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Marlon Brando gilt als einer der bedeutendsten Schauspieler des zwanzigsten Jahrhunderts – er ist Rebell und ewiger Außenseiter, kümmert sich zeitlebens um soziale und politische Themen und beeinflusst jüngere Schauspielergenerationen nachhaltig. Wegen seiner markanten Gesichtszüge wird er stets wieder für raubeinige Charaktere besetzt, denen er oft autobiografische Züge verleiht

Marlon Brando wird am 3. April 1924 in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska als jüngstes von drei Geschwistern geboren, die Vorfahren seiner Familie stammen aus Bayern. Der Vater arbeitet als Handlungsreisender und Verkaufsmanager. 1930 zieht die Familie nach Illinois, wo sie eine kleine Pferdefarm betreibt. Die Mutter Marlon Brandos – eine politisch liberale und geistvolle Frau – beeinflusst die Karriere ihrer Kinder nachhaltig. Seine Schwester ist ebenfalls Schauspielerin, eine andere studiert Malerei. 1941 wird Marlon Brando auf die „Shattuck Military Academy“ nach Minnesota geschickt, wo er erste Bühnenerfahrungen macht. Wegen einer Knieverletzung wird er im Zweiten Weltkrieg nicht als Soldat eingezogen.

1943 geht Marlon Brando nach New York, wo er einen Workshop an Erwin Piscators New School besucht. Die Schule bringt spätere Berühmtheiten wie Walter Matthau, Shelley Winters und Tony Curtis hervor. Bei Stella Adler und Lee Strasberg lernt er das „Method Acting“ – Brando gelingt es, eine Komplexität und einen Einfallsreichtum des emotionalen Ausdrucks freizusetzen, von dem seine Mitstudenten, die ihn im sozialen Umgang oft als unartikulierte Persönlichkeit von geringer Komplexität einstufen, verblüfft sind. 1944 spielt Marlon Brando am Broadway seine erste Bühnenrolle im Musical „I Remember Mama“. zwei Jahre später entdeckt Meisterregisseur Elia Kazan den jungen Mann und prophezeit ihm eine große Zukunft.

Seinen großen Bühnen-Durchbruch hat Marlon Brando 1947 am New Yorker Ethel-Barrymore-Theatre in „A Streetcar Named Desire“ („Enststion Sehnsucht“) von Tennessee Williams in der Rolle des Stanley Kowalski neben Jessica Tandy und Karl Malden. Das Stück wird ein großer Erfolg und begründet Marlon Brandos Schauspielkarriere. Die Figur des Stanley Kowalski wird über Nacht zur Ikone und zum neuen Symbol amerikanischer Männlichkeit. Marlon Brando trägt für seine Rolle Blue Jeans und – unüblich für die damalige Zeit – hautenge T-Shirts. Männliche Darsteller mit einer so unverblümten sexuellen Ausstrahlung gibt es im amerikanischen Kulturleben bis dahin nicht. Langsam, launenhaft und von Selbstzweifeln gelähmt, verleiht Marlon Brando dem Charakter des Kowalski eine sehr anziehende und unterschwellige Gefährlichkeit.

Etwas später erhält Marlon Brando sein erstes Filmangebot – in „The Men“ („Die Männer“, 1950) spielt er die Rolle eines jungen Infanterielieutenants, der nach einer Kriegsverletzung querschnittsgelähmt den Alptraum der Rehabilitation durchmacht. Marlon Brando wird daraufhin als neue Hollywood-Sensation gefeiert und seine überaus glaubwürdige Darstellung wird mit überschwänglichen Rezensionen bedacht. Seinen Ruhm als Filmstar begründet Marlon Brando dann 1951 in der Verfilmung von „A Streetcar Named Desire“ („Endstation Sehnsucht“) an der Seite von Vivian Leigh – für seine Darstellung wird der junge Schauspieler mit einer ersten „Oscar“-Nominierung bedacht. In „Viva Zapata!“ spielt Marlon Brando neben Anthony Quinn den mexikanischen Revolutionsführer Emiliano Zapata und wird erneut mit einer „Oscar“-Nominierung geehrt. Für seinem vierten Film „Julius Caesar“ erhält Marlon Brando 1953 einen „BAFTA“-Award und ein weiteres Mal eine „Oscar“-Nominierung.

Zur Ikone der aufbegehrenden Jugend der fünfziger Jahre wird Marlon Brando dann endgültig für seine Rolle in „The Wild One“ („Der Wilde“, 1953). Er erhält für die Darstellung des sympathischen Underdogs seinen ersten „Oscar“. Danach folgen weitere Hollywood-Produktionen, wie „On The Waterfront“ („Die Faust im Nacken“, 1956) neben Eva Marie Saint, „The Teahouse Of The August Moon“ („Das kleine Teehaus“, 1956) und „Mutiny On The Bounty“ („Meuterei auf der Bounty“, 1962).

Um größere Kontrolle über seine Filme zu erhalten, gründet Marlon Brando in den späten fünfziger Jahren seine eigene Produktionsfirma – die „Pennebaker Productions“.

