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Sie ist Nackttänzerin, Hochstaplerin und gilt als bekannteste Spionin aller Zeiten, geschickt verbindet sie Exotik und Erotik mit der großen Politik – um den Aufstieg und den Fall von Mata Hari ranken sich bis heute zahlreiche Legenden. Das abenteuerliche und widersprüchliche Leben und das tragische Ende der Exzentrikerin stehen bis heute im Mittelpunkt zahlreicher Romane, Theaterstücke und Filme

Mata Hari kommt als Margaretha Geertruida Zelle am 7. August 1876 im niederländischen Leeuwarden zur Welt. Sie ist die Tochter des Hutmachers Adam Zelle und dessen Frau Antje und wächst mit ihren jüngeren Brüdern Johannes Henderikus, Ari Anne und Cornelis Coenrad im westfriesischen Leeuwarden auf, wo sie die Haupt- und danach die Mittelschule besucht. Ihr Vater betreibt in der Stadt einen Hutladen und gelangt durch eine erfolgreiche Börsenspekulation zu einem größerem Vermögen, das es der Familie ermöglicht, ein sorgloses Leben zu führen. In der Stadt ist ihr Vater als Angeber bekannt und lässt sich, obwohl nicht adlig, „Baron“ nennen. 1908 reicht auch Mata Hari bei der niederländischen Königin den Ersuch ein, einen adligen Namen führen zu dürfen, was jedoch abgelehnt wird.

1889 meldet der Vater von Mata Hari aufgrund von verlustreichen Spekulationen Insolvenz an – das luxuriöse Leben der Familie hat ein Ende, die Ehe der Eltern zerbricht. Ihre Mutter stirbt 1891 an Tuberkulose, der Vater zieht nach Amsterdam und Mata Hari verbringt den Rest ihrer Jugend bei ihrem Patenonkel. Dieser schickt sie nach Leiden, um sie zur Kindergärtnerin ausbilden zu lassen – was sie aber nach kurzer Zeit wieder abbricht.

1895 lernt Mata Hari durch eine Kontaktanzeige den zwanzig Jahre älteren Campbell Rudolph MacLeod kennen, der im niederländischen Kolonialdienst steht – im selben Jahr heiraten beide in Amsterdam, sieben Monate später wird Sohn Norman John geboren. 1897 begeben sich die Eheleute nach Malang auf Java in Niederländisch-Ostindien, wo Campbell Rudolph MacLeod stationiert wird und Mata Hari angesichts der klimatischen Bedingungen und der zahlreichen Vergnügungsmöglichkeiten aufblüht. 1898 kommt Tochter Luisa Jeanne zur Welt. Die Ehe von Mata Hari und Campbell Rudolph MacLeod verläuft nicht glücklich – immer wieder kommt es zu Streitereien und Auseinandersetzungen, hinzu kommt der große Altersunterschied. 1899 stirbt ihr Sohn an einer Vergiftung, das Paar kehrt nach Amsterdam zurück und 1903 folgt die Scheidung.

Mata Hari – jetzt finanziell auf sich allein gestellt – versucht sich zunächst nur wenig erfolgreich als Tänzerin, Model und Zirkusartistin in Paris. Ab 1905 legt sie sich den Künstlernamen Mata Hari zu – was auf malaiisch „Auge des Tages“ (Sonne) heißt – und kreiert ihren berühmten Schleiertanz. Sie gibt sich als indische Bramahnentochter aus und avanciert im vergnügungssüchtigen Paris der Belle Epoque schnell zur Attraktion – sie tritt im Pariser „Théâtre du Trocadéro“ und im „Olympia“ auf und triumphiert auch in Madrid, in Wien, in Mailand, in Monte Carlo, in Berlin, in Palermo und in Rom vor ausverkauften Häusern. Sie gelangt in einflussreiche Kreise, findet reiche Gönner, verdient Unsummen, verkehrt in den teuersten Hotels und bewohnt eine eigene Wohnung in der vornehmen Pariser Rue Balzac.

Nicht nur wegen ihrer zahlreichen Auftritte bei Charity-Veranstaltungen ist Mata Hari in jenen Jahren ein geschätztes Mitglied der Pariser Gesellschaft. Zu den Höhepunkten ihrer Tanzkarriere zählen Auftritte in der Oper „Le Roi de Lahore“ von Jules Massenet als „Salomé“, in „Antar“ von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow als „Kleopatra“ und in Christoph Willibald Glucks Oper „Armide“ als „Prinzessin“. Mata Hari findet schnell zahlreiche Nachahmerinnen – unter anderem die Französin Colette – doch ihr Ruf hält bis zum Vorabend des Ersten Weltkriegs an.

