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Otto von Habsburg ist der älteste Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I. und dessen Frau Zita und setzt sich als Publizist, Parlamentarier, Schriftsteller und Journalist Zeit seines Lebens unermüdlich für die Freiheit und Einheit sowie die Versöhnung der Völker Europas bei

Otto von Habsburg kommt am 20. November 1912 in der Villa Wartholz im niederösterreichischen Reichenau an der Rax zur Welt – sein vollständiger Name lautet „Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit Franz Joseph Otto Robert Maria Anton Karl Max Heinrich Sixtus Xaver Felix Renatus Ludwig Gaetan Pius Ignatius, Kaiserlicher Prinz, Erzherzog von Österreich, Königlicher Prinz von Ungarn“. Er ist der Sohn des letzten Kaisers von Österreich-Ungarn Karl I., der nur zwei Jahre lang – bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und dem Ende der Donaumonarchie – regiert und dessen Ehefrau Zita von Bourbon-Parma und hat sieben Geschwister.

Als erstgeborener Sohn wird Otto von Habsburg früh auf seine zukünftige Herrscherrolle vorbereitet – nach dem Ende der österreichischen Doppelmonarchie 1918 lebt er mit seinen Eltern zunächst im Schloss Eckartsau in Niederösterreich, danach von 1919 bis 1921 im Exil in der Schweiz, später auf Madeira und in Spanien.

Die Ausbildung Otto von Habsburgs steht unter strenger Aufsicht seiner Mutter, welche versucht, ihn zu einem katholischen Monarchen zu erziehen. So muss er die Sprachen des österreich-ungarischen Vielvölkerstaates erlernen, seine Matura absolviert er 1930 im baskischen Lequeitio. Im selben Jahr erlangt er die Großjährigkeit und wird damit Oberhaupt der Familie Habsburg und Souverän des „Ordens vom Goldenen Vlies“. 1935 schließt er das Studium der politischen und sozialen Wissenschaften an der Universität im belgischen Leuven ab. Eine Einreise ins damalige Restösterreich bleibt ihm durch das Habsburgergesetz von 1919 untersagt – auch darf er sich nur noch Otto Habsburg-Lothringen nennen.

Ab 1930 gibt es in der ersten Republik Österreich Bestrebungen von Seiten konservativer Kreise, Otto von Habsburg in Form eines konstitutionellen Monarchen einzusetzen. Damit möchte man die Gräben zwischen Links und Rechts überwinden und ein stärkeres „Österreichbewusstsein“ schaffen, um sich in der Bevölkerung gegen die starken Anschlußbestrebungen an das Deutsche Reich zu wehren. Auch Adolf Hitler möchte Otto von Habsburg unter Vorspielung der Hilfe zur Wiedereinführung der Monarchie in seine Bewegung einbeziehen und für seine Zwecke verwenden, doch der ehemalige Kronprinz lehnt als Verfechter der alten monarchischen Herrschaftsordnung und als konservativ-christlicher Europäer dieses Ansinnen strikt ab.

Kurz vor dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich ersucht Otto von Habsburg den damaligen Bundeskanzler Kurt Schuschnigg, ihm die Kanzlerschaft der Republik zu übertragen, um militärischen Widerstand zu organisieren – was eine indirekte Anerkennung der Republik und den starken Abwehrwillen gegenüber dem nationalsozialistischen Diktator verdeutlicht. Während Kurt Schuschnigg gegen einen möglichen deutschen Einmarsch zwar protestieren und dann kapitulieren will, ist Otto von Habsburg wie weite Teile der damaligen österreichischen Armeeführung für den militärischen Widerstand.

Nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Österreich wird Otto von Habsburg wegen Hochverrats steckbrieflich zur Fahndung ausgeschrieben und sein persönliches Vermögen und das von ihm verwaltete Familienvermögen der Familie Habsburg auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers enteignet. Sämtliche monarchistischen Vereinigungen werden verboten, Anhänger werden hingerichtet. Otto von Habsburg flüchtet über Paris nach Spanien in die USA – 1944 kehrt er nach Europa zurück und hält sich zunächst in Frankreich und später in Spanien auf.