Mitte der sechziger Jahre spielt Marlon Brando neben Elizabeth Taylor in „Reflections In A Golden Eye“ („Spiegelbild im Goldenen Auge“) die Rolle eines amerikanischen Offiziers, der mit seiner unterdrückten Homosexualität ringt. Es ist der erste Film, der das Thema Homosexualität explizit behandelt. Bei seiner Veröffentlichung 1967 wird der Film von Publikum und Kritik kühl empfangen – Regisseur John Huston hält das ambitionierte Werk jedoch für eines seiner besten.

Im Mafia-Epos „The Godfather“ („Der Pate“, 1972) liefert Marlon Brando unter der Regie des jungen Francis Ford Coppola sein Meisterstück ab. An der Seite von Al Pacino, Diane Keaton, James Caan und Talia Shire spielt Marlon Brando mit hoher, asthmatischer Stimme das Familienoberhaupt einer amerikanischen Mafia-Sippe – ein vielschichtiger Charakter, ein erbarmungslos mordendes Monster, ein Mann mit bürgerlichen Werten, ein liebevoller Großvater, ein sterblicher alter Mann in einer harten Schale aus Macht und Kontrolle. Marlon Brando wird dafür vom Maskenbildner um zwanzig Jahre älter geschminkt. Die Rolle des Mafia-Paten liegt dem Schauspieler außerordentlich – die Themen Macht und Kontrolle haben ihn zeitlebens beschäftigt und die Grundidee für die Charakterisierung des Don Vito Corleone kommt ihm beim Anhören von Stimmaufnahmen des Gangsters Frank Costello. Brando und Coppola verstehen, dass wirklich machtvolle Menschen nicht laut zu werden brauchen. Die Resonanz des Publikums ist überwältigend. Marlon Brando erhält 1973 für die Rolle des Don Vito Corleone erneut einen „Oscar“, nimmt ihn aber nicht persönlich entgegen. Er schickt die Schauspielerin Sacheen Littlefeather zur Preis-Verleihung, um mit dieser Geste auf die unterdrückten Bürgerrechte der amerikanischen Ureinwohner aufmerksam zu machen.

1972 spielt Marlon Brando in „Ultimo Tango a parigi“ („Der letzte Tango in Paris“) an der Seite von Maria Schneider einen von Weltschmerz erfüllten, desillusionierten und verzweifelt einsamen Mann, der nach dem Tode seiner Frau besessen ist von einer schönen Studentin. Diese Produktion ist ein sehr intimer Film, in dem Marlon Brando mehr von seiner Persönlichkeit preisgibt als in irgendeinem anderen Film. Wegen seiner sexuellen Explizitheit entsteht eine längere öffentliche Kontroverse, trotzdem wird er ein großer Erfolg.

Nach dem Erfolg seiner letzten Filme kann Marlon Brando sich seine Rollen aussuchen – 1979 spielt er in Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ neben Robert Duvall einen Colonel der US-Streitkräfte, der von Perfektionismus und absolutem Handlungswillen getrieben, am hilflosen Militäreinsatz der US-Armee zerbricht. Der Film wird von den Kritikern hoch gelobt und in Cannes mit der „Palme d’Or“ ausgezeichnet.

Im Apartheids-Drama „A Dry White Season“ („Die weisse Zeit der Dürre“, 1989) spielt Marlon Brando neben Donald Sutherland und Susan Sarandon die Rolle eines südafrikanischen Rechtsanwaltes. Der Film bringt Marlon Brando zum letzten Mal in seiner Karriere einen Preis auf dem „Internationalen Filmfestival Tokio“ sowie eine „Oscar“-Nominierung ein.

Neben Johnny Depp und Faye Dunaway kann man Marlon Brando in „Don Juan DeMarco“ in einer Altersrolle sehen, seine letzte Filmrolle hat er 2000 in „The Score“ neben Robert de Niro.

Seit 1967 befindet sich das bei Tahiti gelegene Atoll Tetiaroa in Marlon Brandos Besitz – dessen Schönheit entdeckt er während der Dreharbeiten zu „Meuterei auf der Bounty“. Pläne, auf der Inselgruppe eine Kolonie für Künstler und Intellektuelle, eine Hummerfarm und eine Hotelanlage einzurichten, werden von Marlon Brando mit großem Finanzaufwand verfolgt, erweisen sich jedoch als undurchführbar.

Marlon Brandos politisches Eintreten für ethnische Minderheiten und die Gleichberechtigung der Rassen bereiten ihm zahlreiche kritische Schlagzeilen. 1975 nimmt er an der Protestaktion einer Gruppe von Menominee-Indianern teil – während dieser Aktion gerät der Schauspieler mit gewalttätigen Besetzern in Konflikt und wird in seinem Engagement so desillusioniert, dass er sich allmählich aus allen Aktivitäten zurückzieht.

1960 heiratet Marlon Brando die mexikanische Schauspielerin Maria „Movita“ Castenada, die im Juni 1967 die Scheidung einreicht.

Marlon Brando gilt als eine der größten Legenden der Filmgeschichte – für viele ist er der bedeutendste Schauspieler aller Zeiten. Seine letzten Jahre verbringt er völlig zurückgezogen. Er ist viermal verheiratet – davon dreiundvierzig Jahre mit der polynesischen Tänzerin Tarita Tumi Teriipaia – und ist Vater von sieben Kindern.

Marlon Brando stirbt am 1. Juli 2004 im Alter von achtzig Jahren in Los Angeles – seine Asche wird im kalifornischen Death Valley und auf der Lagune Tetiaroa im Wind verstreut.

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