlewood

Er verkauft Millionen Platten und verweigert sich dennoch konsequent dem kommerziellen Popgeschäft – Lee Hazlewood gilt vielen als musikalischer Outlaw und unbestechlicher Held der Authentizität. Das umtriebige Universalgenie verhilft Nancy Sinatra zur Weltkarriere und avanciert im Laufe der Jahre zur Ikone der alternativen Musikszene

Barton Lee Hazlewood kommt am 9. Juli 1929 in Mannford, Oklahoma als Kind eines Tankwarts und Ölhändlers zur Welt. Bereits als Teenager geht er nach Texas, wo er später in Fort Worth an der Southern Methodist University Medizin studiert. Während des Korea-Krieges leistet er seinen Wehrdienst ab, danach schlägt er sich zunächst im heimischen Oklahoma als DJ verschiedener Radiostationen durch, er gründet seine eigene Plattenfirma und beginnt erste Songs zu schreiben. 1956 gelingt ihm mit dem Stück „The Fool“ – gesungen von Sanford Clark – ein erster kommerzieller Erfolg. Seinen ersten Alben „Trouble Is A Lonsome Town“ (1963) und „The N.S.V.I.Ps“ (1964) ist jedoch kein Erfolg beschieden.

1964 begegnet erLee Hazlewood Nancy Sinatra – der Sängerin, die von Kritikern als untalentiert bezeichnet wird und aus dem Schatten ihres übermächtigen Vaters heraustreten möchte, schreibt er den Welthit „These Boots Are Made For Walking“ auf den Leib – bis heute verkauft sich das Stück über fünfundzwanzig Millionen Mal. Zusammen singen die beiden zahlreiche weitere Duette wie „Summer Wine“, „Lady Bird“, „Some Velvet Morning“, „The Girls In Paris“, „Oh Lonesome Me“ und „Paris Summer“ – die Stücke werden mit Filmmusik-Arrangements unterlegt und leben von Nancys zwitschernder Mädchenstimme und Lees abgrundtiefen, brummenden Bariton. Mit der altbewährten Geschichte von „Beauty and the Beast“ bedienen die beiden auf Fotos und in Fernsehauftritten mit einer dekadenten Note das Bild des herausfordernd-stilsicheren und freizügigen „Happy Couples“ der sechziger Jahre – das Album „Nancy & Lee“ zählt heute zu den besten Platten aller Zeiten

Lee Hazlewood gilt als Erfinder des Musik-Genres „Cowboy Psychedelia“ – eine Mischung aus Country, Big-Band-Pop und Hippie-Musik. Er schreibt für Dean Martin den Song „Houston“, gründet 1967 seine eigenes Musiklabel, produziert noch einige Platten und geht wegen abnehmenden Erfolgs zu Beginn der siebziger Jahre nach Schweden – angeblich um seinem Sohn den Wehrdienst zu ersparen. Der Musiker, der nicht ewig auf die Rolle als Nancy Sinatras Duett-Partner festgelegt werden möchte, siedelt nach Deutschland, Irland und Spanien und zieht sich 1977 völlig aus dem Musikgeschäft zurück. Er versucht sich mit mäßigen Erfolg in wenig beachteten Filmen als Schauspieler, wie in „Die wilden Jahre“ (1968), „Whisky brutal“ (1970) und „Smoke“ (1971).

Erst in den neunziger Jahren kommt es zu einem Comeback von Lee Hazlewood – eine neue Generation von Musikbegeisterten huldigt dem Sänger mit zahlreichen Coverversionen seiner alten Songs. Mit Nancy Sinatra gibt er einige Konzerte und Nick Cave engagiert ihn 1999 für sein Meltdown Festival in der Londoner Royal Albert Hall. Er remastert seine alten Stücke, geht 2002 auf Europa-Tournee und tritt als Support von „Jarvis Cocker & Friends“ auf. Im selben Jahr erscheint sein Album „For Every Solution There’s A Problem“. Auch spielt er mit seiner ehemaligen Songpartnerin Nancy Sinatra ein neues Album ein – „Nancy & Lee 3“ erscheint jedoch nur in Australien. Das letzte Album von Lee Hazlewood „Cake Or Death“ wird 2006 veröffentlicht.

Hazlewood stirbt am 4. August 2007 im Alter von achtundsiebzig Jahren in seinem Haus in der Nähe von Las Vegas an den Folgen eines Krebsleidens. Er hinterlässt Ehefrau Jeane, Sohn Mark und die Töchter Debbie und Samantha.

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