Famous People » Schauspieler » Therese Giehse

Sie gehört zu den großen deutschen Charakterdarstellerinnen des vergangenen Jahrhunderts und prägt das Theaterleben des Landes von der Zeit der Weimarer Republik bis zu ihrem Tod nachhaltig – Therese Giehse begeistert vor allem als Brecht-Interpretin und feiert auch im Kabarett und vor der Kamera Erfolge

Therese Giehse kommt als Tochter des jüdischen Kaufmannsehepaars Gertrude und Salomon Gift am 6. März 1898 in München zur Welt. Ihre Eltern wollen sie davon abbringen, zum Theater zu gehen – weil sie doch überhaupt nicht schön sei. Doch das schon früh eigensinnige Mädchen finanziert von 1918 bis 1920 mit Büroarbeit ihren privaten Schauspielunterricht bei der Schauspielerin Toni Wittels-Stury. Nach ihrer Ausbildung erhält sie ab 1920 erste Engagements in Siegen/Westfalen, Gleiwitz/Oberschlesien, Landshut und Breslau und wird von 1925 bis 1933 Mitglied der Münchner Kammerspiele unter der Leitung von Otto Falckenberg.

Im Laufe der Zeit avanciert Therese Giehse in Rollen älterer, herber und unsympathischer Frauen zu einer der populärsten Darstellerinnen der Münchner Kammerspiele – man sieht sie unter anderem als „Gräfin Geschwitz“ in Wedekinds „Lulu“, als „Königin“ in Shakespeares „Hamlet“, als „Marthe“ in Goethes „Urfaust“, als „Gina“ in Ibsens „Die Wildente“, als „Frau John“ in Hauptmanns „Die Ratten“, als „Aase“ in Ibsens „Peer Gynt“, als „Mutter Wolffen“ in Hauptmanns „Der Biberpelz“ sowie als „Celia Peachum“ in Brechts „Die Dreigroschenoper“. Bei den Nationalsozialisten – die das Theater trotz seines politischen Protestcharakters oft besuchen – ist Therese Giehse besonders beliebt: „Endlich ein deutsches Weib in diesem verjudeten Haus!“ sagen diese – aus Unkenntnis ihrer jüdischen Herkunft. Auch Thornton Wilder, Karl Kraus und Thomas Mann gehören zu ihren Bewunderern. Zusammen mit Klaus und Erika Mann gründet Therese Giehse zu Beginn der dreißiger Jahre das literarische Kabarett „Die Pfeffermühle“ in der Münchner Bonbonnière beim Hofbräuhaus. Über ihre Liebesbeziehung zu Erika Mann äußert sie sich nie, wie sie sich auch grundsätzlich dagegen sträubt, etwas über ihr Privatleben preiszugeben – „Über mich red’ ich nicht“ ist ihr Credo.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 emigriert Therese Giese nach Zürich, da sie als Jüdin und politisch links stehende Künstlerin mit der Verfolgung durch die Nationalsozialisten rechnet. Von der Schweiz geht es dann weiter über Belgien, die Niederlande, Luxemburg und Österreich in die Tschechoslowakei – 1936 gibt „Die Pfeffermühle“ in Amsterdam die eintausendste Vorstellung.

1936 heiratet Therese Giehse den homosexuellen englischen Schriftsteller John Hampson-Simpson, um einen britischen Pass zu erhalten und damit dem Zugriff der Nationalsozialisten zu entgehen. Nach einem kurzen Aufenthalt in den USA – die in Amerika begonnenen Aufführungen der „Peppermill“ werden 1937 wegen Erfolglosigkeit eingestellt – kehrt Therese Giehse nach Europa zurück und wirkt am Zürcher Schauspielhaus in der Uraufführung von Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ sowie 1948 in der Uraufführung von „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ mit – 1949 holt Bertholt Brecht sie dann an sein Berliner Ensemble, wo Therese Giehse bis 1952 bleibt.

Danach geht Therese Giehse wieder an die Münchner Kammerspiele, nebenher spielt sie am Zürcher Schauspielhaus bei den Uraufführungen des „Besuchs der alten Dame“ (1956) und der „Physiker“ (1962) von Friedrich Dürrenmatt die weiblichen Hauptrollen – es heißt, der Dramatiker habe ihr die Rolle der „Alten Dame“ auf den Leib geschrieben.

In der Zeit der außerparlamentarischen Opposition der sechziger Jahre – deren Protest auch vor den Theatern nicht halt macht – spielt Therese Giehse vermehrt mit einer neuen und radikaleren Generation von Theatermachern. Sie geht auf Tournee durch die Bundesrepublik, wo sie mit musikalischer Begleitung Brecht-Texte liest und singt. Auch engagiert sie sich während der Zeit des Vietnamkriegs für die Abrüstung.

Ihr Leinwanddebüt gibt Therese Giehse 1931 in Deutschland mit einer kleineren Rolle in „Der Liebesexpress“, mehr als zehn Jahre später profiliert sie sich 1942 in der Verfilmung des Zuckmayer-Stücks „Katharina Knie“ mit dem Titel „Menschen, die vorüberziehen“. Danach kann man sie in „Die letzte Chance“ (1945), „Kinder, Mütter und ein General“ (1955) – wofür sie das „Filmband in Silber“ erhält – in „Mädchen in Uniform“ (1958) neben Lilli Palmer und Romy Schneider, in „Sturm im Wasserglas“ (1960) sowie in Louis Malles „Julien“ (1973) sehen. 1973 spielt sie die Oma Häusler in der Fernsehserie „Münchner G’schichten“, bei der Helmut Dietl die Regie führt. Ihre letzte Rolle hat Therese Giehse 1975 in der TV-Verfilmung von Bertholt Brechts „Die Gewehre der Frau Carrar“.

Therese Giehse stirbt am 3. März 1975 drei Tage vor ihrem siebenundsiebzigsten Geburtstag in München. Sie wird auf ihren Wunsch hin auf dem Friedhof Fluntern in Zürich beigesetzt.

Im Münchner Statdtteil Neuperlach sind die Therese-Giehse-Allee sowie der U-Bahnhof Therese-Giehse-Allee nach ihr benannt. In Zürich-Oerlikon existiert die Therese-Giehse-Straße.

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