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Mit dem Image des natürlichen und unverdorbenen Mädchens avanciert sie gegen Ende der fünfziger Jahre zum Teenageridol, später gelingt ihr der Sprung zur ernsthaften Charakterschauspielerin – Sabine Sinjen überzeugt auf der Theaterbühne ebenso wie in anspruchsvollen Filmrollen. Die Schauspielerin, deren Karriere immer wieder von Schicksalsschlägen überschattet wird, zählt zu den populärsten Darstellerinnen des deutschen Nachkriegskinos

Sabine Sinjen kommt am 18. August 1942 im schleswig-holsteinischen Itzehoe zur Welt und wächst zusammen mit ihren älteren Schwestern Julia und Frauke bei ihrer Mutter Marlen Sinjen – einer Journalistin – in Hamburg und München auf. Ihr Vater fällt im Zweiten Weltkrieg an der russischen Front.

Bereits als Jugendliche ist Sabine Sinjen beim Kinderfunk tätig, später nimmt sie Schauspielunterricht bei Else Bongers – ihr Leinwanddebüt feiert sie 1957 an der Seite von Heidi Brühl in „Die Frühreifen“ und ihren Durchbruch an der Seite von Lilli Palmer und Romy Schneider in „Mädchen in Uniform“ (1958).

Gegen Ende der fünfziger Jahre steigt Sabine Sinjen zum Teenageridol auf, ihre erste Hauptrolle spielt sie 1958 in „Stefanie“ neben Carlos Thompson. Danach folgen Auftritte in Filmen wie „Marili“ (1959), „Kein Engel ist so rein“ (1960) neben Hans Albers, Peter Kraus, Walter Giller und Ingrid van Bergen, „Das Glas Wasser“ (1960) mit Lilo Pulver, Gustaf Gründgens und Horst Janson, „Sabine und die hundert Männer“ (1960), „Stefanie in Rio“ (1960), „Die Försterchristel“ (1962) mit Peter Weck, „Die Flusspiraten vom Mississippi“ (1963) neben Hansjörg Felmy und Horst Frank, „Es“ (1966), „Alle Jahre wieder“ (1967) und „Wir zwei“ (1969).

Eine zwischenzeitlich eingeschlagene Filmkarriere in Frankreich – dort dreht Sabine Sinjen unter anderem mit Lino Ventura und Jean Marais – verläuft weniger erfolgreich.

Sabine Sinjen brilliert in den sechziger und siebziger Jahren auch auf der Theaterbühne – unter anderem am Berliner Schillertheater, am Wiener Theater in der Josefstadt, am Schauspielhaus Zürich, am Hamburger Thalia-Theater und bei den Salzburger Festspielen. Ihr Rollenrepertoire ist breit gefächert, sie spielt unter der Regie namhafter Theaterregisseure Rollen in Anouilhs „Jeanne oder Die Lerche“, Strindbergs „Fräulein Julie“, Giraudoux’ „Undine“, Hacks „Rosie träumt“, Molières „Dom Juan“, Kornfelds „Palme oder Der Gekränkte“, Grillparzers „Ein treuer Diener seines Herrn“ und Shakespeares „Zwei Herren aus Verona“, „Der Kaufmann von Venedig“ und „Wie es euch gefällt“.

Auch im Fernsehen ist Sabine Sinjen häufig zu sehen – so in der populären Serie „Alle meine Tiere“ (1966/1967) neben Gustav Knuth und Tilly Lauenstein, mit Inge Meysel im Hauptmann-Drama „Die Ratten“ (1969), neben Heinz Rühmann in „Der Pfandleiher“ (1971), in der Courths-Mahler-Verfilmung „Griseldis“ (1974) und in den Krimi-Reihen „Tatort“, „Derrick“ und „Der Kommissar“.

Zuletzt sieht man Sabine Sinjen in der Kinoproduktion „Das Haus im Ginster“ (1992) und im TV-Spiel „Von Frau zu Frau: Die Sammlerin“ (1994) mit Christiane Hörbiger.

1984 erkrankt Sabine Sinjen an Krebs – 1986 verliert sie nach mehreren chirurgischen Eingriffen ein Auge. 1987 gelingt ihr am Berliner Schillertheater in Jean Cocteaus Ein-Personen-Stück „Die geliebte Stimme“ ein viel beachtetes Bühnencomeback. Film- und TV-Rollen jedoch werden seltener – 1994 verschlechtert sich ihr gesundheitlicher Zustand so sehr, dass sie die Arbeit einstellen muss.

Sabine Sinjen wird im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt – darunter zwei „Bambis“, mehreren „Bravo-Ottos“, einem „Filmband in Gold“ und einer „Goldenen Kamera“. 1971 erhält sie den „Ernst-Lubitsch-Preis“ der Berliner Filmjournalisten und 1992 den „Verdienstorden des Landes Berlin“.

1971 unterzeichnet Sabine Sinjen zusammen mit anderen Prominenten das Bekenntnis „Wir haben abgetrieben!“ in der Zeitschrift Stern.

Sabine Sinjen ist zweimal verheiratet – mit dem Regisseur Peter Beauvais und danach mit dem Regie-Assistenten Günter Huber, mit dem sie Sohn Simon hat.

Sabine Sinjen stirbt am 18. Mai 1995 in Berlin im Alter von zweiundfünfzig Jahren an den Folgen ihrer Krebserkrankung – ihre letzte Ruhestätte findet sie im österreichischen Irrsdorf bei Salzburg.

1995 zeigt das Deutsche Fernsehen die Dokumentation „Ich hab’ gelernt, unheimlich gern zu leben“ über die Schauspielerin und 1998 werden ihre Aufzeichnungen „Wenn der Vorhang fällt“ posthum veröffentlicht. Das Buch wird 2001 unter dem Titel „Sabine Sinjen, Schauspielerin. Aufzeichnung aus meinem Leben“ neu aufgelegt.

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