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Als eine der großen Symbolfiguren für Menschlichkeit gelangt der preisgekrönte Komponist, Musiker und Politiker durch seine zahlreichen Filmmusiken und durch sein unermüdliches politisches Engagement zu internationaler Berühmtheit – heute genießt Mikis Theodorakis in seiner griechischen Heimat als „Stimme des Volkes“ Heldenstatus

Der Komponist, Schriftsteller und Politiker Mikis Theodorakis wird am 29. Juli 1925 auf der griechischen Ägäis-Insel Chios geboren. Sein Vater Giorgos Theodorakis stammt aus dem kretischen Galata und seine Mutter Aspasia Poulakis aus Cesme in Kleinasien. Schon als Kind ist Mikis Theodorakis von Musik fasziniert und schreibt – ohne ein Instrument zur Verfügung zu haben – erste Lieder. In Patras, Pyrgos und Tripolis erhält er Musikunterricht und mit siebzehn Jahren gründet er einen Kirchenchor.

Bereits als Jugendlicher während des Zweiten Weltkrieges engagiert sich Mikis Theodorakis gegen die Besetzung seines Heimatlandes im politischen Widerstand – 1943 wird er inhaftiert, im Befreiungskampf von Athen schließt er sich den Linken an und wird Mitglied der Nationalen Befreiungsfront „EAM“ innerhalb der „Griechischen Volksbefreiungsarmee“. Mit seinen Partisanenfreunden wehrt er sich nach dem Abzug der Deutschen 1944 gegen die militärische Einmischung der Briten in Griechenland und nimmt an der Schlacht um Athen teil. Im anschließenden griechischen Bürgerkrieg wird er 1947 als kommunistischer Regimegegner verhaftet und zunächst auf die Insel Ikaria verbannt, weitere Lager und Verbannungsorte folgen – Mikis Theodorakis ist in jenen Jahren schwersten Folterungen ausgesetzt.

Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1949 wird Mikis Theodorakis psychisch schwer angeschlagen aus der Haft entlassen. Er erhält eine Anstellung als Leiter der Musikschule von Chania, wo er sein erstes Orchester gründet. Zu Beginn der fünfziger Jahre absolviert er am Athener Konservatorium erfolgreich sein Examen. 1953 heiratet Mikis Theodorakis seine Verlobte Myrto Altinoglou – 1954 kann das Paar dank zweier Stipendien nach Paris ausreisen, wo er am dortigen Konservatorium sein Studium weiterführt und 1959 mit Auszeichnung abschließt. 1958 werden in Paris seine Tochter Margarita und 1960 sein Sohn George geboren.

Schon früh stellt sich für Mikis Theodorakis der Erfolg ein – sein „Lied vom Kapitän Zacharias“ von 1939 wird während des Krieges zur offiziellen Widerstandslied der Marine. 1950 wird sein erstes symphonisches Werk – „Das Fest von Assi-Gonia“ in Athen dirigiert und seine Ballettmusik „Griechischer Karneval“ in Rom uraufgeführt. In der griechischen Hauptstadt wird der Dirigent Dimitri Mitropoulos auf den jungen Komponisten aufmerksam – diesem wird zwar untersagt, ein Werk von Mikis Theodorakis in den USA aufzuführen, weil dieser ein Kommunist sei, die „Suite Nr.1 für Klavier und Orchester“ bekommt jedoch 1957 in Moskau eine Goldmedaille von einer Jury, zu deren Mitgliedern Dimitri Schostakowitsch und Hanns Eisler zählen. Die „Erste Symphonie“ von Mikis Theodorakis wird zum Ausdruck eines seiner wichtigsten Anliegen – der Versöhnung der Griechen und der Ausheilung der Wunden des Bürgerkrieges. Seine Ballettmusiken „Les Amants de Téruel“, „Le Feu aux Poudres“ und „Antigone“ werden erfolgreich in Rom, Paris und London aufgeführt.

Gerade als er in der internationalen Musikszene mit seiner symphonischen Musik Fuß zu fassen beginnt, kehrt Mikis Theodorakis von Paris nach Athen zurück und wendet sich den Wurzeln der griechischen Musik zu. Systematisch und konsequent entwickelt er sein volksmusikalisches Konzept – vom Volkslied bis zum Musiktheater und schließlich zur metasymphonischen Musik, in welcher er das westliche Symphonieorchester mit griechischen Volksinstrumenten – wie der Bouzouki – verbindet. Auch widmet er sich dem Rembetiko, dem „griechischen Blues“, wie ihn die aus Kleinasien Vertriebenen in den Tavernen spielen. Mit der damals sechzehnjährigen Maria Farantouri veröffentlicht er ab 1964 einige Liederzyklen – die Sängerin gilt seitdem als ideale Interpretin des griechischen Komponisten. 1964 liefert Mikis Theodorakis für den „Oscar“-prämierten Filmklassiker „Zorba the Greek“ („Alexis Sorbas“) die Filmmusik, die im Laufe der Jahre zur heimlichen Nationalhymne Griechenlands avanciert.

