Als “Mischung aus Heidi auf der Alm, Margaret Thatcher und Mae West” beschreibt sie einst das amerikanische “Time-Magazine” – an Madonna arbeiten sich etliche Klatschreporter, Feuilletonisten und Musikjournalisten ab, doch niemand ist ihr bisher so ganz gerecht geworden. Was ist sie denn nun – Kunstfigur, Fashionikone, Popdiva? Madonna ist alles davon und so gut wie nichts – und das ist das Geheimnis, welches die erfolgreichste Sängerin aller Zeiten seit fast drei Dekaden so virtuos kultiviert
Am 16. August 1958 wird Madonna Louise Veronica Ciccone in Rochester im US-Bundesstaat Michigan in eine italo-amerikanische Familie hineingeboren. Sie ist fünf Jahre alt, als ihre Mutter stirbt – zu diesem Zeitpunkt leben die acht Ciccone-Kinder verteilt bei diversen Verwandten, da sich ihre Eltern zuvor getrennt haben. Später heiratet Vater Tony Ciccone – ein Autoschweiße – seine Haushälterin Joan Gustafson, die große Stücke auf Disziplin hält. Fortan steht Madonna als älteste ihrer Geschwister in der Verantwortung. Die verstorbene Mutter wollte sie ursprünglich in ein Kloster schicken, stattdessen darf die kleine Louise Veronica nun eine strenge katholische High-School besuchen. Der Vater erlaubt ihr Tanzunterricht, in der Schule nimmt sie weitere Stunden. Dort erlebt ihre Umwelt zum ersten Mal ein frühreif-extrovertiertes und bedingungslos ehrgeiziges Mädchen, das hoch hinaus will.
Nach der High School absolviert Madonna eine Tanzausbildung an der “University of Michigan” und zieht daraufhin nach New York. Es folgen ernüchternde Jahre in heruntergekommenen Unterkünften und der Tatsache, dass mit Tanzen allein die Karriere nicht weiterkommt. 1979 wird sie in Paris vom französischen Disco-Sänger Patrick Hernandez (“Born To Be Alive”) in dessen Discorevue aufgenommen, welcher sie ein halbes Jahr lang angehört. Sie geht zurück nach New York mit der festen Absicht, im Musikbusiness Fuß zu fassen und gründet mit Dan Gilroy die Combo “The Breakfast Band” – nach dieser kurzen Episode kommt das Angebot für eine Rolle im Softporno “A Certain Sacrifice” gerade recht. Auch einige Nacktaufnahmen – die später im Playboy erscheinen – fallen dem Sternchen nicht schwer, solange sie der Karriere nützen.
Wenig später lernt Madonna den DJ Mark Kamins – der Produzent ihrer ersten Single “Everybody” – kennen und bekommt durch seine Kontakte 1982 ihren ersten Plattenvertrag. Im Folgejahr erscheint ihr Debüt “Madonna”, dessen von John “Jellybean” Benitez produzierte Single “Holiday” im Frühjahr 1984 nicht nur in Deutschland ein Chart-Erfolg wird – interessanterweise wird Madonna damals für eine afro-amerikanische Disco-Diva gehalten. Die achtziger Jahre sind die Hoch-Zeit der Musikvideos, niemand bringt einen neuen Song heraus ohne einen extra dafür produzierten Clip – Madonna weiß dieses Medium fortan phänomenal zu nutzen. In jedem ihrer Videos, die in den folgenden Jahren erscheinen, präsentiert sie sich in neuer Aufmachung, zudem findet sie in Nile Rodgers einen neuen Produzenten – ihre Musik wird rockiger, behält aber ihren eingängigen Pop-Sound. Mit dem Album “Like A Virgin” gelingt ihr endgültig der Durchbruch und 1986 erscheint der erfolgreiche Nachfolger “True Blue”. Dieser wird nicht nur wegen des in cooler Achtziger-Ästhetik gehaltenen Covers von Herb Ritts ein durchschlagender Erfolg, sondern auch wegen der Hits “Papa Don’t Preach”, “Live To Tell”, “Open Your Heart” und “La Isla Bonita” – mit letzterem erreicht Madonna 1987 das erste Mal die Top-Position der deutschen Charts.
1985 lernt Madonna den Schauspieler Sean Penn kennen – von 1985 bis 1989 sind beide miteinander verheiratet.
1987 begibt sich Madonna auf ihre erste Welttournee und ihr 1989 erscheinendes Album “Like A Prayer” findet erstmals auch bei Kritikern Anerkennung. Mit dem kontroversen Musikvideo zu “Like A Prayer” sorgt die Sängerin für weltweites Aufsehen. Madonna heimst den Titel “Artist Of The Decade” ein und beginnt das neue Jahrzehnt mit einer weiteren Welttournee (“Blond Ambition World Tour”). Im März 1991 gewinnt sie in der Kategorie “Best Original Song” (“Sooner Or Later” aus dem Film “Dick Tracy”, 1990) einen “Oscar”. Danach gründet sie ihre eigene Produktionsfirma, bei dem unter anderen auch Alanis Morrisette unter Vertrag steht.