In den USA und in Großbritannien gibt es intensive persönliche Kontakte zu Präsident Franklin Roosevelt und Winston Churchill. Der Otto von Habsburg zugeschriebene Verdienst, während des Zweiten Weltkrieges Luftangriffe auf Österreich verhindert zu haben, wird von Historikern heute angezweifelt. Die Gründe für die wenigen Bombenangriffe auf österreichische Städte von Seiten der Alliierten liegen darin, dass die Stützpunkte der englischen und der amerikanischen Luftstreitkräfte zu weit von Österreich entfernt sind um die sichere Rückkehr der Flugzeuge zu garantieren. Unbestritten ist jedoch die Tatsache, dass sich Otto von Habsburg für eine staatliche Eigenständigkeit Nachkriegs-Österreichs einsetzt. Um dem bevorstehenden Vormarsch der Sowjets nach Mitteleuropa Einhalt zu gebieten, plant Winston Churchill, Otto von Habsburg an die Spitze der ungarischen Regierung zu setzen, auch gibt es Überlegungen ihn als Staatsoberhaupt eines sogenannten „Süddeutschen Bundes“ unter Einbeziehung von Österreich, Ungarn, Bayern, Baden, Württemberg und Hohenzollern-Sigmaringen zu installieren. Winston Churchills Pläne scheitern jedoch an der Ablehnung Josef Stalins auf der Konferenz von Teheran.

1962 überlegt der spanische Diktator Francisco Franco, nach seinem Tod die Monarchie wieder zu beleben und testamentarisch Otto von Habsburg zum König von Spanien zu bestimmen – die Habsburger haben das Land fast zweihundert Jahre lang regiert. Otto von Habsburg lehnt dies jedoch ab und neues spanisches Staatsoberhaupt wird Juan Carlos I. aus der Dynastie der Bourbonen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet Otto von Habsburg als Vortragsreisender und Schriftsteller. Erst 1966 reist er erstmals wieder nach Österreich ein, was diverse Proteste und Streiks zur Folge hat. In den siebziger Jahren entspannt sich dann das Verhältnis zwischen der österreichischen Sozialdemokratie und der Familie Habsburg weitgehend. 1978 erhält Otto von Habsburg die deutsche Staatsbürgerschaft. Von 1979 bis 1999 ist er für die Christlich-Soziale Union in Bayern (CSU) Abgeordneter im Europäischen Parlament – und zweimal dessen Alterspräsident. Gegen große Widerstände initiiert er dort 1979 jene Resolution, welche durch einen leeren Stuhl im Europäischen Parlament medienwirksam auf die Völker hinter dem „Eisernen Vorhang“ aufmerksam macht. 1999 scheidet Otto von Habsburg aus gesundheitlichen Gründen aus dem Europa-Parlament aus.

Otto von Habsburg ist seit 1936 Mitglied der Paneuropa-Union (PEU) und seit 2004 deren Ehrenpräsident. In deren Funktion setzt er sich für die weitere Einigung Europas, die Verpflichtung gegenüber der Menschlichkeit und die Verteidigung der Freiheit ein. Er baut die Organisation zu einer Speerspitze für ein freies, christliches und soziales Europa aus und macht sie zum Fürsprecher der von kommunistischen Regimen unterdrückten Völker Mittel- und Osteuropas.

Zu seinem neunzigsten Geburtstag wird Otto von Habsburg mit zahlreichen Auszeichnungen, Ehrenbürgerschaften und Ehrendoktoraten geehrt.

Anlässlich des siebzigsten Jahrestags des Anschlusses Österreichs ans Deutsche Reich am 10. März 2008 sorgt Otto von Habsburg in seinem Heimatland für Aufsehen und Entrüstung – in seiner Rede vertritt er die im offiziellen Österreich weithin umstrittene Ansicht, Österreich sei das erste Opfer Nazi-Deutschlands gewesen. „Wenn so ein großer Rummel ist, kommen die Leute zusammen, hören zu oder applaudieren und so weiter. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Man zeigt noch immer die Filme des Heldenplatzes auf dem es 60.000 Leute gegeben hat – das ist wahr. Aber, schauen Sie, bei jedem Fußballereignis kann man 60.000 Leute zusammentrommeln. Ich glaube es gibt keinen Staat in Europa, der mehr Recht hat, sich als Opfer zu bezeichnen, als es Österreich gewesen ist“ sagt er.

Otto von Habsburg heiratet 1951 im französischen Nancy Regina Prinzessin von Sachsen-Meiningen. Mit ihr hat er sieben Kinder – Andrea, Monika, Michaela, Gabriela, Walburga, Karl und Georg. 2007 übernimmt sein Sohn Karl Habsburg-Lothringen die Rolle des Familienvorstandes. Aufgrund seiner Familiengeschichte besitzt Otto von Habsburg die Staatsbürgerschaften von Österreich, Ungarn, Deutschland und Kroatien.

Otto von Habsburg stirbt am 4. Juli 2011 in seiner Villa Austria im oberbayerischen Pöcking am Starnberger See.

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Ein Kommentar zu “Otto von Habsburg”

  1. Royalist sagt:

    Sehr schön geschrieben, danke schön dafür. Es wird dem recht komplexen Charakters des österreichischen Kronprinzen gerecht.

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