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Auch Jahre nach dem Ende seiner Amtszeit gilt er als integre und moralisch-politische Instanz des Landes – kaum ein deutscher Staatsmann ist populärer als er. Als sechster Bundespräsident repräsentiert Richard von Weizsäcker in den Umbruchsjahren der deutschen Einheit mit Würde und Umsicht die Nation, er findet die richtigen Worte zur richtigen Zeit und erlangt im In- und Ausland hohe Anerkennung

Richard Karl Freiherr von Weizsäcker wird am 15. April 1920 als viertes Kind von Ernst von Weizsäcker und Marianne von Weizsäcker im Stuttgarter Schloss geboren. Er entstammt dem pfälzisch-württembergischen Geschlecht Weizsäcker – die Familie wird vom württembergischen König Wilhelm II. gegen Ende des deutschen Kaiserreichs geadelt. Er hat zwei Brüder und eine Schwester – Carl Friedrich, Adelheid und Heinrich Viktor. Der Vater Ernst von Weizsäcker ist Diplomat – deswegen lebt die Familie unter anderem in Basel, in Kopenhagen, in Oslo, in Bern und in Berlin, wo der Vater zunächst als Leiter der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes und danach als Staatssekretär unter Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop tätig ist.

1937 macht Richard von Weizsäcker am Berliner Bismarck-Gymnasium sein Abitur – danach studiert er in Oxford und Grenoble und leistet von 1938 bis 1945 Militärdienst in einem Potsdamer Infanterie-Regiment. Sein Bruder Heinrich dient im selben Regiment, welches im September 1939 im Rahmen des Polenfeldzuges die polnische Grenze überschreitet – Heinrich von Weizsäcker fällt kurz darauf bei einem polnischen Gegenangriff. Nach dem Polenfeldzug wird Richard von Weizsäcker mit seinem Regiment an die luxemburgische Grenze verlegt – während des Westfeldzuges nimmt er an Offiziersanwärter-Lehrgängen teil. Danach kämpft er während des „Unternehmens Barbarossa“ an der Ostfront und nimmt nach seiner Beförderung zum Oberleutnant unter anderem an der Leningrader Blockade teil. Während seiner Zeit als Wehrmachtsangehöriger freundet sich Richard von Weizsäcker eng mit den späteren Widerstandskämpfern des 20. Juli 1944 Axel von dem Bussche und Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg an, über die er von den Plänen des Claus Graf von Stauffenberg erfährt. 1945 wird er in Ostpreußen verwundet, nach Potsdam transportiert und kann sich in den letzten Kriegstagen nach Lindau am Bodensee absetzen.

Nach dem Ende des Krieges studiert Richard von Weizsäcker in Göttingen Rechtswissenschaft und Geschichte und promoviert mit der Arbeit „Der faktische Verein“ zum Dr. jur. Noch als Student assistiert er 1948 im sogenannten „Wilhelmstraßen-Prozess“ dem Rechtsanwalt Hellmut Becker, der seinen Vater bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen verteidigt.

Von 1950 bis 1953 arbeitet Richard von Weizsäcker als wissenschaftliche Hilfskraft bei der Mannesmann AG in Gelsenkirchen, 1953 wechselt er in die Rechtsabteilung nach Düsseldorf und von 1957 bis 1958 ist er als Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung in der Firma tätig. 1962 ist Richard von Weizsäcker für kurze Zeit persönlich haftender Gesellschafter des Bankhauses Waldthausen und danach von 1962 bis 1966 Mitglied der Geschäftsführung des rheinischen Chemie- und Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim.

Richard von Weizsäcker ist seit 1954 Mitglied der CDU – von 1966 bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten gehört er auch zum Bundesvorstand der Partei. 1968 wird er von Helmut Kohl zum ersten Mal als CDU-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen, unterliegt jedoch gegen den damaligen Verteidigungsminister Gerhard Schröder. Von 1969 bis 1981 ist Richard von Weizsäcker Mitglied des Deutschen Bundestages – seit 1973 ist er stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender. Von 1981 bis 1983 ist er CDU-Landesvorsitzender in Berlin und als Nachfolger von Jochen Vogel für drei Jahre Regierender Bürgermeister der geteilten Stadt.

1884 wird Richard von Weizsäcker von der Bundesversammlung als Nachfolger von Karl Carstens zum sechsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt – es ist die bislang einzige Wahl eines Bundespräsidenten, bei der es nur einen Bewerber gibt. Mit der Annahme seiner Wahl lässt er traditionsgemäß seine Mitgliedschaft in der CDU ruhen und nimmt sie auch nach dem Ende seiner Amtszeit nicht wieder wahr. Als Bundespräsident erlangt Richard von Weizsäcker hohe Anerkennung im In- und Ausland – vor allem mit seiner Rede von 1985, in der er den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ bezeichnet. Die mutige Rede kommt nicht überall gut an – vor allem Vertriebenenfunktionäre und CSU-Chef Franz-Josef Strauß beschimpfen ihn als „Spezialgewissenträger im Präsidentenamt“. An den deutschen Parteien kritisiert Richard von Weizsäcker, dass sie zu einem sechsten Verfassungsorgan geworden sind und lediglich zum Ziel haben die nächste Wahl zu gewinnen anstatt langfristige Probleme des Landes zu lösen.

Seit 1994 ist Richard von Weizsäcker Vorsitzender des „Bergedorfer Gesprächskreises“ der „Körber-Stiftung“ und des „Kuratoriums der Theodor-Heuss-Stiftung“. Er gehört dem Kuratorium des „Hannah-Arendt-Zentrums“ an, auch ist er Schirmherr der „Initiative Perspektive Deutschland“ sowie Kuratoriumsmitglied der Initiative „A Soul For Europe“. Als Ko-Präsident leitet er eine Kommission zur Neuorganisation der Vereinten Nationen und von 1995 bis 2000 gehört er der Jury zur Verleihung des „Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises“ an. Richard von Weizsäcker ist Mitglied der Jury der „Marion-Dönhoff-Stiftung“, Mitglied des „Club Of Rome“ und im Beirat der Berliner Humboldt-Viadrina School of Governance. Auch gehört er zu den Begründern des Fördervereins „Dom zu Brandenburg“ und ist Pate des Schöneberger Musiksommers.

Seit 1953 ist Richard von Weizsäcker mit Marianne von Kretschmann verheiratet – aus der Ehe gehen die Kinder Robert Klaus, Andreas, Marianne Beatrice und Fritz Eckhart hervor.

Richard von Weizsäcker stirbt am 31. Januar 2015 im Alter von vierundneunzig Jahren in Berlin – er wird mit einem Staatsbegräbnis geehrt, an dem Politprominenz aus dem In- und Ausland teilnimmt.

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