“Heißer Sand und ein verlorenes Land, und ein Leben in Gefahr…” singt Mina in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts und hat damit in Deutschland ihren einzigen Hit – in ihrer italienischen Heimat ist sie dagegen bis heute Institution, Legende und Mythos zugleich. Obwohl sie seit Jahren keinen einzigen öffentlichen Auftritt mehr absolviert, hat die auch “Tigerin von Cremona” genannte Sängerin mit dem enormen Stimmumfang jemseits der Alpen eine riesige Fangemeinde
Mina wird am 25. März 1940 im lombardischen Busto Arsizio als Mina Anna Mazzini geboren – obwohl sich ihr Vater als Industrieller lieber eine “standesgemäße” Erziehung für seine Tochter sowie ein Studium wünscht, schlägt das blonde, hochgewachsene Mädchen in den späten fünfziger Jahren eine Karriere als Sängerin ein – ihre hervorragend ausgebildete Stimme genügt höchsten Ansprüchen. Schon in der Schule entwickelt sich Mina zu einem kleinen Allround-Genie und ist im Tanzen, Schwimmen, Tennis – aber auch in Fremdsprachen – ihren Freundinnen stets um einiges voraus.
Aus einer Laune heraus nimmt Mina 1958 an einem Gesangswettbewerb teil und gewinnt zur eigenen Überraschung den ersten Preis – als ihr Entdecker gilt Sergio Bernardini. Ein Jahr später tritt sie mit dem Lied “Nessuno” in der Sendung “Il Musichiere” erstmals im Fernsehen auf. 1960 und 1961 nimmt sie mit den Titeln “È vero” und “Le mille bolle blu” am Musikfestival von San Remo teil. Kurz darauf veröffentlicht die Sängerin ihren in Italien wohl bekanntesten Hit “Il cielo in una stanza” – es folgen diverse Fernsehauftritte und unzählige Schallplattenaufnahmen.
Im deutschen Fernsehen wird Mina in der “Peter-Kraus-Show” auch erstmals der deutschen Öffentlichkeit vorgestellt – 1962 hat sie mit “Heißer Sand” ihren ersten und einzigen Hit in Deutschland. Das Lied steht acht Wochen lang ganz oben in der deutschen Hitparade. Mit “Tabu” und “Fiesta Brasiliana” folgen noch drei weitere Singles der Sängerin für den deutschen Markt, danach verebbt ihr Erfolg in Deutschland. Im musikalischen Strudel der Beat-Ära kann Mina sich leider kein Gehör mehr verschaffen. Der Titel “Fremdes Land” arbeitet sich noch bis Platz 39 vor, seitdem kann sich die italienische Diva nie wieder in den deutschen Charts plazieren – 1974 veröffentlicht sie ihre letztes deutschsprachiges Lied “Die Liebe am Sonntag”.
In ihrem Heimatland wächst ihre Popularität jedoch und Mina avanciert in den nächsten Jahrzehnten zu einer der bekanntesten Sängerinnen Italiens. Sie singt ihre Lieder in Französisch, Spanisch, Türkisch, Deutsch und Japanisch und wirkt zwischen 1959 und 1969 in insgesamt dreizehn Filmen mit. 1961 nimmt sie mit zwei Liedern am Schlagerfestival von San Remo teil, ihre Kollegin Milva trägt den Sieg davon und Mina schwört, nie mehr an einem derartigen Wettbewerb teilzunehmen.
Ihre Fernsehkarriere erleidet 1963 eine Unterbrechung, als sie wegen ihres Verhältnisses mit dem verheirateten Schauspieler Corrado Pani vom Sender “RAI” boykottiert wird.
Im Laufe ihrer Karriere spielt Mina mehr als tausend Lieder ein und verkauft mehr als hundert Millionen Platten – fast jedes Jahr erscheint von ihr eine neue CD. Als der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ihr vor einigen Jahren einen Blanko-Scheck mit der Bitte um einen öffentlichen Auftritt zukommen lässt, zerreisst sie das Angebot ohne Zögern und schickt ihm die Einzelteile postwendend zurück.
Mina lebt seit den sechziger Jahren im schweizerischen Lugano und schreibt Kolumnen für “La Stampa” und “Vanity Fair”. Ihren letzten Auftritt hat sie 1974 im italienischen Fernsehen an der Seite von Raffaella Carrà und 1978, als sie im Nachspann einer Sendung das Lied “Ancora, ancora, ancora” singt. 1989 wird sie schweizerische Staatsbürgerin. 2006 heiratet Mina den Kardiologen Eugenio Quaini, mit dem sie bereits fünfundzwanzig Jahre zusammen lebt.
“Singen mit Mina – Ein melancholischer Vokalkurs
Was geht auf Deutsch, und was geht nicht? Fragt sich Gastautor Andreas Lichte. Ein Sprach- und Vokal-Kurs für Deutsche. Mit einem Lied von Mina.”
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