Famous People » Schriftsteller » Max Goldt

In seinen niveauvollen Texten bringt der Wortästhet mit sprachlichem Witz und skurrilen Ansichten den grauen deutschen Alltag auf amüsante Weise zum Glänzen, es gibt hierzulande wohl kaum einen Autor, dessen Lektüre so viel Freude bereitet wie die von Max Goldt – seine Kolumnen sind lebensklug, unterhaltsam und sprachlich stets brillant

Max Goldt wird als Matthias Ernst am 15. September 1958 im niedersächsischen Weende geboren. Nach dem Abitur zieht er 1977 nach Berlin, wo er eine Fotografenausbildung beginnt, welche er jedoch bald abbricht. Stattdessen gründet er 1981 mit Gerd Pasemann das Musik-Projekt „Foyer des Arts“, für das er textet und singt. Die Lieder der Band bieten nicht immer ernstzunehmende Lyrik – Max Goldt schreibt die Texte selbst und singt beispielsweise über „Schimmeliges Brot“ („Im Krater der Gesellschaft brodelt die Wut, schimmliges Brot finden wir nicht jut!“). Die beiden weigern sich, Teil der „Neuen Deutschen Welle“ zu sein, werden jedoch mit Bands wie „Palais Schaumburg“ oder „Der Plan“ verglichen. Mit „Wissenswertes aus Erlangen“ hat die Gruppe 1982 einen Charthit in Deutschland und tritt damit auch bei Dieter Thomas Heck in der „ZDF“-Hitparade auf. Zahlreiche Schallplattenveröffentlichungen – wie das Solo-Album „Die majestätische Ruhe des Anorganischen“ (1984) – folgen. 1988 produziert Max Goldt das Album „Nachts in schwarzer Seilbahn nach Waldpotsdam“ und 1990 veröffentlicht er „Die Radiotrinkerin & die legendäre letzte Zigarette“, auf der auch seine Version des Matthias Reim-Hits „Verdammt, ich lieb‘ dich“ zu hören ist.

Heute kennt man Max Goldt vorrangig als Schriftsteller – seinen Durchbruch hat er Ende der achtziger Jahre. Nachdem er mit humorvollen Kolumnen in der Berliner Zeitschrift „Ich und mein Staubsauger“ in kleinem Kreis Aufmerksamkeit erregt, engagiert ihn das Satire-Magazin „Titanic“, wo er zwischen 1989 und 1998 zahlreiche Kolumnen unter den Titeln „Aus Onkel Max’ Kulturtagebuch“, „Diese Kolumne hat vorübergehend keinen Namen“, „Manfred Meyer berichtet aus Stuttgart“ und „Informationen für Erwachsene“ publiziert. Seither erscheinen in unregelmäßigen Abständen Kompilationen seiner Veröffentlichungen in Buchform – angereichert mit Fotos, Liedtexten, Dialogen und Tagebucheinträgen. Max Goldt reist regelmäßig quer durch den deutschsprachigen Raum und trägt seine Texte vor.

Als penibler Beobachter und aufmerksamer Flaneur wandelt Max Goldt mit beobachtendem Auge durch den oftmals absurden Alltag – er lässt kein Tabu aus und bringt die Dinge lässig, klug und witzig auf den Punkt. „Ich bin bekannt als jemand, der in punkto schonungsloser Tatsachenbrutalität kein Blatt vor den Mund zu nehmen pflegt“ sagt er selber. Seine auf den ersten Blick komischen und belustigenden Plaudereien wirken oft beklemmend und bedrückend. Max Goldt widmet sich mit Vorliebe der deutschen Sprachpraxis und beschreibt die verbale Kommunikation komplett als „sprachliche Massenverwahrlosung“. Nur wenige schimpfen mit derartiger Wortgewandtheit, wie der Niedersachse. Und oft freut man sich im Nachhinein nur darüber, dass man nicht selbst in die Fänge des Satirikers gerät, sondern nur die „schlechten Menschen, die Falsches tun“, wie die Redakteure des deutschen Leitmediums: „Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muss so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zulässt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun“ so Max Goldt über die „BILD-Zeitung“ – nachzulesen in seinem Buch „Der Krapfen auf dem Sims“.

1997 erhält Max Goldt den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ und 1999 den „Richard-Schönfeld-Preis für literarische Satire“. Auf Empfehlung des deutschen Autors Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) wird Max Goldt 2008 mit dem „Kleist-Preis“ ausgezeichnet, im selben Jahr wird ihm der „Hugo-Ball-Preis der Stadt Pirmasens“ überreicht.

Max Goldt lebt als freier Schriftsteller und Musiker in Berlin.

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