Famous People » Politiker » Michail Gorbatschow

Er gehört zu den großen Staatenlenkern des vorigen Jahrhunderts und genießt bei den Deutschen wegen der ihm zu verdankenden Wiedervereinigung großes Ansehen – Michail Gorbatschow transportiert ein neues und modernes Russlandbild, er stößt diverse Reformen an und führt als letzter Chef der UDSSR das Ende des Kalten Krieges herbei

Michail Sergejewitsch Gorbatschow wird am 2. März 1931 im nordkaukasischen Priwolnoje in der Sowjetunion als Kind von Kolchosbauern geboren und wächst in einfachen Verhältnissen auf – erste Berufserfahrungen sammelt er als Mähdreschermechaniker, nach dem Abitur studiert er von 1950 bis 1955 in Stawropol und an der Moskauer Lomonossow-Universität Jura. Dort lernt er die Kommilitonin Raissa Maksimowna kennen, die er 1953 heiratet. Die Ehe hält bis zum Tod Raissas 1999 – gemeinsam haben sie Tochter Irina.

1952 tritt Michail Gorbatschow mit einundzwanzig Jahren in die „Kommunistische Partei der Sowjetunion“ ein, 1955 beendet er mit fünfunddreißig Jahren sein Studium als Agrarbetriebswirt und zieht mit seiner Familie zurück ins heimatliche Stawropol. In den folgenden Jahren treibt er erfolgreich seine Partei-Karriere voran – 1970 wird er zum Ersten Sekretär für Landwirtschaft berufen, im Jahr darauf wird er Mitglied des Zentralkomitees, 1974 wird er Repräsentant des Obersten Sowjets und Vorsitzender der „Ständigen Kommission für Jugendpolitik“ und 1980 nimmt ihn das Moskauer Politbüro als Vollmitglied auf.

In seiner Funktion als Mitglied des Politbüros begibt sich Michail Gorbatschow auf zahlreiche Auslandsreisen – 1975 besucht er Deutschland, 1983 trifft er sich mit dem kanadischen Premier Pierre Trudeau und 1984 erkennt die britische Premierministerin Margaret Thatcher bei einem Treffen mit ihm als eine der ersten westlichen Politiker seinen neuartigen Politikstil.

1985 wird Michail Gorbatschow – nach dem Tod seines Vorgängers Konstantin Tschernenkos – mit vierundfünfzig Jahren zum zweitjüngsten Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt. Wichtige Akzente seiner Amtszeit sind eine umfassende Anti-Alkohol-Kampagne sowie die Konzepte „Glasnost“ („Offenheit“) und „Perestroika“ („Umstrukturierung“), die ihm schnell den Ruf eines Reformers einbringen. Er leitet den Rückzug russischer Truppen aus Afghanistan ein, bekennt sich zu den politischen Fehlern seiner Partei und den zahlreichen Verbrechen der Stalin-Ära und rehabilitiert diverse Regimekritiker.

1988 wird Michail Gorbatschow Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets und löst Andrei Gromyko als Staatspräsidenten ab – dieses Amt hat er bis zum Ende der Sowjetunion 1991 inne. 1988 hält er vor den Vereinten Nationen in New York eine Rede, in der er eine umfassende Abrüstung in Aussicht stellt. Er ermöglicht den Ländern des Warschauer Paktes, ihre Staatsform künftig selbst bestimmen zu können – daraufhin kommt es 1989 in Osteuropa zu zahlreichen überwiegend friedlichen Revolutionen.

1989 stattet Michail Gorbatschow zum vierzigjährigen Jubiläum der DDR dem Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker einen Besuch ab – von den DDR-Bürgern wird er als Hoffnungsträger frenetisch gefeiert. Nachdem im November desselben Jahres die innerdeutschen Grenzen fallen stimmt Michail Gorbatschow Anfang 1990 der Deutschen Einheit zu, die schließlich 1990 mit maßgeblicher Beteiligung von Helmut Kohl, George H. W. Bush und François Mitterrand vollzogen wird.

1990 wird Michail Gorbatschow für sein Engagement zur weltweiten Friedenssicherung sowie dem Gelingen der deutschen Einheit mit dem Friedensnobelpreis geehrt.

Im Zuge der baltischen Unabhängigkeitsbewegung kommt es 1991 in der litauischen Hauptstadt durch das russische Militär zum „Blutsonntag von Vilnius“ – die Verantwortung dazu wird Michail Gorbatschow zugeschrieben, was er jedoch abstreitet. Im August desselben Jahres kommt es durch kommunistische Politiker zusammen mit einem Teil des Militärs zum Putsch, indessen Verlauf Michael Gorbatschow und seine Frau Raissa drei Tage unter Hausarrest stehen. Dem damaligen Präsidenten der Russischen SFSR Boris Jelzin gelingt es, die Putschisten auszuschalten und die Staatsgewalt zu übernehmen – nach der darauffolgenden Unabhängigkeitserklärung der Ukraine ist das Schicksal der Sowjetunion besiegelt. Nach und nach erklären die Sowjetrepubliken ihre Unabhängigkeit, die Kommunistische Partei wird verboten und Michail Gorbatschow wird als deren Vorsitzender von Boris Jelzin entmachtet.

Während Michail Gorbatschow in der westlichen Welt nach wie vor hoch geschätzt wird, ist sein Ruf in seiner russischen Heimat wesentlich schlechter – dort wirft man ihm vor, den Zusammenbruch der Sowjetunion herbeigeführt zu haben und die folgende chaotische Phase wirtschaftlicher und politischer Unsicherheit verursacht zu haben. Als „Totengräber der Sowjetunion“ ist seine russische Präsidentschaftskandidatur von 1996 daher nicht von Erfolg gekrönt.

Nach seinem Rückzug ins Privatleben gründet Michail Gorbatschow 1992 die „Gorbatschow-Stiftung“ und 1993 die Umweltschutzorganisation „Internationales Grünes Kreuz“ – heute beschäftigt er sich neben der Politik vor allem mit Musik. 2005 wird ihm der „Augsburger Friedenspreis“ für seinen Anteil am gewaltfreien Verlauf der Leipziger Montagsdemonstrationen verliehen, 2007 erhält er den „Dr. Friedrich Joseph Haass-Preis“ des „Deutsch-Russischen Forums“ und 2010 den „Marion Dönhoff-Preis für internationale Versöhnung und Verständigung“.

Seit Anfang des neuen Jahrhunderts kritisiert Michail Gorbatschow die weltweite Machtpolitik der amerikanischen Regierung um George W. Bush, auch beklagt er im Zuge der Ukraine-Krise die stereotype und klischeebeladene Berichterstattung der deutschen Medien. Er gilt als Befürworter von Wladimir Putins Krim-Annexion und fordert vom Westen ein tieferes Verständnis für die Zusammenhänge und Probleme Russlands.

Michail Gorbatschow lebt in der Nähe von Moskau.

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