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Er ist der Inbegriff des extravaganten Dandys, wird durch seine geschliffene Sprachgewandtheit weltberühmt und kritisiert wiederholt die verklemmte Doppelmoral der britischen Gesellschaft – Oscar Wilde setzt sich immer wieder über die Werte des viktorianischen Englands hinweg und zieht damit den Zorn des bürgerlichen Establishments auf sich. Er hinterlässt ein vielfältiges literarisches Werk und zählt noch heute zu den meist zitierten Vertretern der modernen englischen Literatur

Oscar Wilde

Oscar Wilde ca. 1882, Foto: By Napoleon Sarony (Library of Congress) [Public domain], via Wikimedia Commons

Oscar Fingal O‘ Flahertie Wills Wilde kommt am 16. Oktober 1854 als Sohn des Augenarztes William Wilde und der Übersetzerin und Lyrikerin Jane Wilde im irischen Dublin zur Welt. Sein Vater rückt einige Jahre nach seiner Geburt in den Adelsstand auf, aber kurze Zeit später ruiniert seine ehemalige Patientin Mary Travers seinen Ruf, indem sie vor Gericht behauptet, er habe sie während einer Behandlung betäubt und missbraucht.

Oscar Wilde hat einen älteren Bruder und eine im Alter von zehn Jahren verstorbene Schwester. Von 1864 bis 1871 besucht er als Internatsschüler die Portora Royal School in Enniskillen, danach von 1871 bis 1874 das Trinity College in Dublin und von 1874 bis 1878 das Magdalena College in Oxford, wo er als Stipendiat klassische Philosophie studiert und sich innerhalb der Ästhetizismus-Bewegung „L’art pour l’art“ ersten eigenen Arbeiten widmet. Nebenher unternimmt er Reisen nach Mailand, Venedig, Padua und Verona – auch tritt er einer Freimaurerloge bei.

Innerhalb der Studentenclubs fällt Oscar Wilde bald durch seinen sarkastischen und geistreichen Humor auf – erste literarische Anerkennung erhält er durch die Auszeichnung seines Gedichtes „Ravenna“ mit dem „Newdigate-Preis“. Nach Beendigung seines Studiums zieht er 1879 nach London und teilt sich dort bis 1881 mit dem Künstler Frank Miles – der beste Beziehungen zur Londoner Gesellschaft hat – eine Wohnung.

1884 heiratet Oscar Wilde Constance Lloyd – aus der Ehe gehen Sohn Cyril und Tochter Vyvyan hervor. Für seine Kinder veröffentlicht er 1988 die Märchensammlung „Der glückliche Prinz und andere Märchen“. 1891 erscheint seine wohl bekannteste Erzählung „Das Bildnis des Dorian Gray“ – danach folgen „Lady Windermere’s Fan“ (1892), „A Woman Of No Importance“ (1893), „An Ideal Husband“ (1895) und „The Importance Of Being Earnest“ (1895). 1891 findet das an der biblischen Salome-Legende angelehnte Werk „Salome“ aufgrund von Zensurbestimmungen zunächst keinen Verleger – 1894 wird es dann mit Sarah Bernhardt in Paris uraufgeführt. Der deutsche Komponist Richard Strauss nimmt das Drama als Literaturvorlage und vertont die deutsche Übersetzung in seiner erfolgreichen Oper „Salome“. Auch als Autor von diversen Kriminalromanen macht sich Oscar Wilde einen Namen.

Wer einige Vorsichtsmaßregeln befolgt, kann in den gesellschaftlichen Kreisen, in denen sich Oscar Wilde damals bewegt, Homosexualität selbst im sittenstrengen viktorianischen England durchaus ausleben – als Familienvater geht der Dichter relativ offen damit um. Das langjährige Verhältnis Oscar Wildes zu Lord Alfred Douglas („Bosie“) gerät jedoch durch eine gezielte Provokation von dessen Vater zum Skandal und führt schließlich zum gesellschaftlichen Niedergang des Dichters. Oscar Wilde strengt eine zunächst erfolgversprechende Verleumdungsklage gegen den Vater seines Liebhabers an – während des Prozesses wird der Kläger jedoch immer mehr zum Angeklagten, intime Details aus Oscar Wildes Privatleben kommen zum Vorschein. So soll der Dichter mit jungen Männern aus der Unterschicht sexuellen Kontakt haben – in der damaligen Zeit eine Unmöglichkeit. Auch einige Werke des Dichters werden als Beweismittel hinzugezogen – hauptsächlich der von vielen als anrüchig empfundene Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“.

Nach dem verlorenen Prozess wird Oscar Wilde verhaftet und 1895 zu zwei Jahren Zuchthaus mit schwerer körperlicher Zwangsarbeit verurteilt. Die Jahre im Gefängnis schädigen die Gesundheit des Dichters nachhaltig, während der Haft stirbt seine Frau Constance, die – gesellschaftlich ruiniert – das Land verlassen hat. Noch am Tag seiner Haftentlassung reist Oscar Wilde gesundheitlich schwer angeschlagen unter anderem Namen nach Frankreich, konvertiert zum Katholizismus und kehrt nie wieder in seine Heimat zurück.

Oscar Wilde stirbt am 30. November 1900 im Alter von neunundvierzig Jahren im Pariser Hotel d’ Alsace an den Folgen einer Mittelohr-Entzündung. Sein Kommentar angesichts des komfortablen Sterbezimmers: „Ich sterbe über meine Verhältnisse. Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich“. Am 3. Dezember wird er auf dem Friedhof von Bagneux bei Paris beigesetzt – neun Jahre später werden seine sterblichen Überreste auf den Friedhof Cimetière du Père Lachaise in Paris überführt.

Seit 1995 steht eine Gedenktafel im Poets‘ Corner der Londoner Westminster Abbey, die an Oscar Wilde erinnert.

Die Öffentlichkeit kennt Oscar Wilde als wortgewandten, geistreichen aber auch oft überheblichen Unterhalter und Dandy. Mit seinen scharfsinnig-philosophischen und unbequemen Ansichten legt er die Vorurteile, das Verhalten und die gesellschaftlichen Wahrheiten offen. Er beeinflusst das Bild von Homosexuellen in der Öffentlichkeit bis weit ins zwanzigste Jahrhundert nachhaltig – hartnäckig gelten nach wie vor ausgeprägter Humor, scharfzüngige Wortgewandtheit, Begeisterung für alles Schöne und eine gewisse Exzentrik als Beweis und Inbegriff von Homosexualität.

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