In den sechziger Jahren avanciert Mikis Theodorakis zur Leitfigur einer Erneuerung Griechenlands, er gründet die „Lambrakis-Jugend“ („Lambrakides“), deren Vorsitzender er wird. 1964 wird er das erste Mal ins griechische Parlament gewählt. 1967 kommt es in Griechenland zum Putsch der faschistischen Obristen – Mikis Theodorakis geht in den Untergrund und veröffentlicht zwei Tage später einen ersten Aufruf zum Widerstand. Seine Musik wird verboten, der Besitz seiner Platten und das Singen und Hören seiner Lieder werden mit Gefängnisstrafe geahndet. Als Gründer der „Patriotischen Front“ („PAM“) kämpft er im Untergrund gegen die Junta – er wird verhaftet und im Hauptquartier der Sicherheitspolizei gefoltert. Nachdem er Ende 1969 im Konzentrationslager Oropos schwer an Tuberkulose erkrankt, setzte sich eine internationale Solidaritätsbewegung – angeführt von Dmitri Schostakowitsch, Leonard Bernstein, Arthur Miller und Harry Belafonte – für seine Freilassung ein. 1970 wird er ins Exil nach Frankreich entlassen, wo er mit seinen Landsleuten Melina Mercouri und Costa Gavras den Kampf gegen die griechische Militärjunta erneut aufnimmt. Er gründet den „Nationalen Widerstandsrat“ („EAS“), geht auf Welttournee, trifft Pablo Neruda und Salvador Allende, wird von Gamal Abdel Nasser, Josip Broz Tito und Jassir Arafat empfangen und schließt Freundschaft mit François Mitterrand, Olof Palme und Willy Brandt. In jener Zeit ist Mikis Theodorakis das Symbol des ungebrochenen Widerstands gegen die griechische Diktatur.

1974 wird die griechische Obristen-Diktatur gestürzt und Mikis Theodorakis kehrt in seine Heimat zurück, wo er frenetisch empfangen und wie ein Volksheld gefeiert wird. Bei seinem ersten öffentlichen Konzert im Athener Karaiskaki-Stadion jubeln ihm tausende Menschen zu. Nach einigen Jahren des politischen Engagements, in denen er die griechischen Linksparteien zum Zusammenschluss aufruft und fürs Athener Bügermeisteramt kandidiert, geht er resigniert vom politischen Leben erneut nach Paris, wo er nach zwanzigjähriger Pause die Arbeit an seinem symphonischen Schaffen wieder aufnimmt. Er komponiert diverse Symphonien und wagt sich mit „Medea“, „Elektra“, „Antigone“ und „Lysistrata“ an die Gattung „Oper“ heran.

Bis in die späten achtziger Jahre wird Mikis Theodorakis mit der Linken identifiziert, 1989 kandidiert er jedoch als Parteiloser für die Liste der Mitte-Rechts-Partei „Nea Dimokratia“, um dem Land aus der schweren politischen Krise zu helfen, die durch die Skandale der Regierung von Andreas Papandreou und dessen „Pasok-Partei“ ausgelöst wurde. Er hilft dabei, eine große Koalition zu bilden – erstmals seit dem griechischen Bürgerkrieg werden die Kommunisten wieder an der Macht beteiligt. 1990 wird Mikis Theodorakis ins Parlament gewählt und als Minister ohne Geschäftsbereich in die Regierung des konservativen Konstantinos Mitsotakis berufen. In dieser Funktion setzt er sich besonders gegen Drogen und Terrorismus, für Kultur und Erziehung sowie für die verbesserten Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei ein. Seine Regierungsbeteiligung bezeichnet Mikis Theodorakis später als Irrtum. 1993 und 1994 übernimmt er das Amt des Generalmusikdirektors des Symphonie-Orchesters und Chores des „Griechischen Rundfunks und Fernsehens“, bevor er sich ganz aus dem öffentlichen Leben zurückzieht.

Für sein künstlerisches Schaffen und sein politisches Engagement wid Mikis Theodoralis mit unzähligen Auszeichnungen geehrt. 2005 erhält er den russischen „Internationalen Andreas-der-Erstberufene-Preis“, den „IMC-UNESCO-Musikpreis“ – eine der höchsten musikalischen Auszeichnungen überhaupt – sowie den „Orden eines Großoffiziers des Verdienstordens des Großherzogtum Luxemburgs“. Im gleichen Jahr wird ihm die Ehrenmitgliedschaft der „Europäischen Linkspartei“ zugesprochen. Zahlreiche weitere Ehrungen und Auszeichnungen in Griechenland und außerhalb seiner Heimat bestätigen weiterhin seine einzigartige Stellung als „Stimme der Freiheit und des Friedens“. Mikis Theodorakis ist Ehrendoktor der Universitäten von Montreal, Thessaloniki, Tel Aviv und Istanbul. 2002 wird er in Bonn mit dem „Erich Wolfgang Korngold Preis“ für Filmmusik während der Internationalen Filmmusik Biennale ausgezeichnet.

Der heute zurückgezogen in Athen lebende Künstler engagiert sich politisch immer wieder aufs Neue, wenn die Umstände dies von ihm verlangen. So protestiert er 1999 gegen die Nato-Bombardierungen in Jugoslawien, gegen die Behandlung des gekidnappten Kurdenführers Abdullah Öcalan sowie gegen die US-amerikanische Regierung unter George W. Bush und dessen Irakkrieg. Auch ist er Ideengeber der 2010 in Griechenland entstandenen unabhängigen Bürgerbewegung „Spitha“.

Mikis Theodorakis wird heute in Griechenland als Vorbild, Leitbild und Idol wahrgenommen – seinem Ruf als „Stimme des Volkes“ wird er jüngst gerecht, als er angesichts der griechischen Finanzkrise seine Landsleute aufruft, in die Zukunft zu blicken und das Land wieder auf Kurs zu bringen.

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