Mata Hari verbringt zwar einige Jahre in Indonesien, lernt jedoch weder indische Tänze noch setzt sie sich mit dem Hinduismus auseinander. Sie ist nie in Indien gewesen – alles was sie über indische Tänze und Liebeskünste weiß, entnimmt sie dem Kamasutra. Bis weit nach ihrem Tod gilt Mata Haris exotische Herkunft als Tatsache – erst 1930 wird sie als Aufschneiderin entlarvt und ihre wahre Herkunft enthüllt.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges sinkt auch der Stern von Mata Hari – Engagements bleiben aus, sie flieht vor Gläubigern und unbezahlten Rechnungen, hinzu kommen die wegen des Krieges erschwerten Reisebedingungen. Die Tänzerin kann ihren aufwändigen Lebensstil nicht mehr aufrechterhalten – 1914 mietet sie ein kleines Haus in Den Haag, wo sie in den nächsten Jahren wohnt. Aus Geldnot lässt sich Mata Hari 1916 von den Deutschen als Spionin anwerben und nimmt vom deutschen Konsul in Amsterdam 20.000 französische Francs als Vorschuss in Empfang. Auf der Suche nach neuen Engagements und aufgrund einiger Affären reist Mata Hari auch während des Krieges zwischen den Hauptstädten der verfeindeten Mächte hin und her – beabsichtigt oder unwissentlich kokettiert sie dabei mit Kontakten zu einflussreichen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft, was ihr letztendlich zum Verhängnis wird.

1917 wird Mata Hari festgenommen und als Untersuchungshäftling ins Frauengefängnis Saint-Lazare gebracht. Im kurze Zeit später folgenden Prozess wird ihr vorgeworfen, eine „Deutschlandbewundererin“ zu sein, weil sie – für eine Niederländerin nicht ungewöhnlich – deutsch spricht. Auch wirft man ihr vor, dass sie vor Diplomaten und Offizieren tanzt, gerne Geldgeschenke annimmt und gute Kontakte zur Presse unterhält – die sie als erfolgreiche Künstlerin natürlich braucht. Mata Hari geht zeitlebens ungeschickt mit ihren privaten Finanzen um und ist auf die finanzielle Unterstützung ihrer Mäzene angewiesen – unabhängig von deren Staatsangehörigkeit.

Mata Hari wird 1917 wegen Doppelspionage und Hochverrats zum Tode verurteilt und am 15. Oktober 1917 hingerichtet. Da auf ihren Leichnam niemand Anspruch erhebt oder sich bereit findet, die Kosten für eine Beerdigung zu übernehmen, wird ihr Körper der medizinischen Fakultät der Pariser Sorbonne zur Verfügung gestellt.

Als Verkörperung der Kurtisane, der sittenlosen Nackttänzerin und der Femme fatale avanciert Mata Hari schon kurz nach ihrem Tod zum Mythos – auch tragen zahlreiche Spekulationen über Affären mit prominenten Männern zur Legendenbildung bei. Gemäß den herrschenden Moralvorstellungen der damaligen Zeit ist eine geschiedene Frau – die auch noch entkleidet vor Publikum tanzt – als unsittliche und zwielichtige Person einzustufen.

Über die Spionagetätigkeit von Mata Hari wird bis zum heutigen Tag gestritten – Historiker kommen zu dem Schluss, dass die Tänzerin als Spielball verschiedener Geheimdienste aufgrund ihres Wissens um kompromittierende Details über hochrangige Politiker sterben muss. Auch dient sie als Bauernopfer und als Sündenbock für die Niederlagen und Verluste der französischen Armee – in jenen Jahren lässt die Kriegsbegeisterung in Frankreich merklich nach. Mata Hari ist nicht in der Lage, Wesentliches zu entdecken und lässt den Deutschen keine Informationen von Wichtigkeit zukommen. Sie habe lediglich am Ende ihrer Tanzkarriere mit einer bedeutungslosen Informationstätigkeit ihr drohendes Schicksal, als Künstlerin in Vergessenheit zu geraten und unter akuter Geldnot zu leiden, abzuwenden versucht und dabei die Gefährlichkeit ihres Handelns nicht erkannt. Einen wirklichen Überblick über die Geschehnisse und Beweise lässt sich erst gewinnen, wenn die französischen Gerichtsakten nach der Entscheidung des französischen Kriegsministeriums 2017 veröffentlicht werden.

Seit 1976 wird in Mata Haris Geburtsstadt Leeuwarden – die Stadt tut sich jahrzehntelang schwer mit ihrer berühmtesten Tochter – unweit ihres Geburtshauses ein Standbild aufgestellt und 2001 wird ein städtischer Platz in „Mata Hariplein“ benannt. Das abenteuerliche Leben und das tragische Ende von Mata Hari stehen bis heute im Mittelpunkt von über zweihundert Büchern, zahlreichen Theaterstücken und Filmen.

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