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Jahrzehntelang prägt er die deutsche Fernsehunterhaltung – mit frech-ironischem Charme und der nötigen Portion Humor moderiert sich der schlaksige Holländer in die Herzen der TV-Zuschauer. Rudi Carrell vertritt sein Heimatland beim Eurovision Song Contest, liefert mit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“ einen unvergessenen Hit und macht sich als Darsteller in zahlreichen Unterhaltungsfilmen einen Namen

Rudi Carrell kommt am 19. Dezember 1934 im niederländischen Alkmaar als Rudolf Wijbrand Kesselaar zur Welt – er ist das erste von vier Kindern von André Kesselaar und seiner Ehefrau Catharina Houtkooper. Mit sechzehn Jahren verlässt er ohne Abschluss das Gymnasium und geht danach für einige Monate nach Paris und Brüssel, ein Jahr später springt er in einem Gastspiel für seinen erkrankten Vater ein, der als Entertainer in den Niederlanden auftritt.

Größere Bekanntheit erreicht Rudi Carrell zu Beginn der sechziger Jahre – beim Eurovision Song Contest 1960 vertritt er sein Heimatland mit dem Lied „Wat een geluk“ und erreicht damit nur einen der letzten Plätze. 1961 moderiert er in Holland die „Rudi Carrell Show“, deren deutsche Version schon bald auch in Deutschland läuft.

Bundesweite Beachtung und große Beliebtheit erlangt Rudi Carrell ab 1974 mit der Moderation der populären Samstagabend-Show „Am laufenden Band“, die bis 1979 Rekordeinschaltquoten verzeichnet. In jener Zeit kann man Rudi Carell auch in diversen deutschen Schlagerfilmen und Komödien sehen – häufig an der Seite von Ilja Richter spielt er in Filmen wie „Tante Trude aus Buxtehude“ (1970) oder „Wenn die tollen Tanten kommen“ (1971).

1987 geht Rudi Carrell mit „Herzblatt“ auf Sendung – einer „Show zum Verlieben“ – und von 1988 bis 1992 moderiert er die Show „Lass dich überraschen“, in der Menschen aus dem Publikum überraschend ihre Herzenswünsche erfüllt werden – den gleichnamigen Titelsong singt Rudi Carrell selbst.

1987 löst Rudi Carrell mit dem Iran eine diplomatische Krise aus – in einem kurzen Sketch seiner beliebten Unterhaltungssendung „Rudi’s Tagesshow“ lässt er den iranischen geistlichen Führer Ajatollah Chomeini mit Damenunterwäsche bewerfen. Die iranische Führung schließt daraufhin das dortige Goethe-Institut und weist zwei Diplomaten aus – erst nach einer Entschuldigung des Showmasters wird die Krise beigelegt.

Bis zum Ende der neunziger Jahre moderiert und produziert Rudi Carrell außerdem die TV-Shows „Die verflixte Sieben“, „Die Post geht ab!“, „Rudis Tiershow“, „Rudis Urlaubsshow“, „Rudis Lacharchiv“, „Rudis Hundeshow“, „Sieben Tage, sieben Köpfe“ und „Rudis Suchmaschine“.

Rudi Carrrell ist auch als Sänger erfolgreich – mit „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ und „Goethe war gut“ feiert er in den siebziger Jahren deutsche Charterfolge. Weitere Single-Hits sind „Der Herr gab allen Tieren ihren Namen“, „Eine Insel für mich allein“ und „Mein Dorf“ – die deutsche Version von „Het dorp“ des niederländischen Liedermachers Wim Sonneveld. 1977 singt Rudi Carrell mit „Du bist mein Hauptgewinn“ das Lied zur „ARD-Fernsehlotterie“.

In seiner über dreißigjährigen Karriere wird Rudi Carrell mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt – unter anderem mit einem „Bambi“, zwei „Goldenen Kameras“, dem „Bundesverdienstkreuz Erster Klasse“, dem „Karl-Valentin-Orden“, dem österreichischen Filmpreis „Romy“, dem „Deutschen Comedypreis“ sowie dem „Ehrenpreis des Deutschen Fernsehpreises“. 2001 ernennt ihn die niederländische Königin Beatrix zum Ritter im niederländischen „Löwen-Orden“. 2006 wird Rudi Carrell die „Goldene Kamera“ für sein Lebenswerk überreicht – bei der Zeremonie verabschiedet sich der bereits schwer erkrankte Entertainer mit einer bewegenden Rede von der Showbühne.

1957 heiratet Rudi Carrell die Niederländerin Truus de Vries – aus der Ehe gehen die Töchter Annemieke und Caroline hervor, 1973 kommt es zur Scheidung. 1974 heiratet er die Bremerin Anke Bobbert – gemeinsam haben sie Sohn Alexander. Von 1985 bis 2000 ist Rudi Carrell mit der Drehbuchautorin Susanne Hoffmann liiert. 2001 heiratet er in dritter Ehe die Hotelfachfrau Simone Felischak.

Rudi Carrell – der zuletzt im niedersächsischen Syke lebt – stirbt am 7. Juli 2006 im Alter von einundsiebzig Jahren in einem Bremer Krankenhaus an den Folgen eines Krebsleidens. Er wird im engsten Familienkreis auf dem Friedhof im niedersächsischen Heiligenfelde beigesetzt.

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