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Seit mehr als drei Dekaden gehört Neil Tennant zu den erfolgreichsten Hit-Komponisten der Zeit, er steht für kunstvollen und unbeschwerten Pop – „very british“ und dabei nie billig oder sentimental landet er als Kopf des erfolgreichsten Popduos aller Zeiten Hit um Hit. Auch wenn Kritiker den Sound der „Pet Shop Boys“ als oberflächlich und steril bezeichnen, gehören Songs wie „Go West“ und „Westend Girls“ heute zu den Pop-Klassikern

Neil Tennant wird am 10. Juli 1954 im englischen Fischerdorf North Shields als Sohn von William W. Tennant und Sheila M. Tennant geboren, wo er mit drei Geschwistern aufwächst. Er besucht die römisch-katholische Schule St. Cuthbert’s in Newcastle-Upon-Tyne und interessiert sich früh für Malerei, Theater, Literatur und Musik – auch spielt er in einigen lokalen Folk-Bands mit. Nach dem Abschluss der Schule studiert er am North London Polytechnic in London Geschichte – das Studium beendet er 1975. Danach arbeitet er als Redakteur für „Marvel Comics“, wo er den Dialog der Comics aus amerikanischem Englisch in britisches Englisch übersetzt.

Zu Beginn der achtziger Jahre lernt Neil Tennant in London Chris Lowe kennen – über ihre gemeinsame Vorliebe für den damals angesagten Italo-Pop werden sie Freunde, die sie bis heute geblieben sind. 1982 geht Neil Tennant als Journalist des britischen Musikmagazins „Smash Hits“ nach New York, um eine Interview mit der Band “The Police“ zu führen – dort arrangiert er auch ein Treffen mit dem von ihm verehrten Disco-Produzenten Bobby Orlando, der damals für unzählige Chart-Erfolge verantwortlich ist.

1984 nehmen Neil Tennant und Chris Lowe als „Pet Shop Boys“ mit Bobby Orlando die Single „West End Girls“ auf – das im damals angesagten High-Energy-Sound produzierte Stück wird zunächst nur in den Clubs in Frankreich und Belgien ein Erfolg. Erst mit der Wiederveröffentlichung kommt 1986 der Erfolg – „Westend Girls“ erreicht sowohl in Großbritannien als auch in den USA die Spitze der Charts und wird 1986 mit dem „Brit-Award“ als Song des Jahres ausgezeichnet. Mit den Nachfolge-Singles „Opportunities“ und „Love Comes Quickly“ sowie dem Debütalbum „Please“ avancieren die Pet Shop Boys dann zu Superstars der achtziger Jahre.

Ihren größten Erfolg feiern die „Pet Shop Boys“ 1987 mit dem Album „Actually“. Hits daraus wie „It’s A Sin“, „Rent“, „Heart“ und „What Have I Done To Deserve That“ – im Duett mit der britischen Soul-Ikone Dusty Springfield – erobern weltweit die Spitzen der Charts. Mit der Cover-Version von Elvis Presleys „Always On My Mind“ landet das Duo einen weiteren Hit und 1988 knüpft das Album „Introspective“ nahtlos an die Erfolge an – der Titel „Left To My Own Devices“ gilt als stilprägend für die Elektronik-Disco-Musik der späten achtziger Jahre.

1989 verschaffen die „Pet Shop Boys“ der Show-Legende Liza Minnelli mit dem Album „Results“ und dem Hit „Losing My Mind“ ein Comeback – auch die in Vergessenheit geratene Soul-Diva Dusty Springfield kann mit dem von den „Pet Shop Boys“ produzierten „Reputation“ und dem Hit „In Private“ 1990 wieder einen Chart-Erfolg feiern.

In den neunziger Jahren setzt sich der Erfolg der „Pet Shop Boys“ fort – 1991 veröffentlicht das Duo das etwas ruhigere Album „Behaviour“ mit den Hits „So Hard“ und „Being Boring“. Mit dem Remake des „Village People“-Hits „Go West“ – heute ein Fußballstadion-Knüller – landet es dann 1993 den bislang größten Hit seiner Karriere. Das Cover der CD „Very“ – das vor allem optisch durch sein orangefarbenes Cover besticht – wird heute im New Yorker Museum Of Modern Art ausgestellt.

Als etablierte Größen im Popgeschäft werden bald auch andere Künstler auf die „Pet Shop Boys“ aufmerksam – für Tina Turner produzieren sie 1995 „Confidential“, Blurs „Girls & Boys“ wird von ihnen 1994 und David Bowies „Hello Spaceboy“ 1996 neu abgemischt, Robbie Williams lässt sich 1996 „No Regrets“ produzieren und gemeinsam mit Kylie Minogue singen sie 1999 „In Denial“.

Neben den „Pet Shop Boys“ gründet Neil Tennant zu Beginn der neunziger Jahre zusammen mit Bernard Sumner von „New Order“ und Johnny Marr von „The Smiths“ das kurzweilige Pop-Projekt „Electronic“, das mit „Disappointed“ und „Getting Away With It“ einige Chart-Hits landen kann.

Nach den Alben „Bilingual“ von 1996 und „Nightlife“ von 1999 erscheint Anfang des neuen Jahrhunderts die unter Einsatz der von Neil Tennant sonst so verhassten E-Gitarren das eher nachdenkliche Album „Release“. Die erste Single „Home And Dry“ wird mit dem eher ungewöhnlichem Clip, der Szenen von Mäusen auf den Gleisen eines Londoner U-Bahnhofs zeigt, veröffentlicht.

Die „Pet Shop Boys“ produzieren für Robbie Williams die Songs „She’s Madonna“ und „We’re The Pet Shop Boys“ und für die britische Band „Coldplay“ den Welthit „Viva la vida“. 2006 veröffentlicht das Duo das Album „Fundamental“ und 2008 die CD „Yes“ – mit „Love etc.“ hat das Duo dann erstmals seit Jahren wieder einen internationalen Hit.

2012 treten die „Pet Shop Boys“ bei der Schlussfeier der Olympischen Spiele in London auf und im Herbst desselben Jahres erscheint die CD „Elysium“ – das von Musikfreunden als Alterswerk bezeichnete Album wird von der Kritik durchweg wohlwollend angenommen.

2013 veröffentlichen die „Pet Shop Boys“ das Album „Electric“ und 2016 erscheint „Super“.

Obwohl die „Pet Shop Boys“ – die in ihrer Karriere mehr als fünfzig Millionen Tonträger verkaufen – bereits in den achtziger Jahren schnell Kultstatus in der Gay-Community erlangen, bekennt sich bisher offiziell nur Neil Tennant zu seiner Homosexualität – „Das schwule Etikett stört mich nicht wirklich, zumindest so lange wie es mich nicht einschränkt. Ich denke einfach, man sollte sein Leben nicht als schwul definieren. Ich glaube nicht, das die Sexualität zwangsläufig einen Lebensstil impliziert. Wenn ich die Texte zu den „Pet Shop Boys“-Titeln schreibe, dann behandle ich das Schwulsein darin. Das habe ich schon immer getan. Ich kann das jetzt, nach meinem Coming Out, vielleicht ein kleines bisschen offener tun und das genieße ich“.

Neil Tenannt lebt in London.

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