Während sich Madonnas Alben hervorragend verkaufen, bleibt eine angestrebte Filmkarriere bis auf wenige Ausnahmen bis zum heutigen Tag erfolglos. In ihrem ersten Film “Susan – verzweifelt gesucht” (1985) gilt ihre Besetzung noch als Zufallstreffer, aber die weiteren Produktionen wie “Shanghai Surprise” (1986) und “Who’s That Girl” von 1987 floppen gnadenlos. Auch die Filme “Dick Tracy” (1990) und “Body Of Evidence” (1993) sind allesamt erfolglos. Einzig “Evita” – die Verfilmung des gleichnamigen Musicals von Andrew Lloyd Webber mit Madonna in der Rolle der Evita Peron – wird ein Erfolg.
1992 erscheint Madonnas Album “Erotica” – parallel dazu wird der Fotoband “Sex” veröffentlicht, über den ein Nachrichtenmagazin lästert: “Szenen vom Raffinement einer Reeperbahn-Inszenierung”. Mit ruhigeren Tönen kommt die Sängerin dann 1993 mit der CD “Bedtime Stories” daher – der Song “Take A Bow” wird eine der meistverkauften Singles der Künstlerin in den USA.
1998 bringt Madonna ihre Tochter Lourdes Maria zur Welt – der Vater des Mädchens ist ihr ehemaliger Fitnesstrainer Carlos Leon. Madonna definiert sich wieder einmal neu – mit Henna-Tatoos, dunklem Haar und wallenden Kleidern verwandelt sie sich in eine nachdenkliche Esoterikern. Das gleichzeitig erscheinende Album “Ray Of Light” – welches sich thematisch mit Mutterschaft und fernöstlichen Religionen beschäftigt und in dem ihre Begeisterung für die altjüdische Kabbala-Lehre Ausdruck findet – wird von der Kritik ausnehmend gelobt und zählt unter Kennern zu den besten Alben der neunziger Jahre. Eine gereifte Madonna ist endlich im Pop-Olymp angekommen.
Im neuen Jahrzehnt heiratet Madonna den britischen Filmregisseur Guy Richie und bekommt mit ihm Sohn Rocco. Mit der Cover-Version von Don McLeans Klassiker “American Pie” – vom Soundtrack “The Next Best Thing” mit Rupert Everett – erreicht Madonna auch erstmals wieder den ersten Platz der deutschen Charts. Im selben Jahr arrangiert ihr der französische Elektronik-Bastler Mirwais das elektronisch rockende Album “Music” – im dazugehörigen Video geriert sich die Sängerin als Cowgirl – weltweit steigt die Nachfrage nach Wildwest-Klamotten und Cowboy-Stiefeln. Auch noch als zweifacher Mutter macht der mittlerweile Zweiundvierzigjährigen niemand den Thron als absolute Style-Ikone streitig.
“Die Another Day” – das von Madonna gesungene Titellied zum James Bond-Abenteuer “Stirb an einem anderen Tag” – wird zum meistverkauften Bond-Titellied aller Zeiten. Enthalten ist der Song auf Madonnas Album “American Life” (2003), auf dem sie klar Stellung gegen den US-Präsidenten George W. Bush bezieht. Ihr Engagement gegen den Irakkrieg löst einen Boykott seitens der konservativen Radiostationen aus und führt nur zu mäßigen Verkaufszahlen des Albums. 2005 kommt das Album “Confessions On A Dancefloor” auf den Markt, mit dem sie sich weltweit auf höchste Spitzenpositionen katapultiert. Mit dem eingängigen Dance-Album wird die Künstlerin endlich wieder auf den Tanzflächen der Clubs gespielt. “Hung Up” – angelehnt an “Abbas” Klassiker “Gimme! Gimme! Gimme!” – entwickelt sich zum erfolgreichsten Titel ihrer gesamten Karriere.
Im Oktober 2006 bricht die Sängerin zu einer zehntägigen Afrika-Reise auf, um Hilfsprojekte auf den Weg zu bringen. So gründet sie ein Ausbildungszentrum für Aids-Waisen und lässt insgesamt rund 2,4 Millionen Euro Spenden für Waisenkinder im Land. Zum Abschluss der Reise überrascht sie die Öffentlichkeit mit der Adoption eines Kindes aus Malawi.
Auf ihrem 2008 erscheinenden Album “Hard Candy” schlägt die Sägerin erneut einen Richtungswechsel ein – mit den Produzenten Timbaland und Pharell Williams und deren angesagtem Hip-Hop-Sound erobert die Sängerin den amerikanischen Markt zurück. Auf dem Album befindet sich auch ein Duett mit Justin Timberlake – “Four Minutes”. Im selben Jahr startet Madonna ihre “Sticky & Sweet Tour”-Welttournee.
Im Herbst 2008 wird ihre Ehe mit mit Guy Richie geschieden – Madonna, die in den letzten Jahren mit ihrer Familie in London lebt, zieht zurück in die USA und lässt sich mit ihren Kindern in New York nieder.
2012 erscheint Madonnas zwölftes Studioalbum “MDNA”.
Zitat: “Ich hoffe, mein Kind wird so ein guter Katholik wie ich.”