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Er ist einer der großen Kinostars der fünfziger Jahre und heute fast vergessen – Montgomery Clift ist einer der ersten, der sich dem legendären „Method Acting“ verschreibt. Mit seiner gefühlvollen und zurückhaltenden Art bringt er frischen Wind in Hollywoods Gefühlskino, viermal wird er für einen „Oscar“ nominiert, ohne die Auszeichnung je zu erhalten

Montgomery Clift wird als Edward Montgomery Clift am 17. Oktober 1920 in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska geboren – er wächst mit seinem älteren Bruder Brooks und seiner Zwillingsschwester Roberta in gutbürgerlichen Verhältnissen verschiedener Städte auf. Sein Vater ist erfolgreicher Börsianer an der Wall Street und somit recht wohlhabend, so dass sich die Eltern einen Privatlehrer und Ferien in Europa leisten können, wo „Monty“ deutsch und französisch lernt und diverse Museen und Theater besucht. Durch die Anstrengung seiner Mutter kann er schon mit vierzehn Jahren eine Rolle in einem Broadway-Stück ergattern, weitere Rollen am Broadway und ein Job als Model folgen. Bereits mit siebzehn Jahren ist er einer der erfolgreichsten Bühnenschauspieler Amerikas.

In den vierziger Jahren entdeckt Montgomery Clift seine Zuneigung zu Männern. Zwar hat er auch Verabredungen mit Frauen, doch seine erste große Liebe ist ein Mitglied einer Schauspieltruppe, mit dem er bis zu dessen Einzug in die Navy zusammen ist. Er selbst wird im Zweiten Weltkrieg nicht in die Armee eingezogen, da er an einer chronischen Ruhr leidet, die er sich während eines Urlaubs in Mexiko zuzieht.

Sein Leinwanddebüt gibt Montgomery Clift 1948 unter der Regie von Howard Hawks im Western „Red River“ an der Seite von John Wayne. Seine erste „Oscar“-Nominierung erhält Montgomery Clift für seine Rolle in „The Search“ („Die Gezeichneten“, 1948), in dem er einen GI spielt, der sich im Nachkriegsdeutschland des Jahres 1945 eines Prager Jungen annimmt, der von seinen Eltern getrennt wird. Eine weitere „Oscar“-Nominierung erhält der Schauspieler 1949 für seine Darstellung in „A Place In The Sun („Ein Platz an der Sonne“).

1953 kommt „From Here To Eternity“ („Verdammt in alle Ewigkeit“) in die Kinos, in welchem Montgomery Clift an der Seite von Frank Sinatra, Deborah Kerr und Burt Lancaster den Soldat Prewitt spielt – einen ehemaliger Boxer, der nach Pearl Harbor versetzt wird, dort jedoch massive Probleme bekommt, weil er sich weigert, seine Karriere als Boxer wieder aufzunehmen. Der Schauspieler erhält für seine überzeugende Darstellung eine dritte „Oscar“-Nominierung.

Während der Dreharbeiten zum Film-Epos „Raintree County“ („Das Land des Regenbaums“, 1956) erleidet Montgomery Clift einen folgenschweren Autounfall, der das Aussehen des Jung-Stars nachhaltig verändert und ihn in Depressionen und Abhängigkeit von Alkohol und Drogen führt – er ist bis zu seinem Lebensende süchtig.

In „Raintree Country“ verkörpert Montgomery Clift einen idealistischen Poeten – der Film spielt in den Südstaaten der USA in der Zeit des Amerikanischen Bürgerkrieges. Der Schauspieler tritt an der Seite von Rod Taylor, Eva Marie Saint und Elizabeth Taylor – mit welcher ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet – auf.

Für „Suddenly, Last Summer“ („Plötzlich im letzten Sommer“, 1959) steht Montgomery Clift erneut mit Elizabeth Taylor vor der Kamera. Ihr ist es zu verdanken, das man ihn engagiert, gilt er doch aufgrund seiner gesundheitlichen und psychischen Probleme als nicht mehr versicherbar. In seinen nächsten beiden Filmen „Wild River“ und „The Misfits“ findet er dann zu alter Stärke zurück.

Einen eindrucksvollen Kurzauftritt hat Montgomery Clift in „Judgement At Nuremberg“ („Das Urteil von Nürnberg“, 1961) neben Spencer Tracy, Marlene Dietrich und Judy Garland. Für seine Rolle als Behinderter, der von den Nationalsozialisten zwangssterilisiert wird, erhält der Schauspieler erneut eine „Oscar“-Nominierung. Der nur zehnminütige Auftritt gilt als Höhepunkt in Montgomery Clifts kurzer Karriere.

In den fünfziger Jahren erhält Montgomery Clift zahllose Filmangebote aus Hollywood, doch der Schauspieler verschmäht fast jedes Drehbuch, da er nicht in den Studio-Sog, der zu dieser Zeit in Hollywood existiert, hineingezogen werden will. Er kann den Gedanken nicht ertragen, einen Sieben-Jahres-Vertrag bei einem Studio unterschreiben zu müssen, um dann in jedem mittelmäßigen Film mitzuspielen, ohne eine Auswahlmöglichkeit zu haben.

Ein letztes Mal kann man Montgomery Clift 1966 im Spionagefilm „The Defector“ („Lautlose Waffen“) sehen.

Montgomery Clift dreht in seinem Leben lediglich siebzehn Filme – er ist der erste männliche Hollywood-Star, der mit gefühlvollen Tönen und Verletzlichkeit das Publikum überzeugt. Seinen inneren Frieden findet er nie – da er seine Homosexualität nur sehr schwer akzeptieren kann, fällt er in schwere Depressionen und wird zusehends alkohol- und tablettensüchtig. Sein Stern beginnt zu sinken und die Produzenten bieten ihm keine weiteren Rollen mehr an. Liz Taylor ist einer seiner letzten Freunde, die ihn besucht und auf Galas mitnimmt. Sie will ihm auch bei seinem Comeback helfen und zwingt die Produzenten, ihm Rollen in ihren Filmen zu geben. 1966 soll er im Film „Reflection Of A Golden Eye“ („Spiegelbild im Goldenen Auge“) unter der Regie von John Huston an ihrer Seite spielen, doch dazu kommt es nicht mehr. Marlon Brando übernimt die Rolle seines großen Vorbildes.

1966 stirbt Montgomery Clift im Alter von fünfundvierzig Jahren an Herzversagen – er wird in seiner Wohnung tot aufgefunden. „Rest well, perturbed spirit“ – „Ruhe in Frieden, verstörter Geist“ sind die letzten Worte, die Elizabeth Taylor an ihren Freund richtet. Sie stehen auf den weißen Schleifen seines Grabkranzes. Sein Tod gilt als „längster Suizid der Filmgeschichte“.

1997 wird Montgomery Clift vom US-Magazin „Entertainment Weekly“ zu den hundert größten Stars aller Zeiten gewählt.

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